Newsticker März: Aktuelles aus der Prozessindustrie Neuer Tarifvertrag steht: Beschäftigte in Chemie- und Pharmabranche bekommen mehr Geld

Von Wolfgang Ernhofer 48 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

25.03.2026

Bad Breisig (dpa) *13:20 Uhr – Beschäftigte in Chemie- und Pharmabranche bekommen mehr Geld

Lohnplus in schwierigen Zeiten: Die rund 585.000 Beschäftigten in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie erhalten mehr Geld. Darauf haben sich die Branchengewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC nach zweitägigen Verhandlungen im rheinland-pfälzischen Bad Breisig geeinigt. Zudem verpflichten sich die Arbeitgeber zu Zahlungen für die Beschäftigungssicherung in der kriselnden Chemieindustrie.

Demnach steigen die Löhne und Gehälter für die Beschäftigten in zwei Stufen: Ab Januar 2027 um 2,1 Prozent und ab Januar 2028 um weitere 2,4 Prozent. Von März bis Dezember des laufenden Jahres bleiben die Entgelte aber auf bisherigem Niveau. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags reicht über 27 Monate bis Ende Mai 2028. Unternehmen, die nicht wesentlich von der Krise betroffen sind, können eine oder beide Stufen der Tariferhöhung um drei Monate vorziehen.

Für 2026 und 2027 zahlen die Unternehmen zudem einen Beitrag zur Beschäftigungssicherung von je 300 Euro pro Mitarbeiter und Jahr. Für Auszubildende sind 150 Euro vorgesehen. Das Geld fließt in den seit 2010 bestehenden Demografiefonds der Branche, der bisher genutzt wird, um etwa Altersteilzeit und betriebliche Altersversorgung zu finanzieren. Er wird nun zur Jobsicherung erweitert: Aus dem Topf können Projekte zur Standortsicherung, Umqualifizierung oder Arbeitszeitreduzierung bezahlt werden. Das sei ein bundesweites Novum in einem großen Flächentarifvertrag, so die IG BCE.

«Die Einigung spiegelt die Krise der Branche wider», sagte BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel. Matthias Bürk, Verhandlungsführer der Arbeitgeber betonte, die lange Laufzeit gebe Firmen viel Planungssicherheit. Zudem zahlten die Arbeitgeber erst ab 2027 - «und das zu krisengerechten Konditionen».

Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis betonte, für den Krisen-Abschluss seien die Arbeitnehmer bis an die Schmerzgrenze gegangen. «Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre habe sowohl der Branche als auch ihren Beschäftigten zugesetzt». Mit dem Iran-Krieg habe sich die Lage nochmals zugespitzt.

Die Gespräche in Bad Breisig waren die dritte Verhandlungsrunde auf Bundesebene. Die IG BCE wollte Jobs in der Konjunkturflaute sichern und höhere Entgelte über der Inflationsrate erreichen, wenngleich sie auf eine konkrete Lohnforderung verzichtete. Die Arbeitgeber pochten dagegen auf Lohnzurückhaltung angesichts der Krise der Chemie. BAVC-Verhandlungsführer Bürk betonte, die Branche produziere 20 Prozent weniger als 2018, zahle aber deutlich höhere Tariflöhne. Der aktuelle Tarifvertrag war Ende Februar ausgelaufen.

Die Chemie- und Pharmabranche ist die drittgrößte Industriebranche in Deutschland nach dem Auto- und Maschinenbau. Dem Chemieverband VCI zufolge erzielte sie 2025 einen Umsatz von rund 220 Milliarden Euro. Während die Pharmabranche wächst, steckt die Chemie seit langem in der Flaute. Ihr machen teure Energie, US-Zölle, die schwache Konjunktur und Überkapazitäten am Weltmarkt zu schaffen.

Der Iran-Krieg hatte die Lage verschärft, denn die Branche ist vom Anstieg der Energiepreise stark betroffen. Sie verbraucht viel Öl und Gas, zugleich spielen die Rohstoffe eine zentrale Rolle als Ausgangsstoffe etwa für Kunststoffe, Dünger, Medikamente, Lösungsmittel und Kosmetika.

Chemiekonzerne wie BASF und Evonik haben bereits Sparmaßnahmen samt Stellenabbau verkündet. Der US-Konzern Dow schließt Chemieanlagen in Sachsen und Sachsen-Anhalt und Wacker Chemie aus München meldete einen Rekordverlust für 2025. Nach Einschätzung von BASF-Chef Markus Kamieth erlebt die Chemieindustrie «wohl ihre schwierigste Zeit seit 25 Jahren». Aus Sicht des Ifo-Instituts drohen der Branche dieses Jahr weitere Produktions- und Jobkürzungen.

Der Chemie-Abschluss ist die erste größere Einigung in der deutschen Industrie in diesem Jahr. Für den öffentlichen Dienst der Länder hat Verdi einen Abschluss über 27 Monate erreicht, der den Beschäftigten in drei Stufen 5,8 Prozent mehr Geld bringt. Streiks und Warnstreiks machen den Bürgern vor allem im Verkehr das Leben schwer, wenn Piloten der Lufthansa oder Bahn- und Busfahrer die Arbeit niederlegen. Im Herbst verhandelt die IG Metall mit den Arbeitgebern über die Gehälter von rund 3,8 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie.

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In der Chemieindustrie wiederum haben es die Tarifpartner erneut geschafft, ohne Arbeitskämpfe zu einer Einigung zu kommen. Den letzten Streik in der Branche gab es vor mehr als einem halben Jahrhundert - im Jahr 1971.

Ingelheim (dpa/lrs) *11:14 Uhr – Boehringer steigert Umsatz und entwickelt neue Medikamente

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hat mit seinen Medikamenten für Menschen und Tiere im Jahr 2025 mehr Umsatz gemacht. Zwei neue Arzneimittel wurden auf den Markt gebracht: eines gegen Lungenkrebs in den USA und eines gegen Lungenfibrose in den USA und China, wie das Unternehmen mitteilte.

Die Erlöse gingen nach Angaben des Unternehmens währungsbereinigt um 7,3 Prozent auf 27,8 Milliarden Euro nach oben. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung erhöhten sich von 6,2 Milliarden auf 6,4 Milliarden Euro. Zum Gewinn machte Boehringer Ingelheim keine Angaben.

Bei den Pharmaprodukten für Menschen habe vor allem das Geschäft mit Medikamenten zur Behandlung von Nierenerkrankungen, Typ-2-Diabetes und Herzinsuffizienz für Umsatzzuwachs gesorgt.

Im Bereich der Tiergesundheit waren Medikamente zur Behandlung und Vorbeugung von Parasitenbefall der Wachstumstreiber. Das Unternehmen arbeite auch eng mit Landwirten, Tierärzten und Behörden zusammen, um meldepflichtige Tierseuchen wie Vogelgrippe, Maul- und Klauenseuche sowie das Blauzungenvirus zu bekämpfen.

Zhanjiang (dpa) *07:37 Uhr – BASF eröffnet neuen Verbundstandort in China

Der Chemiekonzern BASF eröffnet am Donnerstag offiziell seinen neuen Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang. Mit einem Investitionsvolumen von rund 8,7 Milliarden Euro ist es das größte Einzelprojekt in der Unternehmensgeschichte. Der Standort gilt als strategisch wichtig für die künftige Ausrichtung des Konzerns. Der Betrieb war bereits im November vergangenen Jahres angelaufen.

Mit dem Werk will BASF den vielversprechenden Markt in Südchina und der Provinz Guangdong besser bedienen - einer von Chinas wichtigsten Industriezentren. Für die Volksrepublik erwartet der Konzern starkes Wachstum bis 2035 mit einer größer werdenden Mittelschicht und steigenden Einkommen.

In China liegt zudem mehr als die Hälfte des Weltchemie-Bedarfs. Zwischen 2024 und 2035 erwartet BASF, dass das weltweite Wachstum in der Chemie-Branche zu 75 Prozent in der derzeit zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stattfinden wird. Parallel erwirtschaften die Ludwigshafener jedoch nur 13 Prozent ihres weltweiten Umsatzes in China. BASF sieht erhebliches Ausbaupotenzial.

Allerdings stand das Werk in Zhanjiang schon länger in der Kritik, weil die Befürchtung bestand, der Konzern werde zu abhängig von einem autoritär regierten Land wie China, gegen das auch immer wieder Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen laut werden. Auch Chinas Machtanspruch auf den Inselstaat Taiwan sorgt immer wieder für Spannungen. Ein Konflikt in der Region könnte die für die Seefahrt wichtige Taiwanstraße bedrohen.

BASF zufolge wird Zhanjiang nach dem Stammwerk in Ludwigshafen und nach Antwerpen der drittgrößte Verbundstandort des Unternehmens. Auf einem Areal von rund vier Quadratkilometern werden 2.000 Beschäftigte arbeiten.

24.03.2026

Kammerstein (dpa/lby) *17:10 Uhr – Undichte Chemie-Behälter lösen Großeinsatz an Rastanlage aus

Ein Gefahrgut-Transport hat an einer Rastanlage in Kammerstein (Landkreis Roth) einen Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungskräften ausgelöst. Nach Angaben der Polizei trat aus mehreren Behältern eines Lastwagens eine Flüssigkeit aus, die als Zusatzstoff für die Parfümherstellung verwendet wird.

Demnach stellten die Beamten den undichten Lastwagen bei einer Kontrolle am Dienstag fest. Die Ladung sei nicht ordnungsgemäß gesichert und die Behälter seien nicht richtig verschlossen gewesen. Daraufhin sei die Kontrolle abgebrochen und ein Großaufgebot an Einsatzkräften alarmiert worden.

Die Feuerwehr konnte die Behälter sichern und den ausgelaufenen Stoff beseitigen, wie es hieß. Die Flüssigkeit gilt in verdünnter Form als ungefährlich. Nach der Reinigung der Ladefläche und der Straße konnte der Lastwagen seine Fahrt fortsetzen. Den Fahrer erwarten mehrere Anzeigen wegen Verstößen gegen das Gefahrgutrecht und die Straßenverkehrsordnung. Zudem wird geprüft, inwieweit die betroffene Spedition für die Einsatzkosten aufkommt.

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