Polymerproduktion

Neue Wege in der Polymerproduktion: Planetwalzenextruder ersetzt Reaktionskessel

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Erfahrungen und Ergebnisse

Nach einiger Optimierungsarbeit ist es gelungen, selbst mit dem relativ kleinen Technikumsextruder mehr als 30 Kilogramm qualitativ hochwertiges Granulat in der Stunde zu erzeugen. „Wenn wir den Prozess vollständig im Griff haben, dürfte ein weiteres Scale-up relativ problemlos möglich sein“, erwartet Rust aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen mit PWEs in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen. Dann könnte diese Reaktion schon bald beispielsweise in einer Maschine mit 400 mm Nenndurchmesser ablaufen, die stündlich bis zu zwölf Tonnen Polymer liefern könnte.

„Es gibt einfach sehr viele Möglichkeiten, verschiedene Parameter einzeln oder abhängig voneinander zu ändern und so den Reaktionsverlauf zu beeinflussen. Wir lernen bei jedem neuen Versuch dazu“, erklärt Dr. Stebani. Er ist überzeugt, dass viele der in den letzten Wochen und Monaten gewonnenen Erkenntnisse auch auf andere Reaktionen übertragbar sind. „Wir sind zuversichtlich, schon bald den Planetwalzenextruder routinemäßig für eine Vielzahl von chemischen Reaktionen einsetzen zu können. Dabei könnten wir gemeinsam mit den Experten von Entex und auf der Basis der kontinuierlich wachsenden Erfahrung Kunden bezüglich der Ausstattung und Konfiguration der Extruder beraten, die sie für ihre Reaktionen benötigen“, führt Stebani aus.

Er kann sich außerdem vorstellen, eigene Anlagenkapazitäten aufzubauen und damit im Kundenauftrag zu produzieren. „Wir müssen abwarten, wie schnell sich das neue Verfahren am Markt etabliert und wie sich der Bedarf entwickelt.“

Vom Nutzen eines Netzwerks

„Es gibt noch immer so viele Anwendungsmöglichkeiten für PWEs, an die wir noch gar nicht gedacht haben“, muss Harald Rust zugeben. Wenn die neue Form der Polymerherstellung und -aufarbeitung im PWE sich durchsetzt, wäre eine neue Anwendung hinzugekommen. Das Resultat wäre nicht nur eine Win-Win-Situation für Entex und Polymaterials, sondern auch ein Gewinn für die Kunden beider Firmen, da sind Rust und Stebani sich einig.

Wolfgang Paczenski indes ist bereits ein Gewinner. Er freut sich, dass er die Kooperation der beiden Unternehmen mit anstoßen konnte. „Innovative Werkstoffe sind ein Zukunftsthema, doch die damit verbundenen Herausforderungen sind häufig so komplex, dass nur interdisziplinäre Teams entlang der Wertschöpfungskette sie lösen können. Kommunikation und Kooperation sind daher die Grundlage, um gemeinsam wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Genau das ist es, wozu das Netzwerk Innovative Werkstoffe motivieren will. Hier wollen wir Mittler und Treiber sein, um Mehrwert zu generieren für die Unternehmen und den Innovationsstandort Deutschland“, betont Paczenski. Gerade für die Chempark-Partner eröffne das Netzwerk vielfältige Chancen, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Literatur

[1] Peter Stracke, „Mit neuem Verfahren Phenolharze kontinuierlich generiert“ in: Konzeptionen für nachhaltiges Wirtschaften, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (Hrsg.), Bonn, Januar 2003.

[2] Dr. Rolf Hormuth, Ludwig Wittrock, Massezylinder mit Kolben oder Förderschnecke zum Spritzen oder Spritzgießen von thermoplastischen Kunststoffen. Patent DE1,003,948 (1953).

[3] Der Planetwalzenextruder, Impulse… Die neue Generation des Planetwalzenextruders, Firmenschriften ENTEX GmbH, Bochum, 2010.

* Der Autor arbeitet als Fachjournalist für Wirtschaft, Wissenschaft und Technik in Mülheim an der Ruhr.

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