Mobile Kleinanlage

Miniaturisierter Chemiebetrieb im Containerformat

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Schneller von der Idee zum Produkt

Eine solche Kleinanlage kann flexibel an jedem beliebigen Standort eingesetzt werden. Damit ist die Anlage schon durch seine Beweglichkeit eine Alternative zu herkömmlichen Klein- oder Pilotanlagen, die für die Herstellung neuer Chemieprodukte erbaut werden. In der Regel sind so die anfänglichen Investitionskosten und damit das unternehmerische Risiko geringer. Als Chemie auf Rädern kann der Eco Trainer außerdem schnell dort stationiert werden, wo die ökonomischen Bedingungen besonders günstig sind – z.B. in einer Region mit außergewöhnlich schnell wachsender Nachfrage für ein bestimmtes Produkt aus der Spezialchemie.

Vor allem aber verkürzt eine kleine, mobile Produktionsanlage die Zeit von der Idee bis zu Marktreife, weil nicht nur Labortests und Prozessentwicklung, sondern auch die spätere industrielle Anfangsproduktion in ein und derselben Infrastruktur ablaufen können. So konnte die Entwicklung vom Labor bis zur laufenden Produktion des ultrahochreinen Hexachlordisilan von Evonik in weniger als drei Jahren abgeschlossen werden. Damit spielt die Kleinanlage ihre Stärken aus, wenn es um die schnelle und flexible Herstellung kleinerer Mengen geht. Doch gelingt so der Sprung von der Klein- zur Großanlage häufig einfacher, schneller und sicherer als bei klassischen Produktionsmöglichkeiten.

Dr. Frank Stenger, Leiter der Gruppe Small Scale Processes im Bereich Verfahrenstechnik & Engineering bei Evonik, erläutert: „Der Eco Trainer ist intelligente Infrastruktur: mobil, für Anlagen in kompaktester Form, die auf Dauerbetrieb ausgerichtet sind. Selbst das Prozessleitsystem entspricht dem einer Anlage im Industriemaßstab.“ Inzwischen wurde in Rheinfelden eine zweite, normale Produktionsanlage für HCDS gebaut und in Betrieb genommen. Den größten Teil der Produktionsmenge lieferte Evonik 2013 nach Asien. „Mit ausschlaggebend für den Erfolg des Produkts war ganz sicher die Schnelligkeit durch den Eco Trainer“, sagt Götz rückblickend.

Erfolgsmodell und eine weitere Premiere

Die Fachleute entwickeln die Kleinanlage beständig weiter. In Hanau steht schon ein zusätzlicher, noch leerer „Alles-Könner-Kasten“ bereit. Er stellt eine weitere Premiere dar. „Evonik wird im Eco Trainer mit einem Pharmahersteller die Infrastruktur zur Herstellung eines hochwirksamen Krebsmedikaments entwickeln. Die Europäische Union fördert das Vorhaben“, so Projektleiter Dr. Jürgen Lang. Die Produktion muss nach den strengen Richtlinien der Guten Herstellpraxis (Good Manufacturing Practice, GMP) erfolgen. Lang sieht darin kein Problem. Durch den hohen Automatisierungsgrad und den hermetisch verschließbaren Produktionsraum sei die Anlage für derartige Aufgaben geradezu geschaffen.

Die Spezialisten für Kleinformate sind überzeugt: Die Nachfrage nach einer flexiblen Technik für die Herstellung chemischer Produkte wird wachsen. Denn die von Fachleuten als Small-Scale-Anlagen bezeichneten Ausstattungen erlauben es, mit einem neuen Produkt früher in den Markt zu kommen – und damit die Nase im Wettbewerb vorne zu haben. Die Vorteile für den Verbraucher liegen auf der Hand: zum Beispiel ein schnellerer Zugang zu faszinierender und leistungsfähigerer Elektronik, aber unter Umständen auch zu neuen Medikamenten.

(ID:43136645)