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Waste-to-Chemistry-Projekt Joint Venture soll Chemieabfälle in „grünes“ Methanol umwandeln

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Ein Unternehmenszusammenschluss aus Air Liqude, Akzo Nobel Specialty Chemicals, Enerkem und der Hafengesellschaft von Rotterdam will gemeinsam Abfälle der chemischen Industrie in neue Rohstoffe umzuwandeln. In einem Werk im niederländischen Rotterdam sollen auf nachhaltige Weise 360.000 t Kunststoff- und andere Mischabfälle zu 220.000 t (270 Millionen Liter) „grünen“ Methanols verwertet werden.

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Der Weg vom Abfall in der chemischen Industrie zum neuen Rohstoff.
Der Weg vom Abfall in der chemischen Industrie zum neuen Rohstoff.
(Bild: Akzo Nobel Specialty Chemicals)

Rotterdam/Niederlande – Diese Mengen entsprechen dem gesamten Abfall, den über 700.000 Haushalte in einem Jahr produzieren. Damit will man CO2-Emissionen in Höhe von ca. 300.000 t einsparen. Die anfänglichen Investitionen für die Detailkonstruktion, die Gründung eines Joint Ventures und den Genehmigungsprozess belaufen sich auf 9 Millionen Euro. Das Konsortium will die endgültige Investitionsentscheidung für das Projekt mit einem geschätzten Volumen von 200 Millionen Euro im Laufe dieses Jahres treffen.

Das Werk wird im Rotterdamer Hafen auf Grundlage der proprietären Technologie von Enerkem errichtet und nicht recyclebare Mischabfälle wie z.B. Kunststoff zunächst in Synthesegas und dann in reines Methanol umwandeln, das in der chemischen Industrie und im Verkehrssektor zum Einsatz kommt. Die Produktionsstätte wird mit zwei Linien eine doppelt so hohe Eingabekapazität wie das kommerzielle Werk von Enerkem im kanadischen Edmonton haben. Der Hafen von Rotterdam verfügt über modernste Infrastruktur, die dem Projekt ebenso zu Nutzen kommen wird wie Synergien mit Air Liquide für die Versorgung mit Sauerstoff sowie mit Akzo Nobel für die Versorgung mit dem Rohstoff Wasserstoff. Akzo Nobel ist gleichzeitig Kunde für die Abnahme von Methanol.

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Projekt erfährt breite Unterstützung

Das Waste-to-Chemistry-Projekt hat in den letzten Monaten bereits erhebliche Fortschritte erzielt: „Wir können nicht recyclebare Abfälle in Methanol umwandeln, welches ein wesentlicher Rohstoff für viele Produkte des täglichen Bedarfs ist, unter anderem für Kraftstoffe im Verkehrswesen. Wir können es in bestehenden Lieferketten anstelle von fossilen Brennstoffen einsetzen und sparen CO2-Emissionen ein, die ansonsten bei der Müllverbrennung entstanden wären“, sagt Marco Waas, Director RD&I von Akzo Nobel Specialty Chemicals und Vorsitzender des Lenkungsausschusses des Konsortiums.

Die Umsetzung des Projekts hat die Unterstützung des niederländischen Ministeriums für Wirtschaft und Klimapolitik. Das Ministerium hat sich zur Entwicklung von Mechanismen und Regelungen bereit erklärt, die die Entwicklung dieser neuen Technologie in großem Umfang ermöglichen, um die Umstellung der niederländischen Wirtschaft auf geringe CO2-Emissionen zu fördern. Das Waste-to-Chemistry-Projekt wird ebenfalls von der Stadt Rotterdam, der Provinz Südholland sowie der regionalen Entwicklungsgesellschaft Innovation Quarter unterstützt.

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