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Die Roadmap ist klar
Die ersten Meilensteine sind also erreicht, und während beim Auftakt 2011, als es um die prinzipielle Brauchbarkeit der ISO-Norm ging, die Stimmung verhalten war, hörte man in Bruchsal zum ersten Mal von den CAE-Providern ein fast einvernehmliches Ja zur Marschrichtung.
Es gäbe klar formulierte Anforderungen aus dem Business, darum halte Aveva die ISO 15926-Iniative für sehr sinnvoll, sagte Markus Herrmann. Seine in Bruchsal vorgestellte Import-Exportschnittstelle bietet sogar noch eine zusätzliche Nutzungsmöglichkeit, nach kleinen Anpassungen könnte man die aus dem R&I gewonnenen Daten für den 2D/3D-Abgeich in Aveva-Diagramm verwenden.
Mit von der Partie sind auch Bentley, Siemens und Autodesk. Sie alle tragen die gemeinsam formulierte Roadmap mit, die eine Implementierung des Standards in die kommenden Versionen der jeweiligen CAE-Software vorsieht und darum den Softwareherstellern einiges abverlangt.
Marktführer Intergraph tut sich deutlich schwerer mit der Roadmap. Trotz Mitarbeit bei den internationalen Normierungsgruppen u.a. POSC Ceasar und Fiatech, steht die amerikanische Konzernzentrale dem von Deutschland getriebenen Vorhaben offenbar zurückhaltend gegenüber.
Man brauche gute Argumente, um die Entwicklungsabteilung in Huntsville zu überzeugen, den Standard in die nächste Smartplant-Generation einzubauen, weil viele Projekte um die Manpower der Softwareentwickler konkurrieren, hieß es von Intergraph-Vertreter Jacob Muelhens in Bruchsal, der ergänzte, die Aussicht auf ein großes Marktpotenzial für die Schnittstelle würde sicher mehr Schwung in die Sache bringen.
Pars pro Toto
Konkret ging es bei dem vorgestellten Meilenstein um den Ex- und Import eines Instrumentierungs- und Rohrleitungsschemas, bei dem exemplarisch Daten von Wärmetauscher, Pumpe, Rohren und einiger Regelkreise zwischen den beteiligten Softwareherstellern ausgetauscht wurden. Größte Herausforderung bei der Aufgabe ist die Tatsache, dass ein P&ID zwar die Grundlage jeder verfahrenstechnischen Planung ist, aber ein Normierungsansatz die gesamte in Unternehmen zu findende Bandbreite abdecken muss und zwar ohne einen Verlust an Informationen. „Es gibt neue P&IDs, alte P&IDs, internationale Besonderheiten, und P&IDs wachsen“, präzisierte Temmen.
Momentan nutzen die Projekt-Beteiligten Proteus/XM Plant als Brückentechnologie, da das Format neben einem Satz von Werkzeugen vor allem ein veröffentlichtes XML-Schema bietet, das kompatibel zu dem „Wörterbuch“ der ISO 15926 ist. Die ISO 15926 selbst ist ja momentan noch ein Baukasten, das heißt die normierte Beschreibung anlagenbezogener Objekte ist noch lange nicht abgeschlossen.
Um trotzdem mit der Arbeit voranzukommen, bietet Dexpi eine lokale Sandbox – das ist eine Referenzdatenbibliothek zur Darstellung von Standardelementen – in der die Nutzer trotz des laufenden Normierungsprozesses eigene Beschreibungen ablegen können.
Diese werden dann später mit der von der Fiatech unterhaltenen Sandbox abgeglichen. Mit zum Werkzeugkasten gehört jetzt auch ein Validator, der dazu dient, die Standardisierungsergebnisse zu verifizieren.
Im nächsten Schritt, der für 2014 vorgesehen ist, soll übrigens der qualitativ-exemplarische Austausch von Einzelteilen auf den quantitativen Austausch des gesamten P&IDs ausgedehnt werden. Und als großes Ziel für 2015 steht der Import und Export von zusätzlichen, komplexen Engineeringdaten. ●
* Die Autorin ist Leitende Redakteurin bei PROCESS.
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