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Covid-19 Impfstoff-Entwicklung: Forschende Pharma-Unternehmen im Kampf gegen das Coronavirus

Redakteur: MA Alexander Stark

Die forschenden Pharmaunternehmen arbeiten unter Hochdruck an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Derzeit gibt es nach VFA-Informationen mindestens 16 Projekte für Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 - neun von Unternehmen, sieben von Forschungsinstituten. Allerdings sind nicht alle chinesischen Projekte bekannt.

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Gegen die Infektion mit dem Coronavirus sind eine Reihe von Impfstoffprojekten angelaufen.
Gegen die Infektion mit dem Coronavirus sind eine Reihe von Impfstoffprojekten angelaufen.
(Bild: VFA)

Berlin – Noch nie haben Pharma-Unternehmen und Forschungseinrichtungen so schnell auf einen neuen Erreger reagiert wie auf das neue Coronavirus Sars-CoV-2, das die Krankheit Covid-19 hervorruft. Sie entwickeln Impfstoffe, erproben vorhandene Medikamente auf ihre Eignung, entwickeln neue Arzneimittel und unterstützen das chinesische Gesundheitssystem. Auch kooperieren sie vielfach untereinander.

Die aktiven Unternehmen sind: Curevac (Deutschland), Janssen (Tochter von Johnson & Johnson, USA), Sanofi Pasteur (Frankreich), Moderna + NIAID (USA), Inovio + Wistar Institute (USA), Clover Biopharmaceuticals (China), Novavax (USA), Tonix Pharmaceuticals (USA) und Altimmune (USA).

Die Unternehmen GSK und Dynavax tragen zudem mit ihren Adjuvantien (Wirkverstärkern für Impfstoffe) zu Projekten anderer Firmen und Forschungsgruppen bei. Drei der Unternehmen - nämlich CureVac, Moderna und Inovio -werden von CEPI, der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations, finanziell unterstützt.

Etappen einer Impfstoff-Entwicklung

Die Entwicklung jedes neuen Impfstoffs erfolgt - vereinfacht dargestellt - über mehrere Etappen:

  • Analyse des Virus: Was daran ruft Immunreaktionen hervor?
  • Design des Wirkstoffs: Was vom Virus und welche Zusatzstoffe sollen enthalten sein?
  • Erprobung mit Tieren
  • Erprobung mit Freiwilligen
  • Zulassungsverfahren in der EU (entsprechend in den USA, China, Japan etc.)
  • Massenproduktion des zugelassenen Impfstoffs

Dank guter Vorbereitung der Unternehmen und Forschungseinrichtungen auf den Epidemiefall, Erfahrung mit den verwandten Sars- und Mers-Viren sowie prioritärer Bearbeitung aller Anträge durch die Arzneimittelbehörden werde es voraussichtlich möglich sein, die Etappen weit schneller als je zuvor zu durchlaufen, so der VFA. Auch unter diesen Umständen gehen offizielle Stellen aber davon aus, dass ein zugelassener Impfstoff frühestens in 12 bis 18 Monaten verfügbar sein kann. Bislang hat noch bei keinem Impfstoff die Erprobung mit Freiwilligen begonnen.

Kommen möglichst viele Unternehmen und Forschungsinstitute rasch ans Ziel, dann steigert dies die Chancen, dass sich unter Nutzung der vorhandenen Produktionskapazitäten genügend Impfeinheiten für eine globale Impfkampagne herstellen lassen.

Erprobung vorhandener Medikamente

Schneller als Impfstoffe sind möglicherweise Medikamente zur Behandlung von Infizierten verfügbar. Denn zahlreiche Medikamente, die schon gegen andere Krankheiten zugelassen oder zumindest weitgehend erprobt sind, kommen dafür in Betracht. Ihre tatsächliche Eignung wird derzeit in klinischen Studien mit Covid-19-Patienten geprüft. Es sind vor allem Medikamente der folgenden Art:

  • Virustatika, die ursprünglich gegen HIV, Ebola, Hepatitis C, Grippe, Sars oder Mers (zwei von anderen Coronaviren hervorgerufene Krankheiten) entwickelt wurden. Sie sollen die Vermehrung der Viren blockieren oder verhindern, dass sie in Lungenzellen eindringen. Auch ein altes Malaria-Medikament wird geprüft, dessen Wirksamkeit gegen Viren erst vor kurzem entdeckt wurde.
  • Immunmodulatoren, die gegen Rheumatoide Arthritis oder entzündliche Darmerkrankungen entwickelt wurden. Sie sollen die Abwehrreaktionen des Körpers so begrenzen, dass diese nicht noch mehr Schaden anrichten als die Viren selbst.
  • Medikamente für Lungenkranke, die z.B. gegen idiopathische Lungenfibrose entwickelt wurden. Sie sollen verhindern, dass die Lunge der Patienten das Blut nicht mehr mit genug Sauerstoff versorgen kann.

Die Unternehmen stellen ihre Medikamente zur Verfügung; die Erprobung findet großenteils in chinesischen Krankenhäusern statt, weil es dort die meisten Patienten gibt. Bislang liegen einige positive Einzelfallberichte vor; doch von keinem Medikament sind Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Covid-19-Patienten systematisch bestätigt.

Neue Medikamente

Einige Unternehmen und Forschungsinstitute wollen auch neue Medikamente gegen Covid-19 entwickeln. Im Zentrum steht dabei das Blutserum von Patienten, die von einer Covid-19-Infektion genesen sind (das sogenannte „Rekonvaleszentenserum“). Es enthält Antikörper, die das Immunsystem der Patienten in Reaktion auf die Infektion gebildet hat. Die Hoffnung ist, dass einige dieser Antikörper imstande sind, Sars-CoV-2 im Körper vermehrungsunfähig zu machen.

Ein Unternehmen will solche Antikörper in großem Umfang aus Plasmaspenden vormaliger Covid-19-Patienten gewinnen und zum Medikament verarbeiten. Mehrere Forschungseinrichtungen planen, die bestgeeigneten Antikörper aus dem Serum mit biotechnischen Mitteln zu „kopieren“ und in Zellkulturen herzustellen. In beiden Fällen sollen Covid-19-Erkrankte anschließend mit Antikörper-Infusionen geheilt werden können.

Unterstützung des chinesischen Gesundheitssystems

Zahlreiche forschende Pharma-Unternehmen unterstützen das chinesische Gesundheitswesen darüber hinaus mit Geld- und Sachspenden im Gesamtwert von mehreren Millionen Euro. Zu den Sachspenden zählen Schutzkleidung, Medikamente und Diagnosetechnik; das Geld geht insbesondere an das Chinesische Rote Kreuz.

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