Suchen

Digitalisierung und Biomassefeuerung

Forschungsprojekt kombiniert Digitalisierung und Verfahrenstechnik

| Redakteur: Alexander Stark

Forschende vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht versuchen im Rahmend es Projekts Digital Fire die Digitalisierung von Biomassefeuerungsanlagen auszuschöpfen. Entlang der gesamten Prozesskette werden dabei Module entwickelt und im Realbetrieb getestet. Die dabei gewonnen Daten können dann genutzt werden, um die Anlagen effizienter und damit wirtschaftlicher zu machen.

Firmen zum Thema

Digitalisierung
Digitalisierung und Biomassefeuerung: "Geht nicht? Geht doch!" sagen Forschende vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht.
(Bild: Fraunhofer Umsicht)

Oberhausen – In Deutschland existieren ca. 900.000 Biomasse-Kesselanlagen und ca. 700 Biomasseheizkraftwerke. Für einen wirtschaftlichen Betrieb müssen diese Anlagen mehr und mehr in der Lage sein, auch Brennstoffe niedrigerer Qualität inklusive biogener Reststoffe verarbeiten zu können. Die meisten Systeme sind dazu zwar grundsätzlich im Stande und verfügen auch über entsprechende Programme für Einsatzstoffe wie Pellets, Hackschnitzel oder Späne. Für Brennstoffe wie Waldrestholz oder biogene Reststoffe müssen die Parameter aber manuell eingestellt werden. Dies ist aufwändig und erfordert viel Erfahrung. Am Ende geht es darum, die Verbrennungsregelung so einzustellen, dass ein stabiler Verbrennungsprozess mit hoher Ausbrandqualität von Feststoff und Gasphase und damit ein hoher Wirkungsgrad erreicht wird. Fehler bei der Einstellung der Feuerung führen zu höheren Emissionen und im schlimmsten Fall zu höherem Verschleiß mit Wartungsfolgen und Ausfallzeiten. Hier kommt die Digitaltechnik ins Spiel: Wenn es gelingt, durch Fortschritte in der Steuerungs- und Regelungstechnik niedrigere Brennstoffqualitäten bei gleichbleibender Leistung zu fahren, stellt sich schnell ein ökonomischer Nutzen ein.

Digital Fire: Entwicklung innovativer Sensorik entlang der Prozesskette von Biomassefeuerungen.
Digital Fire: Entwicklung innovativer Sensorik entlang der Prozesskette von Biomassefeuerungen.
(Bild: Kohlbach/ Fraunhofer Umsicht)

Um dieses Ziel zu erreichen, werden im Projekt Digital Fire zunächst verschiedene Sensoren, Soft-Sensoren und Datenerfassungsysteme installiert. Die darüber erzeugten Daten, z.B. zum Heizwert, der Brennstoffzusammensetzung und -qualität, Rosttemperatur und zum Anlagenzustand (siehe Abb.) werden gesammelt, aufbereitet und visualisiert. Anschließend kommen Methoden des Machine Learning bzw. künstliche neuronale Netze zum Einsatz, um die Daten auszuwerten und nutzbar zu machen, z.B. für eine automatisierte Einstellung der optimalen Feuerungsparameter oder Warnungen vor kritischen Anlagenzuständen. Durch ein benutzerfreundliches Frontend – auch für mobile Endgeräte (z.B. eine App) – sollen diese Informationen dem Betreiber immer direkt zur Verfügung stehen.

Normalerweise wird eine solch durchgängige digitale Prozessüberwachung der Feuerung nur in großen Biomasseheizkraftwerken oder Müllverbrennungsanlagen eingesetzt, vor allem aus Kostengründen. Im Projekt sollen diese Funktionen nun auch für Feuerungen in kleineren Leistungsklassen (Kesselanlagen bzw. kleinere Biomassekraftwerke von 100 kW bis zu 20 MW Feuerungswärmeleistung) verfügbar gemacht werden.

Wissen ist Wettbewerbsvorteil Ob Branchennews, innovative Produkte, Bildergalerien oder auch exklusive Videointerviews. Sichern auch Sie sich diesen Informationsvorsprung und abonnieren Sie unseren redaktionellen Branchen-Newsletter „Forschung & Entwicklung in Chemie- und Verfahrenstechnik“.

Damit die Technik bezahlbar bleibt, machen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Fraunhofer Umsicht sinkende Kosten für elektrotechnische Komponenten, Sensorik und Softwarelösungen zunutze. Neben verfügbarer Hardware, also Sensoren, Mess-Komponenten oder Kamerasysteme sollen auch Open-Source-Software und KI-Bibliotheken, beispielsweise für optische Bilderkennung, geprüft werden. Dann wollen die Wissenschaftler prüfen, was davon für Biomassefeuerungen verwendet werden kann, und welche Modifikationen nötig sind. Insgesamt hoffen die Forscher, dadurch die Investitionen für die Betreiber gering zu halten, um schnell in die wirtschaftliche Gewinnzone zu kommen.

BF Automation ist als Projektpartner dabei. Das Unternehmen unterstützt die Forschenden bei der Entwicklung und Einbindung der neuen Module. Der Aufbau und die Einbindung in die Serverinfrastruktur, die Datenauswertung sowie die Anwendungsentwicklung wird von IT-Spezialisten der Umsicht-Standorte in Oberhausen und Sulzbach-Rosenberg durchgeführt.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46235454)