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Kreiselpumpen haben in der Chemie einen Marktanteil von bis zu 90 Prozent. Für Verdrängerpumpen, also Ihr Hauptprodukt, bleibt nur der schmale Rest. Wo sehen Sie Potenzial zu wachsen?
Glasmeyer: Stimmt, die Kreiselpumpe ist der größte Markt. Aber wir haben dagegen mit unseren Dosierpumpen Produkte zu bieten, die zu den effizientesten gehören – wenn es etwa darum geht hochgefährliche Flüssigkeiten zu fördern. Da gibt es ausreichend Potenzial in der Nische und durch den kundenspezifischen Systemansatz bietet sich für uns ein hohes Markt- und Wachstumspotenzial.
Das System- und Package-Geschäft scheint der große Wachstumstreiber zu sein?
Glasmeyer: Ja, Skids und Packages sind einer der wichtigen Wachstumstreiber für uns. Da können wir unsere Lösungskompetenz voll ausspielen. Vor allem, weil wir das Geschäft dezentral beherrschen, nah bei den Kunden und Anwendungen. Immer ist alles ist kundenspezifisch erstellt, ob in der Öl/Gas-Industrie oder Chemie. Ein aktuelles Beispiel: In Singapur bauen wir aktuell eine Chemical Injection Package Unit mit einer unglaublichen Dimension von 20 x 21 x 11 Meter mit über 100 Pumpenköpfen. Das Ganze wird lokal zusammengebaut mit hoher lokaler Wertschöpfung und hoher Engineering-Kompetenz.
Sehen Sie sich mit Ihrem Produktportfolio von Pumpen über Chemical Injection Packages, Membranen und Online-Photometrie eigentlich noch als Pumpenanbieter?
Glasmeyer: Wir verstehen uns heute als Lösungsanbieter im Fluidbereich. Aber das Herzstück aller unserer Tätigkeiten ist und bleibt die Pumpe. Dort wird auch in Zukunft weiterhin viel Innovation hinein fließen.
Wo liegt die größte Herausforderung für einen Lösungsanbieter wie Lewa?
Glasmeyer: Sich immer wieder neu zu erfinden und sich gleichzeitig an die unterschiedlichen Branchen- und Marktbedürfnisse anzupassen. Das gelingt uns eigentlich immer besser.
Stichwort Fachkräfte: Lewa muss im Großraum Stuttgart als Arbeitgeber gegen Unternehmen wie Daimler, Porsche und Bosch antreten. Wie können Sie hier punkten?
Glasmeyer: Die von Ihnen genannten Unternehmen sind von einer ganz anderen Dimension, was die Größe angeht. Was wir immer wieder feststellen ist, dass sich neue Mitarbeiter ganz bewusst für uns entscheiden, weil wir auf der einen Seite als Top Branding im Markt bekannt sind. Ein weiterer wichtiger Punkt ist unsere ausgeprägte Internationalität. Nicht zuletzt können sie bei uns relativ schnell Verantwortung übernehmen, sind nicht – um es mal salopp auszudrücken – über Jahre für die Entwicklung des rechten Türschlosses bei einem Auto verantwortlich. Nehmen wir mal einen Vertriebsingenieur, der bei uns eintritt. Der wird gleich Länder übernehmen, die kann er bearbeiten und ‚seinen‘ Markt auch gestalten. Und er kann Initiativen starten, um mit Tochtergesellschaften bestimmte Projekte zu bearbeiten. Sein Bewegungs- und Gestaltungsspielraum ist im Vergleich zu den Großen wie Mercedes und Porsche oder Bosch deutlich höher. Nicht zuletzt bieten wir natürlich marktgerechte Gehälter. Erfolg: Wir konnten vergangenes Jahr 35 Mitarbeiter neu gewinnen.
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