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ZEMA-Störfall-Erfahrung

Blitzschlag als Auslöser für Fluorwasserstoff-Austritt

| Redakteur: Gerd Kielburger

Wie das Umweltbundesamt in seiner ZEMA-Datenbank jetzt bekannt gab, kam es am 5. Juni 2016 in einer Fluorwasserstoff-Produktionsanlage in Bad Wimpfen, Baden-Württemberg, bei der Bereitstellung von Kaltsole zu einem meldepflichtigen Ereignis nach Störfall-Verordnung. 20 Kilogramm des hoch giftigen Fluorwasserstoffes sind dabei ausgetreten. Was war passiert?

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ZEMA-Datenbank
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(Bild: Umweltbundesamt)

Auslöser sei ein Blitzeinschlag in die 110 KV-Leitung des Stromversorgers gewesen, heißt es in dem ZEMA-Bericht. Dabei sei es um 14:53 Uhr zu einer kurzzeitigen (360 ms) Spannungsschwankung auf der 20 KV-Stromversorgung (auf zwei Phasen) des Betriebsbereiches gekommen. Unter anderem seien hierdurch auch die Kaltsolepumpen und die Kältemaschinen HF ausgefallen. Unmittelbar danach wurde der Bereitschaftselektriker angefordert. Durch die fehlende Kühlung und den Druckaufbau im Gesamtsystem kam es wenige Minuten später zu einer sichtbaren Emission von CaSO4/H2SO4/HF aus den beiden Drehrohröfen. Durch unmittelbares Öffnen der Notabsaugung konnten diese wieder gestoppt werden. Allerdings kam es durch die fehlende Kälteleistung zur Verdampfung des flüssigen HF in den Kondensatoren. Die entstehende große Menge an Gas wurde durch die Notabsaugung in die Öfen gezogen und entwich daraufhin an den Dichtungsstellen der Öfen. Die Rohstoffeinspeisungen wurden nun gestoppt und parallel wurde die Solepumpe manuell gestartet.

Trotz des erfolgten elektrischen Startimpulses lief diese Pumpe aber nicht an. Die Kältemaschinen konnten mithilfe des Elektrikers daraufhin gestartet werden. Zu diesem Zeitpunkt (15.30 Uhr) reduzierten sich die Emissionen bereits aufgrund der Unterbindung der Rohstoffeinspeisung.

Da die Solepumpe nicht lief, fielen die Kältemaschinen aufgrund nicht abgenommener Kälteleistung wieder aus. Zu diesem Zeitpunkt wurde bemerkt, dass die Solepumpe nicht lief und wurde daraufhin erfolgreich gestartet. Die Emissionen wurden nun unterbunden (15.36 Uhr).

Um 15.40 Uhr traf die verständigte Werksbereitschaft ein, um 15.55 Uhr die Werksfeuerwehr. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Emissionen mehr. Eine Wasserwand zu setzen war nicht mehr nötig. Personen oder Sachschäden waren nicht zu beklagen.

Als Sofortmaßnahmen werden die Kaltsolepumpen mit einer Laufüberwachung nachgerüstet und in der Messwarte visualisiert. Darüber hinaus wurden die internen Verfahrensanweisungen mit Schulung der Mitarbeiter zur Abstellung der Rohstoffeinspeisung bei nicht laufender Kaltsolepumpe angepasst.

Weitere Informationen dazu unter www.infosis.uba.de

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