Geschäftsmodelle in der Chemiebranche

„Blinder Aktivismus ist keine Lösung“

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Alle Mitarbeiter in Umsetzung einer Zukunftsstrategie einbinden

Der Veränderungsdruck ist hoch, wer auf Unterstützung aus der Politik für die Chemieindustrie wartet, wartet vergebens. Vielmehr ist das Management der Chemieindustrie in der Pflicht, Antworten zu finden - und das Geschäftsmodell entsprechend anzupassen.

Geht es darum seine „Robustheit“ und „Zukunftsfähigkeit“ in einer Art Stresstest auf den Prüfstand zu stellen, müssen sowohl Marktbearbeitung (wie Produktangebot, Kommunikation und Vertrieb) als auch Leistungserstellung (wie Organisation, Wertschöpfungsarchitektur, Prozesse) genauestens analysiert werden. Ein kritischer Blick auf die Finanzierung darf ebenso wenig fehlen.

Da die Wandlungsbereitschaft aber auch immer im Unternehmen selbst beginnt, kann nicht allein externen Faktoren der „schwarze Peter“ zugeschoben werden: „Viele Produzenten in der Chemieindustrie sind Familienunternehmen - eine niedrige Fluktuationsquote ist hier gang und gäbe. Ohne „frischen Wind von außen“ fällt es dabei manchmal schwer, die Notwendigkeit für Veränderungen zu erkennen und anzustoßen“, weiß Dr. Karl-Martin Schellerer, Autor der Broschüre und Branchenexperte bei W&P. Deshalb sei es besonders wichtig, alle Mitarbeiter in die Umsetzung einer neuen Zukunftsstrategie einzubinden - sonst sei ein Scheitern programmiert.

Hidden Markets erschließen

Große Bedeutung misst Schellerer auch der Erschließung neuer Märkte bei: „Oft glauben Unternehmen in der Chemischen Industrie, neue Abnehmermärkte seien nur über innovative Produkte zu erschließen.“ Dabei würde übersehen, dass ein systematisches Screening außerhalb tradierter Abnehmerbranchen auch Umsatzpotenziale mit bestehenden oder nur leicht modifizierten Produkten heben kann. „Wir gehen davon aus, dass gerade diese „hidden markets“ eine signifikante Geschäftsquelle darstellen“.

Die komplexen Herausforderungen der Chemieindustrie können nicht mit einfachen Instrumenten aus der „Standard-Toolbox des modernen Management“ bewältigt werden – so viel ist klar. Vielmehr müssen sich die Manager der Branche auf ein Zusammenspiel analytischer Tiefenschärfe, kreativer Konzepte und konsequenter Umsetzungsorientierung einlassen, um der Unvorhersehbarkeit entgegenzutreten: „Wichtig ist dabei aber, nicht in blinden Aktivismus zu verfallen. Unternehmenslenker dürfen jetzt nicht den Fehler machen, den viele Abenteurer im 19. Jahrhundert auf der Suche nach Gold im Westen der USA begangen haben: Folgen Sie nicht blindlings ihrem Wettbewerb!“ so Schellerer.

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