Arzneimittelentwicklung Bilanz des VFA: 46 Medikamente mit neuem Wirkstoff in einem Jahr

Quelle: Pressemitteilung

Trotz Pandemie haben Pharma-Unternehmen 2021 insgesamt 46 Medikamente mit neuem Wirkstoff auf den Markt gebracht. Erstmals gelang es zudem ein neues Medikament in weniger als zwei Jahren zu entwickeln und zuzulassen. Im Fokus der Entwicklungen standen vor allem Mittel gegen Covid-19.

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Trotz Pandemie haben Pharma-Unternehmen 2021 insgesamt 46 Medikamente mit neuem Wirkstoff auf den Markt gebracht.
Trotz Pandemie haben Pharma-Unternehmen 2021 insgesamt 46 Medikamente mit neuem Wirkstoff auf den Markt gebracht.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Berlin – Bei der Einführung neuer Arzneimittel in Deutschland war 2021 ein außergewöhnliches Jahr. Nie zuvor ist es gelungen, dass ein therapeutisches Medikament in weniger als zwei Jahren entwickelt, erprobt, behördlich geprüft und nach Zulassung in die Versorgung gebracht wurde. Geschafft haben das zwei kooperierende Unternehmen mit einem Antikörper-basierten Medikament gegen Covid-19. Außergewöhnlich ist aber auch die Gesamtzahl der Neueinführungen: 46 Medikamente mit neuem Wirkstoff in einem Jahr: Das wurde seit der Jahrtausendwende nur einmal noch überboten - 2014 mit 49.

Die Medikamente mit neuen Wirkstoffen von 2021 finden Anwendung in ganz unterschiedlichen medizinischen Gebieten und reichen von Krebserkrankungen über Infektionskrankheiten bis hin zu Stoffwechsel- und Blutungskrankheiten.

Mittel gegen Covid-19 hatten 2021 höchste Priorität bei Unternehmen und Arzneimittelbehörden. So konnten drei weitere Impfstoffe und ein neues Medikament in die Versorgung kommen. Weitere Medikamente wurden von einem Unternehmen schon vor Zulassung im Rahmen einer Sondergenehmigung für die Therapie bedürftiger Patienten geliefert.

Andere gegen Covid-19 wirksame Medikamente wurden (wie schon 2020) dadurch verfügbar, dass bereits gegen andere Krankheiten zugelassene Medikamente erfolgreich umfunktioniert werden konnten (Repurposing).

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Aber auch anderen Infektionskrankheiten konnten Unternehmen 2021 wieder etwas entgegensetzen. So führten sie für Patienten, die an Infektionen mit problematischen gramnegativen Bakterien leiden, zwei neue Reserve-Antibiotika ein. Beide sind ein Beitrag gegen das wachsende Problem multiresistenter Erreger.

Zudem brachten Unternehmen zwei neue HIV-Medikamente auf den Markt. Diese können in Kombination mit weiteren Arzneimitteln beispielsweise eingesetzt werden, wenn bei HIV-positiven Patient:innen die bisherige Therapie nicht mehr ausreichend vor Aids schützt.

Neueinführungen gegen Krebserkrankungen

Mehr noch als Antiinfektiva kamen onkologische Medikamente heraus: insgesamt 14 gegen unterschiedliche Krebsarten oder Krebsvorstufen. Neben häufigen Krebsarten wie dem Brustkrebs oder dem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom werden auch seltene Krebsarten wie bestimmte Lymphome oder blastische plasmazytoide dendritische Zellneoplasien adressiert.

Bei fünf dieser Medikamente ist vor der Anwendung mit einem Gen- oder Gewebetest zu prüfen, ob die Krebszellen im vorliegenden Fall bestimmte Merkmale aufweisen, beispielsweise eine Mutation, gegen die das Mittel seine Wirkung ausrichtet. Dies folgt dem Konzept der Personalisierten Medizin.

Zusätzlich konnten Unternehmen in zwölf Fällen nach einschlägigen Studien das Anwendungsgebiet eines schon länger verwendeten Medikaments auf weitere Krebsarten ausdehnen und damit noch mehr Betroffenen helfen.

Herz-Kreislauf-Medikamente

Trotz aller Fortschritte sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland weiter für die meisten Todesfälle und zudem für erhebliche Einschränkungen bei Betroffenen verantwortlich. Oft sind chronische Herzinsuffizienz oder durch Lipidstörungen begünstigte Schlaganfälle und Herzinfarkte der Grund dafür. Zur Linderung oder Prävention dieser Krankheiten dienen mehrere neue Medikamente, die 2021 herausgekommen sind.

Medikamente für Menschen mit seltenen Erkrankungen

Auch für die Behandlung von Menschen mit seltenen Krankheiten aus unterschiedlichen medizinischen Gebieten wurde 2021 wieder viel erreicht: Gleich elf der Medikamente mit neuem Wirkstoff (24 %) haben den Orphan Drug-Status in der EU. Dieser zeigt an, dass die EU-Arzneimittelbehörde EMA sie als überlegen gegenüber bisherigen Behandlungsmöglichkeiten (soweit überhaupt vorhanden) für die jeweiligen seltenen Erkrankungen einstuft.

Als selten wertet die EU solche Krankheiten, die höchstens fünf von 10.000 EU-Bürger betreffen. So leiden beispielsweise in der ganzen EU nur rund 400 Menschen an der neurodegenerativen Metachromatischen Leukodystrophie, an primärer Hyperoxalurie Typ 1 nur 2.250, an Achondroplasie 17.900. Alle drei Krankheiten können mit Neueinführungen von 2021 gezielt behandelt werden. Seit dem Jahr 2000 motivieren die in der EU-Verordnung für Medikamente gegen seltene Krankheiten festgehaltenen Sonderkonditionen die Unternehmen, auch Arzneimittel gegen solche Erkrankungen zu entwickeln.

Obwohl es in den letzten Jahren im Markt deutlich mehr Orphan Drugs geworden sind, entfallen auf sie pro Jahr nicht mehr als 4,4 % der Arzneimittelausgaben der Krankenkassen. Das liegt auch daran, dass der Orphan-Status nur maximal zehn Jahre lang gilt.

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