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CO2-Pilotanlage

Bayer nimmt Pilotanlage in Betrieb, die CO2 für die Kunststoffherstellung nutzbar macht

| Redakteur: Sonja Beyer

Das Kohlenstoffdioxid-Molekül selbst zerschnitt das rote Band zur feierlichen Inbetriebnahme der CO2-Pilotanlage im Chempark Leverkusen – in Form eines animierten Strichmännchens auf der Leinwand, das in einem Film die neue Anlage und das Prinzip dahinter erklärte.

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In der CO2-Pilotanlage in Leverkusen (v.l.n.r.): Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung in NRW, Dr. Wolfgang Plischke, Mitglied des Bayer-Vorstandes, zuständig für Innovation, Technologie und Umwelt. (Bild: Bayer)
In der CO2-Pilotanlage in Leverkusen (v.l.n.r.): Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung in NRW, Dr. Wolfgang Plischke, Mitglied des Bayer-Vorstandes, zuständig für Innovation, Technologie und Umwelt. (Bild: Bayer)

Leverkusen – Deutlich zu spüren waren der Stolz und die Freude bei den Vertretern des Chemiekonzerns Bayer sowie ihren Partnern, als sie die neue CO2-Pilotanlage offiziell in Betrieb nahmen. Denn damit ist einem Verfahren, an dem Wissenschaftler des Unternehmens und Forscher der RWTH Aachen seit 2008 gemeinsam arbeiten, der Schritt aus der Forschung in den Technikumsmaßstab geglückt. In der Anlage im Chempark Leverkusen entstehen nun Polyole, in die CO2 eingebaut wird. Diese sind chemische Vorprodukte und lassen sich mit Isocyanaten zu Polyurethan weiterverarbeiten. Wenn alles so gut laufe wie bisher, würden innerhalb einiger Jahre viele neue Produkte auf den Markt kommen, wie Dr. Tony Van Osselaer, Vorstandsmitglied von Bayer Material Science (BMS), ankündigte. Polyurethankunststoffe sind hauptsächlich in Weichschaummatratzen im Einsatz, eignen sich jedoch auch als Dämmstoffe beim Hausbau, für die Automobilindustrie, für Beschichtungen oder Sportartikel.

Das Verfahren ist Ergebnis des gemeinsamen Projekts „Dream Production“ von Wirtschaft und Wissenschaft. Bayer arbeitet hier mit dem Energieunternehmen RWE zusammen, von dem das eingesetzte CO2 stammt. Weitere Projektpartner sind die RWTH Aachen University sowie das gemeinsam von der Hochschule und Bayer betriebene CAT Catalytic Center, wo die Wissenschaftler den geeigneten Katalysator fanden, der die effiziente Nutzung von CO2 erst ermöglicht.

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Noch könne die Anlage, konzipiert, errichtet und betrieben von Bayer Technology Services (BTS), erst Kilogrammmengen realisieren, doch seien die Aussichten auf ein Scale-Up gut und damit der nächste Schritt ins Auge gefasst. Um konkrete Zielmengen zu nennen, war es den Bayer-Vertretern jedoch noch zu früh, denn im nächsten Schritt gelte es erst einmal, einige Fragen zu klären, z.B.:

  • Vertragen sich der Katalysator und das Kohlenstoffdioxid problemlos miteinander?
  • Welche Mengen Kohlenstoffdioxid sind umsetzbar?
  • Wie steht es um die Kohlenstoffdioxid-Bilanz des gesamten Verfahrens?
  • Welche Materialeigenschaften haben Polyurethanprodukte, die auf Basis des neuen Verfahrens entstehen?
  • Welche Produkte ermöglicht das neue Verfahren?

Deshalb werden die Partner der RWTH Aachen das neue Verfahren über alle Stufen einer ökologischen und ökonomischen Gesamtbetrachtung unterziehen und es dabei auch mit herkömmlichen Prozessen und Produkten vergleichen. Die Kompatibilität des Katalysators mit dem Kraftwerks-CO2 wird am CAT geprüft, während BMS in einer bereits bestehenden anderen Technikumsanlage in Leverkusen die Weiterverarbeitung der CO2-basierten Polyole zu Polyurethanschaumstoffen sowie die resultierenden Materialien testen will. Falls die Pilotphase positiv verläuft, soll ab 2015 die industrielle Produktion von Kunststoffen auf CO2-Basis anlaufen.

Die Ehre gaben sich zur Inbetriebnahme auch Svenja Schulze, Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung in Nordrhein-Westfalen, der parlamentarische Staatssekretär im BMBF, Thomas Rachel, sowie als Ehrengast Prof. Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesminister und derzeitig Executive Director des Institute for Advanced Sustainability Studies.

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