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Auf einem gemeinsamen Weg
Bei der Entwicklung des neuen Einsatzleitsystems ging es vor allem darum, vier Einsatzbereiche, also Feuerwehr, Werkschutz, Umweltüberwachung und Rettungsdienst, die in ihren Abläufen unterschiedlich organisiert sind, zusammenzubringen. Auch die darunter liegenden technologischen Subsysteme mussten vereinheitlicht werden.
Zu den Hauptaufgaben des Werkschutzes gehört die Überwachung der Werksgrenze, dafür müssen Videos eingebunden werden. Bei den Einsätzen der Feuerwehr und des Rettungsdienstes galt es, die Funkanbindung zu den Feuerwehrautos in das zentrale Leitsystem zu integrieren. Auch mussten die Brandmeldesensoren miteinbezogen werden, sowie rund 850 Aufzugsnotrufsysteme am Standort. Die Umweltüberwachungsabteilung verfügt dagegen über eine Menge Sensoren aus der Luft- und Abwasserüberwachung, die von einem klassischen Prozessleitsystem bearbeitet werden. All diese knapp 100 verschiedenen Subsysteme mussten zu einem Gesamtsystem zusammengefügt werden.
Zudem hat jeder Standort seine eigene Struktur und damit zusammenhängend andere Rahmenbedingungen für Sicherheit. „Diese feinen Unterschiede in eine technologische Plattform zu überführen, die letztendlich natürlich auch besser und sicherer sein soll, war eine gewaltige Aufgabe“, so Haselhorst.
Menschliches Netzwerk als Basis
Mithilfe des neuen Einsatzleitsystems sind die Standorte in der Lage, arbeitsteilig auch andere Standorte zu unterstützen. Denkbar wäre etwa das Szenario, dass in Ludwigshafen die Einheiten mit einem Einsatzfall beschäftigt sind. Die Kollegen aus Schwarzheide würden in dieser Zeit die Standardanfragen des Werkschutzes übernehmen. Haselhorst ist vom Erfolg überzeugt: „Die Leute kennen sich und werden bei einem Einsatz auch über Standorte hinweg gut zusammenarbeiten.“
Bereits jetzt startet der Austausch und werden Mitarbeiter in Schwarzheide geschult, immer mit dabei sind auch Mitarbeiter aus Ludwigshafen und Antwerpen. Die Infrastruktur für das neue Einsatzleitsystem, das vom österreichischen Unternehmen Eurofunk Kappacher geliefert wurde, ist komplex. „Wir wollten ein Produkt, das sehr reif ist und unsere Anforderungen erfüllt, dabei aber gleichzeitig flexibel auf unsere spezifischen und sehr komplexen Gegebenheiten hier in Ludwigshafen eingeht“, sagt Schwibach.
Die zentrale Plattform wurde in zwei Rechenzentren am Standort Ludwigshafen zweifach aufgebaut. Die optimale Anbindung an die Netzwerktechnik der BASF weltweit erlaubte es, in den jeweiligen Leitstellen dezentrale Einheiten zu schaffen, die wiederum unabhängig voneinander funktionieren. Dabei ging es um zweierlei: Die Verfügbarkeit der zentralen Plattform muss gewährleistet sein, und mögliche Szenarien wie ein technischer Ausfall, ein Unfall in der BASF oder auch ein Terroranschlag müssen mit einer Risikobetrachtung verbunden werden. „Aus meiner Sicht ist es diese Art der Absicherung mit einer zentralen Plattform, die alle Belange berücksichtigt, seien es Security, Datensicherheit, Datenschutz oder Sicherheit bei der Stromversorgung – ein ganz entscheidender Vorteil des Systems“, sagt Haselhorst.
„Meilenstein in der Einsatzleitstellentechnik“
„Das neue Leitsystem stellt einen Meilenstein in der Einsatzleitstellentechnik dar. Wir werden dann de facto nur noch eine einzige zentrale technische Plattform in Ludwigshafen haben, auf der alle Leitstellen der großen Standorte in Europa arbeiten“, so Schwibach. Vorbilder gibt es kaum. Zwar hat der öffentliche Dienst in Bayern oder Schleswig-Holstein vernetzte Leitstellen, diese dienen jedoch ausschließlich dem Informationsaustausch.
Auch in anderen Unternehmen, z.B. bei Stahlunternehmen, gibt es Bestrebungen, die Leitzentralen zu zentralisieren. „Aber in dieser Komplexität, mit unterschiedlichen Chemieproduktionen, dem Vollersatz von bestehenden Leitstellen, der gleichzeitigen Modernisierung der Technologie für Feuerwehr, Rettungsdienst, Umweltschutz und Werkschutz, sind wir wohl ziemlich einzigartig“, ist Schwibach überzeugt.
Ausblick: Wieder einmal zeigt sich, dass der Verbund bei der BASF nicht auf Rohrleitungen beschränkt ist. „Wir leben den Verbundgedanken intensiv, so gibt es neben dem Produktverbund auch einen Wissensverbund. Diesen Vorteil haben wir nun für uns genutzt“, erklärt Haselhorst, der davon überzeugt ist, dass Spider ohne die enge Vernetzung der Standorte nicht möglich gewesen wäre. Das System ist so aufgebaut, dass in Zukunft weitere Standorte, etwa in Basel, Spanien oder Übersee eingebunden werden können.
* Die Autorin ist freie Mitarbeiterin bei PROCESS.
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