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Für Jonas Spoorendonk, der als Digital Portfolio Manager bei ABB tätig ist, bietet das Internet der Dinge viel mehr als nur vorbeugende Wartung. Der dänische ABB-Ingenieur darin neben dem Differenzieren durch neue Geschäftsmodelle vor allem die Risiko-Minimierung, den Investitionsschutz, das Minimieren von Ineffizienzen und natürlich die immer wieder propagierten Kostensenkungen. Wenn Smart Sensoren Motoren vorausschauend überwachen können, warum sollten sie dieselben wertvolle Dienste nicht auch für Pumpen leisten können, überlegten die sich Verantwortlichen beim Schweizer Pumpenhersteller Emile Egger und nahmen Kontakt mit ABB auf. Gemeinsam beschlossen man einen auf die speziellen Erfordernisse von Pumpen zugeschnittenen neuen smarten Sensor zu entwickeln.
Die gebündelte Erfahrung der Ingenieure und Wissenschaftler von ABB und Egger führten rasch zum erwünschten Ergebnis. Ausgehend von der bewährten Hardwarebasis wurden die Motor-Sensoren so adaptiert, dass sie nun auch Werte wie Pumpendrehzahl, Gesamtvibration, Unwucht, Kavitation (die Bildung von Dampfblasen in Flüssigkeiten) oder Verstopfung auslesen können. Dafür nutze ABB das exzellente wissenschaftliche Know-how von Mitarbeitern in Deutschland, Indien, USA und der Schweiz. Im Gegenzug ebnete Egger den Zugang zu deutschen und Schweizer Endkunden, mit deren Input eine neue, anforderungsgerechte Datenanalyse entwickelt werden konnte.
Nachdem die durchgeführten Tests in den Egger Prüfeinrichtungen im schweizerischen Cressier zufriedenstellend verliefen, hat ABB inzwischen erste Prototypen geliefert, um sie in der realen Betriebsumgebung zu testen. In diesen Pilotanlagen kommt auch bereits der gesamte digitale Background der Smart-Sensor-Technologie zum Einsatz: Zustandsmeldungen und Leistungskennzahlen werden nicht nur erfasst sondern über ein Gateway an die ABB Ability Cloud übertragen. Die Pumpenbetreiber können die Daten dann über eine App auf ihrem Smartphone oder in einem Browser ablesen. ABB und spezialisierte Partnerunternehmen führen in der Cloud weitere Analysen durch, um relevante Tendenzen zu erkennen und zukünftig Cloud-basierte Services durchführen zu können.
Erste vielversprechende Anwendungsgebiete eruierten die Pumpenspezialisten in der Abwasserthematik. Dort stehen Betreiber von Abwasseranlagen vor sehr ähnlichen Herausforderungen. Pumpen fallen in der Regel ohne Vorwarnung aus. Um typischen Probleme wie Verstopfungen vorzubeugen, müssen sie daher mitunter mehrmals pro Woche in mühsamer und zeitraubender Arbeit auf Verdacht überprüft werden. Das soll zukünftig durch den Einsatz des Smart Sensors vermieden werden. Pumpenhersteller Egger bringt das Produkt erstmals auf der Ifat mit Fokus auf Abwasserpumpen in den Markt. Der Sensor misst einmal pro Stunde die definierten Kenndaten und gibt diese über ein Gateway in die Cloud. Die Reichweiten des Gateways, an das eine beliebige Zahl von Sensoren angeschlossen werden kann, beziffert man bei ABB abhängig von Hindernissen im industriellen Umfeld in einem Radius bis zu 50 Metern. Wie Digital-Spezialist Spoorendonk betont, erfolgt die Kommunikation einfach über Bluetooth, die Batterielebensdauer wird derzeit auf fünf Jahre angegeben. Laut Hersteller passt der Smart Sensor auf jeden alten und neuen Motor oder Pumpe.
Nach dem erfolgreichen Partnermodell mit Egger sucht ABB jetzt nach weiteren Pumpenherstellern, die die Sensoren, die App oder das Backend nicht selbst entwickeln wollen oder können. Und wem gehören dann die erhobenen Daten? Dem Pumpenanbieter, dem Betreiber oder ABB? Dafür gebe es eine klare Regelung, so Spoorendonk: „Wer den Sensor besitzt, der entscheidet auch, wer was mit den Daten machen darf.“ Auch wenn es bei ABB einige Super-User gebe, die auf alle Daten Zugriff hätten, sei es nicht Ziel von ABB den Endanwender mit diesem Produkt zu adressieren. Man gehe daher nicht auf Endkunden zu und biete Leistungen an, ohne das der Maschinenbauer und der Betreiber, dies wünschten. „Unser Kunde ist der Maschinenbauer und nicht der Endkunde“, so die eindeutige Aussage.
Auf die Frage, ob für Motor und Pumpe denn nicht ein Smart Sensor ausreiche, stellt Spoorendonk klar: „Wenn der Sensor nur auf dem Motor sitzt, lassen sich zwar gewisse Rückschlüsse auf die Pumpe ziehen, aber eben keine genauen Daten.“ Und mit welchem Preismodell geht man an den Markt? „Im Moment verkaufen wir den Sensor, das Retrofit-Kit sowie das Gateway als Hardware sowie den Service für die Überwachung von Motoren oder Pumpen. Sensor mit Retrofit bietet ABB derzeit für etwa 100 Euro an. Das gleiche muss man nochmals für den Service pro Sensor einkalkulieren.
Fazit: Mit allen Neu- und Weiterentwicklungen adressiert ABB relevante Anwendungsgebiete und zeigt dabei interessante und technisch ausgereifte Lösungen auf. Wie Anwender diese aufnehmen werden, darauf sind die ABB-Entwickler schon sehr gespannt und hoffen auf möglichst zahlreiche Messekontakte.
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