Chemie und Pharma in Post-Corona-Zeiten

Zurück auf Los: Was kommt für die Chemie nach Corona?

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Aber: Diese als Reaktion auf ein äußeres Ereignis erfolgten kurzfristigen Impulse reichen nicht aus, um die Unternehmenskultur nachhaltig deutlich zu ändern, schon weil dies einen erheblich längeren Zeithorizont erfordert, erklärt Chem4Chem. Der eingeschlagene Weg sei jedoch grundsätzlich der richtige. Nicht erst seit „Berufe 4.0“ sei klar, dass Chemiker, Ingenieure und andere Beschäftigte in Zukunft noch mehr Eigenverantwortung übernehmen müssen, um mit den sich immer schneller ändernden Anforderungen der Arbeitswelt Schritt zu halten. Die Krise zeigt nachdrücklich, wie schnell signifikanter Veränderungsbedarf generiert und damit Veränderungskompetenz gefragt ist. Die Notwendigkeit, lebenslang zu lernen, ist krisenübergreifend.

Neben allem Lob für die gezeigte Reaktionsfähigkeit und Veränderungsbereitschaft spart die Studie nicht mit Kritik: Vor allem die Chemie- und Pharmaindustrie als Ganzes, aber auch viele Unternehmen hätten sich auf Krisenfälle besser vorbereiten können, wenn nicht müssen, so Chem4Chem. Die Versäumnisse der Vergangenheit zeigen sich zum Teil deutlich. Genauso schnell reagieren die Branchenplayer aber auch mit Maßnahmen, die in ihrer Richtung und Wirkung überwiegend positiv aufgefasst werden. Unternehmensziele, wie etwa die Gewinnmaximierung, aber auch Unternehmenswerte, wie die gesellschaftliche Verantwortung, hätten sich dabei als weitgehend krisenfest erwiesen. Eine komplett „neue “ sei jedoch aufgrund eines singulären Negativereignisses nicht zu erwarten. Die Corona-Krise trägt zu einer beschleunigten und modifizierten Evolution, aber keinesfalls zu einer Revolution in der Branche bei.

Beständig wie der Wandel: Nach Corona bleibt alles anders

Allerdings werde es wohl auch kein „Zurück zur Chemie und Pharma vor Corona“ geben. Zu groß ist der Einfluss von Faktoren, Trends und Ereignissen, wie dem Green Deal, Handelskriegen, dem Wunsch nach geringerer Abhängigkeit von Dritten und dem unaufhaltsamen Fortschritt bei der Digitalisierung, die schon vor der Pandemie ihre Schatten voraus warfen. Bestimmt wäre ein „weiter wie immer“ genau der falsche Weg, so die Studien­macher.

Digital, agil und für alle Fälle gewappnet: Die Teilnehmer der Chem4ChemStudie erwarten, dass hier die künftigen Prioritäten der Branchenplayer liegen. Dabei setzen sich wesentliche, vor Corona begonnene, Trends fort.
Digital, agil und für alle Fälle gewappnet: Die Teilnehmer der Chem4ChemStudie erwarten, dass hier die künftigen Prioritäten der Branchenplayer liegen. Dabei setzen sich wesentliche, vor Corona begonnene, Trends fort.
(Bild: Chem4Chem)

Zwar werden viele spontan initiierten Maßnahmen in ihrer Wirkung begrenzt bleiben. Langfristige Trends, die in der Corona-Krise an Sichtbarkeit gewonnen haben, werden die Branche jedoch weiterhin begleiten. Die Notwendigkeit „flexibler“ bzw. „agiler“ oder schlicht veränderungskompetenter zu werden und entlang des Berufslebens eigene Kompetenzen weiter zu entwickeln, wird noch wichtiger. Eine Tugend ist für eine ökologisch und ökonomisch balancierte Erholung der Branche bei Beschäftigten, egal auf welcher Ebene im Unternehmen, besonders gefragt: Kreativität. Das sollte in der innovationsstarken Branche kein Nachteil sein, sofern der häufig sehr produktbezogene Innovations-Fokus auf Verfahren, Anwendungen, Prozesse und Geschäftsmodelle erweitert wird.

Viele der angestoßenen Veränderungen haben das Potenzial, die Dauer und das krisenbedingte Ausmaß auf Gesellschaft bzw. Industrie, einzelne Unternehmen und auf die Beschäftigten und ihre Arbeitsplätze zu reduzieren. Nur umfassendes Risikomanagement bietet darüber hinaus die Chance, viel besser auf den etwaigen Wiederholungsfall vorbereitet zu sein.

* * Die Autoren sind Spezialisten des Experten-­Netzwerks Chem4Chem, Pfungstadt.

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