Wirtschaftssanktionen zwecklos? Wirkung der Russland-Sanktionen fragwürdig

Nach dem Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine haben die USA und mittlerweile auch die EU ihre Sanktionen verschärft. Wissenschaftler des Ifo-Instituts bezweifeln allerdings, dass mit solchen Maßnahmen eine anhaltende Deeskalation der Situation in der Ostukraine zu erreichen ist.

Firma zum Thema

Der „russische Bär“ ist (wirtschaftlich) müde geworden.
Der „russische Bär“ ist (wirtschaftlich) müde geworden.
(Bild: commons.wikimedia.org)

Aufgrund des Abschusses des Malaysia Airlines-Fluges MH17 über der Ostukraine am 17. Juli ist von einer Ausweitung der selektiven EU-Sanktionen gegenüber Russland auszugehen. Die USA haben ihre Sanktionspolitik bereits verschärft.

Die Aussichten, mit Hilfe von Sanktionen gegen Russland eine anhaltende Deeskalation der Situation in der Ostukraine zu erreichen, sind allerdings als eher gering einzustufen. Dies zeigen Erfahrungen mit ökonomischen Sanktionen, die Wissenschaftler des Ifo-Instituts zusammengestellt haben.

Bildergalerie

Erfolgsquote von Wirtschaftssanktionen: „ernüchternd“

„Die Erfolgsquote von Wirtschaftssanktionen ist prinzipiell ernüchternd, insbesondere wenn sie gegen nicht befreundete Staaten gerichtet sind“, erklärt Ifo-Außenhandelsexperte Dr. Erdal Yalcin. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Androhung von Sanktionen erfolgversprechender ist als ihre tatsächliche Umsetzung.

Sollte Russland den Schaden durch die möglichen Sanktionen höher einschätzen als den durch ein Akzeptieren der Forderungen des Westens, dann hat die Androhung der Sanktionen das größere Erfolgspotenzial als ihre tatsächliche Umsetzung. Da Russland den Forderungen des Westens nicht nachkommt, signalisiert die russische Führung, dass sie die Folgen verschärfter Sanktionen hinnehmen wird.

Dabei hat Putins Wirtschaft letztlich mehr verlieren als die EU. Schließlich ist die EU mit Abstand der wichtigste Absatzmarkt für russische Produkte. Gemäß Zahlen der UNCTAD gehen mehr als 50 % der russischen Exporte in die EU, annähernd 20 % entfallen allein auf die Niederlande und Deutschland.

EU-Handel ist für Russland essenziell

Diese beiden Märkte liegen damit in ihrer Bedeutung noch vor China. Auch die EU exportiert in signifikantem Umfang nach Russland, nichtsdestotrotz ist die EU für Russland als Absatzmarkt um ein Vielfaches wichtiger als Russland für die EU. Die russischen Exporte in die EU machen 12,7 % des russischen BIP aus. Im Vergleich dazu ist die Bedeutung Russlands als Absatzmarkt für die EU fast vernachlässigbar. In der EU beläuft sich der Anteil der Russlandexporte auf nur 0,9 % des BIP.

(ID:42845547)