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Der Flaschenhals ‚Personal’ macht auch die so wichtige Dokumentation von Nachforderungen (Claims-Management) zum Problem. Zum einen kann man den für die Baustelle verantwortlichen Bauleiter und Supervisor kaum zu solchen Zusatzaufgaben bewegen. Hinzu komme als Problem, dass beim Personal vor Ort wesentliche Vertragsbestandteile nicht immer bekannt seien, war zu hören. Wie sollen diese Mitarbeiter dann Abweichungen von Vertragsbestandteilen erkennen? „Wir haben beim Claims-Management im Grunde kein Erkenntnisproblem. Wir haben ein Umsetzungsproblem“, hieß es in Frankfurt. Und weiter: „Ab einem Projektwert von 1 Million Euro sollte ein Claims-Manager für solche Aufgaben zur Verfügung stehen.“
Interessante Kennzahlen zum Baustellenaufwand in unterschiedlichen Ländern bei der Montage einer Rohrleitung nannte Dr. Martin Haertling, Bereichsleiter Rohrleitungs- und Montagetechnik, Evonik Degussa: Wenn man von einer typischen Rohrleitung in der Spezialchemie ausgehe – also mit einer Länge zwischen 10 und 13 Metern und einer Nennweite von DN 50 bis DN 80 – dann kalkuliere Evonik bei einer Baustelle in Deutschland mit eigenem, gut eingespieltem Personal einen Zeitaufwand von 20 Stunden je Rohrleitung. Schon in den USA, wenn mit externem Personal gearbeitet werde, erreiche dieser Wert 30 bis 35 Stunden pro Rohrleitung. Bei chinesischen Baustellen sei mit 60 bis 70 Stunden zu rechnen.
Wohl gemerkt: Das bezeichnet den zeitlichen Mehraufwand durch weniger gut eingespieltes Personal. Natürlich liegen die Montagekosten in China dennoch insgesamt niedriger. Evonik beurteilt auf Basis dieser Kennzahlen primär die Größe des vorzuhaltenden Baustellen-Teams.
Begriffe klären
Intensiv diskutierten die Teilnehmer vertragsrechtliche Fragen. Dabei wurde klar, dass Missverständnisse in der Auslegung einer Formulierung, einer Wortbedeutung schnell sehr teuer werden können. Ein pragmatischer Vorschlag war, in einer Vertrags-Präambel die Bedeutung zentraler Begrifflichkeiten ausführlich zu beschreiben: Was sollen die Vertragspartner unter ‚warranty’ oder ‚guarantee’ verstehen? Welche Stadien der Montage umfasst ein ‚mechanical completion’? Albert Einstein formulierte das treffend einmal so: „Das größte Problem mit der Kommunikation ist die Illusion, dass sie stattgefunden hat.“
Eine kleines Highlight der Veranstaltung war die Live-Präsentation ‚Virtual Reality’ durch den Anbieter eSZett. Die Vorteile: Im Anlagenbau gewinnen Planer und Betreiber durch die 1:1 Darstellung der Anlage einen realistischen Eindruck, entdecken Schwachstellen schneller und sparen somit Kosten in nachgelagerten Prozessen.
Fazit: Eine sorgfältig geplante und professionell durchgeführte Abwicklung der Bau- und Montagephase ist unabdingbar für den Projekterfolg. Oder, wie es in Frankfurt ein Teilnehmer formulierte: „Ein Projekt gewinnt oder gerinnt auf der Baustelle“.
* Der Autor arbeitet als freier Mitarbeiter bei PROCESS.
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