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Auftragssynthese Wie Saltigo den Sprung in die erste Liga geschafft hat

| Autor: Anke Geipel-Kern

In Leverkusen hat Saltigo eine hochmoderne Multipurpose-Anlage geschaffen. Der Spezialist für Auftragssynthesen ist damit hervorragend aufgestellt, um weiter im harten internationalen Wettbewerb die Nase vorn zu haben. Der Platz für neue Großprojekte ist gesichert.

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Saltigo-Geschäftsführer Dr. Torsten Derr bei der Vorstellung des Zeto-Anbaus.
Saltigo-Geschäftsführer Dr. Torsten Derr bei der Vorstellung des Zeto-Anbaus.
(Bild: Geipel-Kern)

Seit 2006 gibt es Saltigo jetzt, und wer anfangs die Ausgründung des Spezialchemie-Konzerns Lanxess mit Skepsis betrachtet hat, ist in der Zwischenzeit eines besseren belehrt worden. Die Exklusivsynthese von Pestizidwirkstoffen sowie Zwischenprodukten ist ein lukratives Geschäft geworden und inzwischen spielt Saltigo in der vordersten Liga mit. Auch wenn sich Geschäftsführer Thorsten Derr nicht auf einen Platz im Ranking festlegen lassen will. „Zu unseren Kunden gehören die größten Agrochemieunternehmen der Welt“, so viel lässt er immerhin durchblicken.

Agro-Synthesen werden immer komplexer

Langfristige Kundenbeziehungen hat das Team um Derr aufgebaut und behauptet sich eisern gegen die asiatische Konkurrenz. Die ist zwar billiger, kann aber nicht mithalten, wenn es um komplexe, mehrstufige Synthesen geht. Und davon gäbe es immer mehr, erzählt der Geschäftsführer, der selbst studierter Chemiker ist. Bis zu 19 Syntheseschritte seien keine Seltenheit. Das umstrittene Glyphosat sei dagegen ein vergleichsweise simples Molekül, für dessen Herstellung lediglich drei Schritte nötig seien.

Besonders bei den komplexen Synthesen punktet Saltigo mit dem Standortvorteil. „Wir bieten hier alle Syntheseschritte an einem Standort an“, betont Derr. Damit entfallen Logistikkosten, etwa bei der Ein- oder Ausfuhr und zum Teil wochenlange Wartezeiten durch Zoll und Grenzformalitäten.

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Ein nicht zu unterschätzender Vorteil sei auch die Generalzulassung, die Saltigo für alle Synthesen hat. Schon 1979 haben die Behörden dem Zentralen Technikum Organisch, kurz Zeto, eine deutlich umfassendere Betriebsgenehmigung erteilt, die so genannte Zeto-Konzession, auf deren Basis dort nahezu alle chemischen Substanzen und Prozesse eingesetzt werden durften. Zu den wenigen Ausnahmen gehören Arbeiten mit radioaktiven Stoffen und genetisch veränderten Organismen.

Und: Es gibt am deutschen Standort eine komplette Infrastruktur, die für Rohstoffversorgung durch den Aromatenverbund steht und absolute Entsorgungssicherheit, dank eines modernen mehrstufigen Industrieklärwerks. Die Gefahr, dass Behörden, wie in Indien und China geschehen, ganze Standorte schließen, weil sie die Umweltauflagen nicht einhalten können, braucht in Leverkusen oder Dormagen keiner zu fürchten.

Multipurpose-Anlage mit Sonderstellung

Den vorläufigen Höhepunkt der Erfolgsgeschichte feiert das Unternehmen nun: die Erweiterung des Zeto. Die 60 Millionen schwere Investition war bitter nötig, die bisherigen Produktionskapazitäten platzten aus allen Nähten, was dazu führte, dass Geschäftsführer Derr kaum noch Großprojekte stemmen konnte. Das ehrwürdige Backsteingebäude im Zentrum des Chemieparks hat eine lange Geschichte und feiert 2017 das 50ste Jahr seines Bestehens. Das Zeto macht rund ein Fünftel der Gesamtkapazität von Saltigo aus und nimmt mit seinen rund 220 Mitarbeitern schon wegen seiner Vielseitigkeit eine Sonderstellung ein.

„Allein in den elf Jahren, die Saltigo inzwischen besteht, flossen insgesamt fast 300 Millionen Euro als Investitionen in das integrierte Produktionsnetzwerk am Standort Leverkusen, davon mehr als ein Drittel ins Zeto“, sagt Lanxess-Vorstandsmitglied Dr. Hubert Fink. Jetzt gibt es zwei neue Mehrzweck-Produktionslinien und ein Aktiv-Containerlager mit bis zu 16 Stellplätzen. Die abgestellten Container können über Rohrbahnhöfe und eine Rohrbrücke direkt mit den Produktionsanlagen im Zeto und in der angrenzenden Plant 4 verbunden werden. So kann die Versorgung mit Rohstoffen und Lösemitteln sehr effizient und flexibel erfolgen.

Seit Januar 2018 wird in den neuen Anlagen übrigens produziert. Das gesamte Reaktorvolumen im Zeto liegt nach dem Ausbau bei 470 Kubikmetern. Der größte der insgesamt 75 Rührwerkskessel fasst dabei 16 Kubikmeter. Die beiden neuen Produktionslinien sollen in erster Linie der Herstellung von Feststoffen für die agrochemische Industrie dienen.

Sie sind daher zur Isolierung dieser Feststoffe mit einer rund 20 Tonnen schweren Filternutsche mit acht Quadratmetern Filterfläche bzw. einer Zentrifuge ausgerüstet. Beide Apparate bestehen aus der hoch korrosionsbeständigen Nickel-Basislegierung Hastelloy und werden jeweils in Kombination mit einem Trockner betrieben. Die Kapazitäten zur Feststoffisolierung erhöhen sich damit signifikant.

„Die zusätzlichen Kapazitäten kommen genau zum richtigen Zeitpunkt – exakt im Termin- und Kostenrahmen, den wir uns gesetzt haben“, sagt Derr. Auch sonst ist im Zeto alles vom Feinsten. Das fängt an bei der vollautomatisierten, rezepturgesteuerten Fahrweise und endet noch lange nicht beim Einsatz datenanalytischer Methoden, die den „goldenen Batch“ ermitteln und dafür sorgen, dass Prozesse so nah wie möglich am Optimum gefahren werden können.

Auch 50 Jahre nach seiner Fertigstellung im Jahre 1967 sei das Zeto nach wie vor eine der weltweit modernsten und flexibelsten Mehrzweck-Produktionseinrichtungen für Feinchemikalien, hebt Derr stolz hervor. Um das sicher zu stellen, hat man im allerdings auch kontinuierlich investiert. Auch künftig werde den Fortschritten Rechnung getragen, die Synthesechemie aber auch Verfahrenstechnik und Prozessautomatisierung kontinuierlich machen, betont Zeto-Betriebsleiter Dr. Boris E. Bosch. „Wir bringen unsere stets aktuelle Anlagenbasis und all unsere Erfahrung in jedes neue Projekt, in neu entwickelte und verbesserte Produktionsprozesse ein. Nicht zuletzt dank unserer hoch motivierten, gut aus- und kontinuierlich fortgebildeten Mitarbeiter“, sagt Bosch.

'Made in Germany' ist immer noch ein Gütesiegel

Saltigo stehe mit seinen beiden Produktionsstätten in Leverkusen und Dormagen für ein starkes Bekenntnis zum Standort Deutschland, so der Saltigo-Geschäftsführer. „Die Herkunftsbezeichnung 'Made in Germany' hat gerade in Zeiten der Konkurrenz aus Asien wieder einen geschätzten Klang im Custom Manufacturing. Das gilt ganz besonders in den regulierten Industrien, wo Qualität, Termin- und Kostentreue über den Erfolg am Markt entscheiden“, betont Derr. Und der Markterfolg gibt ihm recht: Heute beschäftigt Saltigo rund 1200 Mitarbeiter und bearbeitet jährlich rund 150 Projekte für Kunden in aller Welt.

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