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B2B-Onlineplattform für Chemikalien

Wie ein Start-up zum Amazon für die Chemiebranche werden will

| Autor: Anke Geipel-Kern

Per Mausklick zum gewünschten Chemierohstoff – einfacher geht´s für Einkäufer nicht. Mit einer neuen B2B-Onlineplattform für Chemikalien und Kunststoffe will Pinpools aus Nordrhein-Westfalen Alibaba und Co. Konkurrenz machen. Das Ergebnis: ein einfacher Zugang für Einkäufer und dank des Bieterprinzips geringere Beschaffungskosten für die Wunschchemikalie.

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Pinpools aus Nordrhein-Westfalen will zum Amazon der Chemiebranche werden.
Pinpools aus Nordrhein-Westfalen will zum Amazon der Chemiebranche werden.
(Bild: ©Sikov - stock.adobe.com)

Der klassische Chemiehandel bekommt Konkurrenz durch online-Plattformen. Der chinesische E-Commerce-Gigant Alibaba und Amazone Business sind erst der Anfang. Das glauben viele Experten und mittlerweile rollt die E-Commerce Welle auch auf Deutschland zu. Eine Reihe von Neugründungen entwickeln B2B-Onlineplattform speziell für die Chemiebranche und wollen damit vom veränderten Einkaufsverhalten der Unternehmen profitieren.

Eine davon ist das Düsseldorfer Start-up Pinpools, das die Brüder Alexander und Heribert-Josef Lakemeyer im Mai 2017 gegründet haben. Das junge Unternehmen hat letztes Jahr den Turnover von zehn Millionen Euro erreicht und einen Start-up Förderpreimis eingeheimst. Seitdem sehen sich die Gründer auf Erfolgskurs. Das die Chancen gut stehen bestätigen auch Umfragen von Roland Berger und Google Deutschland, die 3000 Vertriebsmitarbeiter gefragt haben von denen 60 Prozent der Meinung waren, Digitalisierung sei in Zukunft ein entscheidender Erfolgsfaktor.

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Alibaba ist erst der Anfang

Die Chemiebranche macht gerade die ersten Schritte in Richtung Digitalisierung. Doch das Potenzial ist riesig, laut VCI erreicht allein der europäische Markt im Jahr 2030 ein Volumen von schätzungsweise 6 Billionen Euro. Einen Teil des Wachstum sollen digitale Technologien ermöglichen, welche die Märkte und die weltweiten Spieler näher zusammen rücken lässt.

Und es ändert sich gerade noch mehr: Eine neue Generation von Fachleuten drängt auf den Markt und in die Betriebe. Die Generation der Millennials sind echte digital Natives und gewohnt, jede Person zu jeder Zeit erreichen zu können. Wer in der Freizeit per Smartphone App bei Amazon bestellt, will im Chemiebetrieb nicht auf einmal mit Excellisten und Bestellscheinen hantieren.

Schritt halten mit der digitalen Transformation

Gute Voraussetzungen also für das Start-up aus Nordrhein-Westfalen, das seine Unabhängigkeit betont und sich als B2B-Marktplatz für den Kauf und Verkauf von Chemikalien in Europa aufstellt. Die beiden Firmengründer sind als Inhaber eines Unternehmens, das Kunststoffe extrudiert, an den Start gegangen und setzen jetzt auf Pinpools als Tool, das hilft, die digitale Transformation des Chemiehandels voranzutreiben. Die beiden Entrepreneure sind überzeugt, dass nur Offenheit gegenüber digitalen Neuerungen hilft, fortschrittliche Technologien wie Cloud-Services und Big-Data-Analysen in den täglichen Arbeitsablauf zu integrieren.

Erst Basischemikalien jetzt vollständiger Marktplatz

Die Idee hinter Pinpools ist bestechend einfach. Der Käufer stellt seine Chemikalienanfrage auf die Plattform ein, gibt die Menge und die Lieferkonditionen an. Verkäufer, die das gewünschte Produkt im Portfolio haben, erhalten eine automatisierte Nachricht und geben ein Angebot ab. Der Käufer kann dann aus den Angeboten wie in einem Auktionsverfahren den günstigsten Anbieter aussuchen. Pinpools fungiert dabei als Mittler, der Kaufvertrag wird zwischen Einkäufer und Verkäufer geschlossen. Damit bewahrt sich der B2B-Marktplatz seine Unabhängigkeit.

Zu Beginn ging es auf der Plattform um Basischemikalien. Hier schwanken die Preise stark und die Nachfrage ist groß. Im zweiten Quartal 2018 kam der Pinpools-Marktplatz dazu: ein Shop für Anbieter aller Arten von Chemikalien. Mittlerweile sind alle großen deutschen Anbieter für Chemikalien an Bord, die Gründer erwarten weiteres Wachstum, da immer mehr Lieferanten und Einkäufer einbezogen werden.

Zudem spielt auch die steigende Akzeptanz digitaler Marktplätze dem Unternehmen in die Karten und die zunehmende Endkundenorientierung der Chemie. Diese Trends bestimmen am Ende, welche digitale Plattformen Lieferanten und Käufer von Chemikalien tatsächlich nutzen.

Und natürlich geht es um Kosten: Wer sein Netzwerk vergrößern und schnell sein, vielleicht sogar Angebote in Echtzeit vergleichen will, dem bietet Pinpools eine geeignete Plattform, die für Anbieter und Käufer Transparenz schafft. Anbieter von Chemikalien finden eine kostengünstige Vertriebslösung und für die Einkäufer von Chemikalien ist die Plattform sogar kostenlos.

Mehr Produktivität niedrigere Kosten

Laut einer eigenen Studie konnten Lieferanten und Einkäufer von Chemikalien, die Pinpools bereits nutzen, Ihre Produktivität durch den digitalen B2B-Marktplatzes erhöhen. Die Kontaktaufnahme mit den Geschäftspartnern benötige weniger Zeit als über konventionelle Wege Zeit benötigt, da alle wichtigen Informationen auf der Website ersichtlich sind. Und auch die Beschaffungskosten seien um bis zu zehn Prozent gesunken, verrät ein Kunde auf der Webseite von Pinpools.

Und wie soll es mit dem Marktplatz weitergehen? In Planung ist ein Logistikmanagement und die Integration relevanter Informationen wie Force-Majeure-Meldungen, wodurch der Einkaufsprozess noch weiter optimiert werden soll.

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