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Neues Verfahren

Vom Schlachthof auf den Acker – wie Forscher Phosphor aus Tiermehl gewinnen

| Redakteur: Dr. Jörg Kempf

Schlachthofabfälle werden gängiger Weise zu Tiermehl verarbeitet und anschließend verfüttert oder verbrannt. Doch Tiermehl enthält Phosphor. Forscher wollen dem Mehl jetzt diesen knappen und wertvollen Rohstoff für Düngemittel abgewinnen. Wir verraten wie ...

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Phosphor ist ein weltweit knapper Rohstoff, der etwa für Düngemittel benötigt wird. Tiermehl enthält Phosphor. Mit einem neuen Verfahren lässt sich die Ressource deutlich effizienter nutzen.
Phosphor ist ein weltweit knapper Rohstoff, der etwa für Düngemittel benötigt wird. Tiermehl enthält Phosphor. Mit einem neuen Verfahren lässt sich die Ressource deutlich effizienter nutzen.
(Bild: Fraunhofer IFF)

Magdeburg – Allein in Deutschland fallen mehr als 200.000 Tonnen Schlachtabfälle – wie Zähne, Hufe, Knochen und Augen – jährlich an und werden zu Tiermehl verarbeitet. Dieses wird zum Teil wieder an Tiere verfüttert, während der Rest – der etwa aus Augen und Hirn besteht, welche BSE-Erreger enthalten könnten – in Müllverbrennungsanlagen gemeinsam mit anderem Abfall verbrannt wird.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg schlagen einen anderen Weg vor: „Wir verbrennen das Tiermehl auf spezielle Weise, so dass wir daraus ein wichtiges Mineral zurückgewinnen können“, erläutert Patric Heidecke, Wissenschaftler am IFF.

Denn der Rohstoff „Tiermehl“ enthält etwa drei bis vier Prozent Phosphor, ein chemisches Element, das nicht unbegrenzt zur Verfügung steht und entsprechend teuer ist. Eingesetzt wird Phosphor vor allem als Dünger in der Landwirtschaft. In der nach dem neuen Verbrennungsprozess gewonnen Asche konzentriert sich der Phosphoranteil auf bis zu 16 Prozent. Das ist so viel wie in natürlichen Lagerstätten, die sich vor allem in China, Marokko und den USA befinden.

„Die Asche könnte – ebenso wie das phosphorhaltige Material, das in den Lagerstätten gewonnen wird – zu Düngemittel weiterverarbeitet werden“, sagt Heidecke. „Rein rechnerisch lassen sich damit rund fünf Prozent des jährlichen Phosphat-Düngemittelbedarfs in Deutschland ersetzen.“

Schwermetalle von der Asche trennen

Zwar wird das Tiermehl auch heute schon teilweise verbrannt. Allerdings mischt man es dafür mit anderen Brennstoffen. Das führt einerseits dazu, dass der Phosphor in der entstehenden Asche verdünnt ist, andererseits gelangen über die anderen Materialien auch unerwünschte Stoffe in die Asche. Ein weiteres Problem: Das Nebenprodukt enthält Schwermetalle wie Quecksilber und Blei, die später nicht mit auf dem Feld landen dürfen. In der Asche aus den Müllverbrennungsanlagen sind diese Schadstoffe jedoch enthalten.

Eine 850 °C heiße Wirbelschichtanlage macht’s möglich. Die Details des neuen Verfahrens erfahren Sie auf der nächsten Seite.

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