Energieeffizienz

So wird die Elektrolyse zum Joker im Energiemarkt

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Investition in Membranelektrolyse hat sich gelohnt

45 Jahre hatte die alte Anlage auf dem Buckel und die Investitionssumme von 100 Millionen Euro war ein Kraftakt, doch es hat sich gelohnt. Die neue Zellenarchitektur senkt den Energieverbrauch immerhin um rund ein Viertel und könnte jetzt zum Joker in der Stromspeicherdebatte werden. „Wir sind in der Lage, die Elektrolyseure innerhalb von 15 Minuten herunter und wieder hoch zu regulieren, um über einen gewünschten Zeitraum auf Teillast zu fahren. Und zwar ohne Leistungseinbußen und Qualitätsverluste,“ erklärt Trennhaus.

Diese Flexibilität ermöglicht den Marlern Demand-Side-Management zu betreiben und wäre prinzipiell eine Karte, die alle Betreiber von Chlor-Alkali-Elektrolysen ziehen könnten. Das hat zumindest eine Studie ergeben, die der PVC-Hersteller beim Energiewirtschaftlichen Institut (EWI) der Uni Köln in Auftrag gegeben hat, um berechnen zu lassen, welchen Beitrag die deutschen Elektrolyseanlagen zur Netzstabilität leisten können. Das EWI habe ermittelt, wie hoch der Anteil der Elektrolysen an der verschiebbaren Energiemenge sei, und komme auf einen Anteil von 15 bis 18 %, erklärt Trennhaus. Würden die vorhandenen Membrananlagen (850 MW Stromverbrauch gesamt) alle in das Demand-Side-Management einbezogen, könnte die vorzuhaltende Reserveleistung deutlich sinken: Weniger Kraftwerke müssten gebaut werden.

Hier finden Sie eine Tabelle aller europäischen Chlorproduzenten

Ökostrom kappt Spitzen

Für Marl und Vestolit sind diese Überlegungen nicht neu. Neu ist hingegen die Idee, die Trennhaus und sein Chef Dr. Michael Träger aus der EWI-Studie generiert haben und in die Debatte werfen: Beide werben für den Ansatz, einen Markt zu schaffen, der Flexibilität belohnt und Verbraucher genauso behandelt wie Erzeuger. Dazu gehören dann Kraftwerke, Speicher und eben auch Demand-Side-Management, von dem energieintensive Industrien profitieren könnten.

Trennhaus geht sogar noch einen Schritt weiter und schließt Investitionen bei entsprechendem Anreiz nicht aus. Eine Erweiterung der Elektrolysen und damit eine noch höhere Flexibilität seien ohne weiteres möglich, betont er: „Durch den modularen Aufbau könnten wir leicht zwei weitere Zellen anfügen und kämen dann auf eine Kapazität von 100 MW. Das kostet 15 bis 20 Millionen Euro und damit weit weniger als ein konventionelles Kraftwerk.“ Und noch ein Argument fügt er hinzu. „Die Anlage hat keine Fixkosten. Ob wir acht oder zehn Elektrolyseure betreiben, die Mannschaft ist die gleiche."

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