Klärschlammaufbereitung Patentiertes Produktionsverfahren schließt Lücke im Phosphor-Kreislauf

Redakteur: Dr. Jörg Kempf

Nach 20-monatiger Bauzeit wurde Ende Mai die erste Produktionsanlage für phosphathaltige Einzel- und Mehrnährstoffdünger aus recycelter Klärschlammasche offiziell in Betrieb genommen. Invest: stolze 20 Millionen Euro. Pro Jahr sollen 60.000 Tonnen Phosphatdünger produziert werden.

Firmen zum Thema

in Haldensleben, Sachsen-Anhalt, hat die erste deutsche Phos4green-Anlage für Recyclingdünger den Betrieb aufgenommen. Die rückstandfreie Herstellung von gebrauchsfertigem Dünger aus phosphathaltiger Klärschlammasche wurde vom Anlagen- und Prozessexperten Glatt Ingenieurtechnik und Düngerspezialist Seraplant zur Marktreife gebracht.
in Haldensleben, Sachsen-Anhalt, hat die erste deutsche Phos4green-Anlage für Recyclingdünger den Betrieb aufgenommen. Die rückstandfreie Herstellung von gebrauchsfertigem Dünger aus phosphathaltiger Klärschlammasche wurde vom Anlagen- und Prozessexperten Glatt Ingenieurtechnik und Düngerspezialist Seraplant zur Marktreife gebracht.
(Bild: Clifford Schaeferskuepper/Glatt Ingenieurtechnik/Seraplant)

Weimar, Haldensleben – Betreiber der neuen Anlage am Hauptsitz in Haldensleben, Sachsen-Anhalt, ist der Düngerspezialist Seraplant. Für die Prozessentwicklung und den Bau der Wirbelschichtanlage war der weltweit tätige Anlagenbauer Glatt Ingenieurtechnik zuständig.

In die Realisierung der neuen Produktionsstätte investierte Seraplant mit Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt mehr als 20 Millionen Euro. Über 20 neue Arbeitsplätze sind im Südhafen von Haldensleben entstanden. Pro Jahr sollen 60.000 Tonnen Phosphatdünger produziert werden – gebrauchsfertig, handelsüblich und konform zur Düngemittelverordnung (DüMV). Endkunden sind Agrarbetriebe der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft, der Agrar- und Gartenbaugroßhandel sowie die Düngemittelindustrie.

Wissen ist Wettbewerbsvorteil

Ob Branchennews, innovative Produkte, Bildergalerien oder auch exklusive Videointerviews. Sichern auch Sie sich diesen Informationsvorsprung und abonnieren Sie unseren redaktionellen Branchen-Newsletter.

Wasser/Abwasser-Newsletter abonnieren

Seraplant und Glatt haben das hocheffiziente, zum Patent angemeldete Produktionsverfahren gemeinsam entwickelt. Es schließt die Lücke im Phosphorkreislauf, indem es das Phosphor-Recycling mit dem Herstellungsprozess für neuen Dünger verbindet und zu direkt vertriebsfähigen Produkten führt. Glatt wurde von Seraplant mit der Planung und Umsetzung der kompletten Anlagentechnik beauftragt – von der Rohstoffanlieferung über die Suspensionsaufbereitung und anschließende Wirbelschichtgranulation bis zur Abfüllung der einsatzbereiten Fertigdünger. Der Leistungsumfang beinhaltete die Verfahrensentwicklung, die gesamtheitliche Planung, die Lieferung der gesamten Prozessausrüstungen und Nebenanlagen sowie die Montage und Inbetriebnahme.

Deutschland besitzt keine natürlichen Phosphorvorkommen. Die Klärschlammverordnung hat bundesweit große Veränderungen angestoßen: Die Rückgewinnung von Phosphor ist gesetzlich verpflichtend und eine direkte bodenbezogene Verwertung nicht mehr zulässig. Dementsprechend müssen Kläranlagenbetreiber ihre Konzepte zur Klärschlammentsorgung überprüfen und gegebenenfalls neu ausrichten. Die Herausforderung besteht darin, zukunftsfähige Strukturen zu schaffen, die eine Klärschlammverwertung auch langfristig sicherstellen.

Mit der Produktion in Haldensleben lässt sich der essentielle und begehrte Nährstoff Phosphor aus Klärschlammaschen rückgewinnen und für neue Phosphat- oder Mehrstoffdünger nutzen. Während des Prozesses entstehen keinerlei gefährliche Zwischenprodukte, Rückstände oder Abgase. Das Projekt liefert damit einen wesentlichen Beitrag zu einem nachhaltigen und ressourcenschonenden Umgang mit dem lebensnotwendigen Wertstoff Phosphor.

Die Entwicklungspartner Glatt und Seraplant planen nun weitere Projekte zur Phosphor-Rückgewinnung.

(ID:47452520)