Anbieter zum Thema
Im Mittelfeld folgen die Unternehmen WWV, Ebert Hera, Hertel und Weber. Mit Ausnahme von Hertel handelt es sich um mittelständische Anbieter. Auch diese Anbieter sind sehr wohl in der Lage, TAR-Projekte als Generalunternehmer zu übernehmen. Als Hauptkontraktoren koordinieren sie auf Kundenwunsch eine Vielzahl von Sub-Unternehmen. Hertel und Ebert Hera sind proaktiv mit der Marktanteilserweiterung beschäftigt, da beide Unternehmen durch Zukäufe und Investitionen den Markt erschließen. Weber und WWV wachsen vorwiegend weiter aus erfolgreichen Kundenbeziehungen heraus. Die dritte Gruppe bilden Infracor und Tectrion, die als Chemiepark-Service-Dienstleister vorwiegend ihren lokalen Markt kontrollieren. Hier bleibt abzuwarten, ob sich diese Anbieter mit ihrem Kooperationsnetzwerk Kundengruppen außerhalb ihrer Standorte erschließen oder mittelfristig Kooperationen mit anderen TAR-GU-Anbietern eingehen. Es ist davon auszugehen, dass sich große TAR-Projekte (die sehr viele Ressourcen benötigen) mit allen drei Anbietern gleichzeitig aus Konkurrenzgründen nur schwer verwirklichen lassen. Seitens der Betreiber werden neue Abwicklungsmodelle entstehen, die sehr attraktive Wachstumschancen für die mittelständischen Anbieter bringen.
Ressourcen sind nicht so knapp wie angenommen
Aus Sicht der Betreiber haben die am Markt erkennbaren Ressourcen-Probleme in den letzten Jahren vor allem zugenommen, da der Markt von Großabstellungen geprägt war. Ein weiterer Engpassfaktor in diesem Zusammenhang sind die begrenzten Zeitfenster für Stillstandsprojekte (Frühjahr, Herbst). Die Befragung der Anlagenbetreiber hat aufgezeigt, dass diese von ca. 1500 verfügbaren TAR-Schlossern (mechanische Gewerke) auf dem deutschen Markt ausgehen. Tatsächlich sind die Ressourcen nicht so knapp, wie vermutet wird. Die Analyse der Anbieter zeigt, dass ca. 1100 mobile Mitarbeiter permanent für TAR-Projekte zur Verfügung stehen. Hinzu kommen nochmals ca. 2000 für TAR qualifizierte Rohrschlosser, die über die Gruppe Poolfirmen oder spezialisierte Sub-Unternehmen als „verlängerte Werkbank“ vertraglich in TAR-Projekte eingebunden werden. Insgesamt ist davon auszugehen, dass allein im Gewerk Mechanik ca. 3000 Mitarbeiter am Markt verfügbar sind, die sich auf TAR-Projekte spezialisiert haben.
Die Studie zeigt auf, dass sich der Markt im Umbruch befindet. Einerseits positionieren sich neue Anbieter von technischen Dienstleistungen am Markt. Andererseits sind die Betreiber petrochemischer Anlagen dabei, die bisherigen Strategien der Abwicklung von Turnarounds neu zu überdenken. Nicht nur die Anbieter von technischen Dienstleistungen sind aufgrund von Auftragsrückgängen stark von der Krise betroffen. Viele Betreiber der Petrochemie werden in diesem Geschäftsjahr Verluste realisieren. Die vorschnelle Annahme, dass aufgrund des reduzierten Produktionsvolumens und geringeren Margen Instandhaltungsarbeiten und Stillstandsprojekte vorgezogen werden, hat sich nicht bewahrheitet. Jeder Hersteller achtet momentan auf seinen Cashflow und vermeidet es Geld auszugeben, das nicht unbedingt ausgegeben werden muss. Folglich ist auch das Projektgeschäft sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Anbieter gehen überwiegend von weiteren Fusionen und einem starken Preiswettbewerb aus.
Trotz eines fallenden Marktvolumens eröffnen sich neue Marktchancen
Innerhalb der Studie werden verschiedene Trends herausgearbeitet, die über eine Delphi-Befragung mit ausgewählten Experten verifiziert wurden. Bis 2020 erwarten die Experten einen Rückgang der Gesamtnachfrage nach technischen Dienstleistungen für Turnarounds um 20 Prozent. „Zwei wichtige Triebkräfte dieser Entwicklung sind eine sinkende Nachfrage nach Erzeugnissen der Petrochemie und die Verlagerung von Anlagenkapazitäten in den mittleren Osten und nach Asien“, sagt Studienleiter Dr. Dirk Meissner. Der Nachfragerückgang sei nur zum Teil durch die weltweiten wirtschaftlichen Spannungen zu erklären. Außerdem seien Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz und der Einsatz so genannter grüner Technologien zur Energiegewinnung ausschlaggebend. Der sinkende Bedarf sorgt dafür, dass ein Überangebot an Verarbeitungskapazitäten besteht. „Entgegengesetzt ist im Zeitraum von 2011 bis 2016 mit einem zusätzlichen Auftragsvolumen aufgrund eines erhöhten Investitionsaufwandes der Anlagenbetreiber zu rechen“, so Dr. Meissner weiter. Im Rahmen des Investitionsstaus der letzten 12 bis 18 Monate seien Investitionsprojekte ausgesetzt und Turnaround-Projekte verschoben worden. Für Markteinsteiger bestehe somit eine gute Chance, neue Aufträge im Umfeld von Turnaround-/Shutdown-Projekten zu erhalten.
Das vorübergehende Nachholbedürfnis führe jedoch nicht zu einer nachhaltigen Erhöhung des Auftragsvolumens. Ein weiterer Trend stellt die Abkehr von Großabstellungen dar. Um die steigenden Risiken besser zu managen, werden zukünftig wieder vermehrt Teilabstellungen durchgeführt. Dadurch wird die Effizienz der Instandhaltungsarbeiten während eines Turnarounds verbessert und gleichzeitig die Gefahr finanzieller Ausfälle vermindert. Teilabstellungen von Anlagen sind aus Sicht der Betreiber einfacher zu handhaben und können teilweise sogar während des Tagesgeschäftes abgewickelt werden. Andererseits wechseln über 50 Prozent der befragten Anlagenbetreiber regelmäßig einen ihrer Hauptkontraktoren. Für Markteinsteiger besteht somit eine gute Chance, neue Aufträge im Umfeld von Turnaround-/Shutdown-Projekten zu erhalten.
Hierfür liefert die T.A. Cook-Studie eine Entscheidungsgrundlage, indem sie dem Leser in komprimierter Form Informationen über den Markt für technische Dienstleistungen zur Verfügung stellt.
* Der Autor ist Studienleiter bei T.A. Cook & Partner Consultants GmbH.
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