Biobasierte Chemie

Nachwachsende Rohstoffe halten Einzug in die Chemie

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... schon von vornherein ausschließen. Diese Anlagen, in denen analog zu petrochemischen Raffinerien aus Biomasse kaskadenartig Chemikalien, Materialien und Treibstoffe hergestellt werden, verarbeiten in der zweiten Generation nicht mehr Stärke und Zucker wie ihre Vorgänger, sondern Lignocellulose aus Pflanzenabfällen wie Stroh und Bagasse, den faserigen Überresten der Zuckerherstellung. Solche nicht verwertbaren Pflanzenreste wandelt z.B. Süd-Chemie im Sunliquid-Verfahren mit Hilfe von Spezialenzymen, die Cellulose und Hemicellulose in Zuckermonomere zerlegen, in Celluloseethanol um. Eine Demonstrationsanlage, die das Unternehmen noch 2011 in Betrieb nehmen will, soll künftig aber auch andere Verfahren für die Umwandlung nachwachsender Rohstoffe abbilden können.

Verfahren mit Zukunft

Lignocellulose wird auch zur Rohstoffpalette gehören, mit der sich das CBP, das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse, eingehend befassen wird. Die Realisierung dieses Projekts am Standort Leuna, wo Partner aus Forschung und Industrie biobasierte Herstellungsprozesse bis zum industriellen Maßstab weiterentwickeln wollen, ist derzeit in vollem Gange. Linde-KCA ist dabei nicht nur EPC-Generalunternehmer im Bereich Technik, sondern will sich dort auch als Partner mehrerer Forschungsprojekte engagieren, um eigene Verfahren zu etablieren, heißt es aus dem Unternehmen.

Erste wettbewerbsfähige Technologien, die ohne Erdöl als Rohstoff auskommen, gibt es inzwischen: „Die ersten biobasierten Polymere wie PLA können mit den traditionell hergestellten Chemikalien konkurrieren“, weiß Dr. Torsten Wintergerste, Director Polymer Technology Business, Process Technology, bei Sulzer Chemtech. Das Unternehmen liefert u.a. Anlagen und Schlüsselkomponenten für die Herstellung von Polymilchsäure (PLA), die aus fermentativ erzeugter Milchsäure (LA) gewonnen wird. „Während erste kleinere Anlagen ausgeliefert wurden, sind größere Anlagen in der Planungsphase. Sulzer sieht in diesem Bereich großes Potenzial und wird weitere Investitionen tätigen“, fügt Wintergerste hinzu. Dies beinhalte auch den Aufbau einer semi-industriellen Anlage zur PLA-Produktion in der Schweiz. Reizvolle Möglichkeiten für die Zukunft gibt es ebenfalls: „Von hohem Interesse ist Bernsteinsäure, da sie in einen existierenden Chemiemarkt eintakten kann und das Potenzial hat, Maleinsäureanhydrid zu ersetzen“, verrät Uhde-Fachmann Schulze. Dementsprechend arbeitet Uhde mit seinem amerikanischen Partner Myriant an einer Demonstrationsanlage in den USA. Ab Ende 2012 soll sie 15 000 Tonnen Bernsteinsäure pro Jahr liefern.

Allerdings wird die biobasierte Chemie nicht wie das berühmte Kaninchen aus dem Hut hüpfen: „Wir werden die etablierten Verfahren nur schrittweise ergänzen und substituieren können. Das beginnt schon heute bei LA/PLA und wird in den nächsten zwei bis drei Jahren bei Bernsteinsäure passieren“, kommentiert Schulze. Mittelfristig, so schätzen Chemie- und Erdölbranche im Positionspapier „Rohstoffbasis im Wandel“, wird Erdöl der führende kohlenstoffhaltige Rohstoff bleiben, sich die Rohstoffbasis aber verbreitern. Beim Substitutionspotenzial Biomasse vs. Erdöl sind sich Chemie und Anlagenbau recht einig: Bis 2025 seien 25 Prozent realistisch.

* Die Autorin ist Redakteurin bei PROCESS.

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