Pneumatische Förderung für explosionsgefährdete Anwendungen

Mit Vakuumpumpen sicher fördern

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Ein weiteres Kriterium zur Beurteilung des Gefahrenpotenzials ist das innere Volumen des Förder- und Empfangsbehälters. Untersuchungen haben gezeigt, dass unterhalb einer bestimmten Behältergröße bei der Vakuumförderung nur sehr geringe Aufladungen auftreten können. Dies gilt nicht nur für die Betrachtung von eventuell möglichen Schüttkegelentladungen. Bedingt durch die äußerst geringe Baugröße und das zyklische Fördern (Einsaugen-Entleeren) vergleichsweiser geringer Pulvermengen, haben sich Multijector-Vakuumfördersysteme als besonders sicher erwiesen. Belegt wird dieses u.a. durch Vakuumförderversuche gemeinsam mit einem bedeutenden chemischen Unternehmen und durch Messungen des TÜVs. Als Fördergut wurde beispielsweise ein PE-Granulat-/Pulvergemisch verwendet, welches sich extrem gut statisch aufladen lässt. Das Schüttgut wurde aus einem Vorlagebehälter über eine Distanz von 27 m in ein Fass gefördert. Während des Fördervorganges wurde das elektrische Feld E [kV/m] gemessen. Alle gemessenen Werte lagen um den Faktor 100 niedriger als die in der Literatur angegebenen kritischen Werte. Interessanterweise traten die am höchsten gemessenen elektrostatischen Aufladungen beim manuellen Ausschütten der 25 kg schweren Kunststoffsäcke in den Vorlagebehälter auf und nicht bei der Multijector-Förderung.

Wichtig ist natürlich auch die Fördergeschwindigkeit. In kritischen Fällen sollten die Bereiche der Flugförderung (niedrige Gutbeladung) mit 20 bis 30 m/s vermieden werden. Gerade hier bieten Multijector-Vakuumpumpen besondere Vorteile, da sie im Bedarfsfall ein für Luftstrahlpumpen hohes Endvakuum von rund 90 mbar absolut erzeugen. Folglich kann mit diesen Aggregaten die Pfropfenförderung (hohe Gutbeladung) realisiert werden. Wobei sich die Luftgeschwindigkeit dann von 9 m/s auf bis zu 1 m/s reduziert.

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Falls im Fördersystem Teile aus aufladbaren, jedoch selbst nicht leitfähigen Materialien vorhanden sind, ist auch die Möglichkeit einer Büschel- oder Gleitstielbüschelentladung zu betrachten. Neuere Erkenntnisse haben gezeigt, dass für reine Stäube Büschelentladungen nicht zündwirksam sind. Dies hat durchaus Auswirkungen auf konstruktive Details des Vakuumförderers. So können beispielsweise bestimmte Materialien, welche vorzugsweise in der pharmazeutischen Produktion erwünscht sind, im produktberührenden Bereich eingesetzt werden. Dies wird in den Atex-Zertifikaten und Baumusterprüfbescheinigungen des Herstellers verbrieft.

Falls brennbare Gase, extrem zündwillige Schüttgüter oder hybride Gemische zu fördern sind, kann optional schon der eigentliche Fördervorgang unter inerten Bedingungen erfolgen. Die Grundlage für einen sicheren und wirtschaftlichen Betrieb einer Vakuumförderanlage liegt damit eindeutig auf der Seite des präventiven Explosionsschutzes und dem Vermeiden von wirksamen Zündquellen.

Quellenangabe: Vacuum Technology in the Chemical Industry - Wolfgang Jorisch (Editor) Chapter 17: Vacuum Conveying of Powders and Bulk Materials, Wiley VCH 201

* Der Autor ist Vertriebsleiter bei Volkmann, Soest.

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