Zero Liquid Discharge (ZLD)

Ist die abwasserfreie Produktion möglich – und sinnvoll?

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Zero Liquid Discharge könnte für Betriebe in der Praxis bedeuten:

  • Verbrennung der Abwässer, i.d.R. Abgabe als Dampf in die Umwelt – das bedeutet: keine Einsparung von Frischwasser, gegenüber einem Boiler ist die Abdampferzeugung nur mit sehr vermindertem Wirkungsgrad möglich. Bei salzhaltigen Abwässern müssen die Salze als Staub oder Aerosol aus dem Abgas entfernt werden; eine Abfuhr über Quenchwasser oder Abgaswäscher ist bei ZLD gegebenenfalls nicht möglich.
  • Insbesondere bei salzhaltigen Abwässern: Eindampfung der Abwässer; gegebenenfalls nach Aufkonzentration durch Membranstufe(n); Wiederverwendung der Kondensate im Prozess oder für Kühlzwecke i.d.R. möglich; die Verwertungswege für abgetrenntes Salz sind problematisch – bei Organik im Salz ist gegebenenfalls eine thermische Oxidation im Drehrohrofen erforderlich.
  • Weitgehende Aufbereitung und gegebenenfalls Aufkonzentrierung der Abwässer zur Wiederverwendung in anderen Betrieben, z.B. Rückführung von NaCl oder HCl in Elektrolysen zur Gewinnung von Chlor. Diese Option ist nur bei kontinuierlichen und großvolumigen Prozessen ohne große Mengen- oder Konzentrationsschwankungen umsetzbar.

Hersteller von Eindampf- und Abwasserverbrennungsanlagen berichten von zunehmenden Anfragen insbesondere aus China und anderen asiatischen Ländern, wo Behörden besonders in eher wasserarmen Gebieten manchen Branchen keine Einleitungen mehr genehmigen. Rother berichtet von Betrieben aus dem Umfeld der Silikonkautschuk-Herstellung und Polyure­than-Vorprodukten, die aufgrund hoher Salzfrachten aufwändige Abwasserbehandlungsanlagen zum Recycling und in einem Fall auch eine Eindampfung installieren mussten.

Helmut Bennemann (Bayer Pharma) sieht den primären Grund für den Einsatz von ZLD nicht darin, Wasser einzusparen. Ein ZLD-Verfahren habe andere Beweggründe: Beispielsweise, wenn im Wasser enthaltene Feststoffe abgetrennt werden sollen, um entweder das Wasser zu 100 % wieder verfügbar zu machen (extremes Wassersparen) oder die Feststoffe entfernt werden müssen, weil kein anderes Wasserreinigungsverfahren zur Verfügung steht (Wasser aus Rauchgaswäschern von Kraftwerken ohne Kläranlagenzugang). Ein weiteres Beispiel: Wenn die Vorflut geschont werden muss (kleine Vorflut bei großem Abwasseraufkommen mit Salzfracht). Letztlich seien ZLD-Verfahren gefragt, um Wertstoffe im Prozessabwasser verfügbar zu machen. „Diese vier Mechanismen finden sich mehr oder weniger weltweit verteilt wieder“, so Bennemann.

China macht Dampf beim Abwasser

Während wir in Deutschland davon ausgehen, dass die Umweltstandards in China verbesserungswürdig seien (um es milde auszudrücken), vermittelt Prof. Dr.-Ing. Dai Xiaohu (Tongji University) ein gänzlich anderes Bild, zumindest was die Behandlung von Industrieabwässern betrifft. Demnach gilt im Rahmen des 12. Fünfjahresplans ein Schwerpunkt der Behandlung von hoch belasteten und schwer abbaubaren Industrieabwässern. Standards und Vorschriften bestehen auf nationaler wie lokaler Ebene.

Die Herausforderung – auf der einen Seite scharfe Standards, auf der anderen Seite hohe Kosten zur traditionellen Behandlung der Industrieabwässer – führe, so Dai Xiaohu, zu einer verstärkten Hinwendung auf neue Verfahren. Dazu will das deutsch-chinesische „Innovationszentrum Sauberes Wasser“ (BMBF/MOST) einen Beitrag leisten.

Was sind die technischen Herausforderungen an Zero Liquid Discharge? Weiterlesen ...

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