Studie Gezieltes Insourcing als Reaktion auf die Krise

Redakteur: Juliana Schulze

Die Finanz- und Wirtschaftskrise wirkt sich unmittelbar auf die Lieferketten der Industrieunternehmen aus. Das zeigt eine Studie der internationalen Unternehmensberatung PRTM Management Consultants.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Für die Untersuchung, die in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Skandinavien und den USA unter weltweit operierenden Unternehmen aus den Branchen Automobil- und Maschinenbau und Elektronik sowie der Chemie- und Konsumgüterindustrie durchgeführt worden ist, wurden in den Monaten Februar bis April 2009 rund 80 Supply Chain-Verantwortliche auf Basis eines ausführlichen qualitativen Fragenkatalogs befragt. Die Studie mit dem Titel „Flexibility in Times of Crisis“ (Flexibilität in Krisenzeiten) ergänzt die Studie „Global Supply Chain Trends 2008-2010“, für die PRTM Anfang 2008 weltweit mehr als 300 Unternehmen befragt hat, und liefert ein repräsentatives Bild der Strategien und Maßnahmen, mit denen Unternehmen versuchen, die Auswirkungen der Krise abzumildern.

Zerreißprobe für die Lieferkette

„Die Finanz- und Wirtschaftskrise unterwirft die globalen Wertschöpfungsnetzwerke einer Zerreißprobe. Angesichts fehlender Daten sind die Marktteilnehmer gezwungen, ihre Planungsaktivitäten unter Blindflugbedingungen zu intensivieren, um überhaupt handlunsgfähig zu bleiben. Auch gewinnt die Liquiditätssicherung an Gewicht. Zudem geben die Unternehmen der Stabilisierung des eigenen Lieferantennetzwerkes eine hohe Priorität und sind dafür auch bereit, Lieferanten finanziell zu unterstützen“, sagt Dr. Reinhard Geissbauer, Geschäftsführer von PRTM Management Consultants.

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Supply-Chain-Flexibilität für jeden Zweiten wichtig

Supply-Chain-Flexibilität, also die Fähigkeit, trotz ungeplanter Schwankungen der Nachfrage ohne Qualitätsverlust lieferfähig zu bleiben, ist das zentrale Erfolgskriterium für weltweite Supply Chains. Das zeigte schon die weltweite Studie des vergangenen Jahres. In der Krise ist für jeden zweiten Befragten (51 %) die Supply-Chain-Flexibilität nochmals wichtiger geworden. Akute Unsicherheit als Folge des aktuell schwierigen Geschäftsumfeldes machen die Planung daher immer wichtiger. Viele Unternehmen sind gezwungen, verstärkt mit Annahmen zu arbeiten, da verlässliche Daten nur für den kurzfristigen Planungshorizont vorliegen. Voraussagen jenseits der 3-Monatsgrenze müssen in immer kürzeren Intervallen angepasst werden.

Tendenz zu Insourcing

Zudem ist die Tendenz des „Insourcings“ zu beobachten. Aufträge, die an Lieferanten vergeben worden sind, werden verstärkt wieder selbst erledigt, um unmittelbarer reagieren zu können und die eigenen Fertigungsstätten besser auszulasten. Branchenübergreifend überragende Bedeutung gewinnt das Liquiditätsmanagement. Bestandsreduzierung ist dabei für zwei von drei Befragten (75 %) am wichtigsten, gefolgt von aktivem Forderungsmanagement (40 %) sowie der Verbesserung der Verbindlichkeiten (40 %). Darüber hinaus geben die Befragten an, vermehrt auch Währungsschwankungen zur Optimierung des Cashflows auszunutzen.

Teil 2: Eingeschränkte Handlungsoptionen für Unternehmen

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