Kraftwerk Kläranlage

Energieautarke Abwasserreinigung in der Pharmaproduktion

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Abwasser- und Abfallmanagement

Im Werk Penzberg fallen jährlich etwa 30 000 m3 hochkonzentrierte Abwässer aus der biotechnologischen Produktion an, die bisher über eine aerobe Hochleistungsstufe biologisch vorbehandelt und mittels einer nachgeschalteten Membranbelebungsanlage gereinigt werden mussten. Zusätzlich wurden etwa 3000 m3 wässrige organische Altlösungsmittel extern über entsprechende Fachfirmen kostenpflichtig entsorgt. Im Rahmen des Projektes wurde zunächst die biologische Abbaubarkeit dieser organischen Lösungsmittel unter anaeroben Bedingungen nachgewiesen. Anschließend konnten die Altlösemittel in den Abwasserweg umgeleitet werden.

Nach Durchführung einer Machbarkeitsstudie, eines Pilotversuchs sowie einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung fiel die Entscheidung zum Bau einer anaeroben Abwasserbehandlungsanlage mittels eines Hochleistungs-EGSB-Bioreaktors (Expanded Granular Sludge Blanket) mit 480 m³ Volumen. Die Anlagenkapazität im ersten Ausbauschritt beträgt 6500 kg CSB pro Tag, bei einer hydraulischen Verweilzeit von ungefähr vier Tagen und ei-nem CSB-Abbaugrad größer 95 Prozent.

Die Kohlenstoffabbaukapazität der ARA wurde so um 50 Prozent erhöht. Pro Jahr werden nun aus dem Abwasser etwa eine Millionen Kubikmeter Biogas mit einem mittleren Methangehalt von etwa 73 Prozent erzeugt und dem Blockheizkraftwerk (BHKW) zugeführt. Darüber hinaus spart der neue Prozess Betriebsmittel ein – insbesondere Reinsauerstoff.

Energieerzeugung aus Biogas

Das Methangas wird im Heizkraftwerk mit 969 kW Gesamtfeuerungsleistung und elekt-rischem Wirkungsgrad von 40 Prozent verbrannt. Die elektrische Energie (etwa 2700 MWh/Jahr) wird direkt in die Trafostation der Kläranlage eingespeist und führt zum strom-autarken Betrieb der Abwasserreinigungsanlage. Überschuss wird ins Werksstromnetz ge-speist. Die Abwärme des BHKW (etwa 2800 MWh/Jahr) wird in ein neu erstelltes Nahwärmenetz eingespeist (VL/RL: 90/70 °C), versorgt vier Werksgebäude und reduziert denDampf- und Erdgasbedarf dieser Gebäude.

* Der Autor ist Leiter Abwasserreinigung bei Roche, Penzberg. Kontakt: Tel. +49-8856-600

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