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Verpackungstrends Die Stimme aus der Pillendose - die sieben wichtigsten Verpackungstrends

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Eine Studie des nordamerikanischen Verbands für Verpackungs- und Verarbeitungstechnologien, PMMI, hat den Blick in die Glaskugel gewagt. Worauf sich Technologieanbieter für Pharmaverpackungen in Zukunft einstellen müssen. Was kommt, was bleibt?

Glas bleibt ein wichtiges Packmittel für Biopharmazeutika.
Glas bleibt ein wichtiges Packmittel für Biopharmazeutika.
(Bild: PMMI)

Ob Tablette, Kapsel, Salbe oder Saft – gleich welche Darreichungsform ein Arzneimittel annimmt – ohne Verpackung geht es nicht. Und je komplexer das Arzneimittel, desto mehr Aufwand wird beim Packmittel betrieben. Hinzu kommen gesetzliche Vorgaben, eine alternde Bevölkerung und der Trend zur Individualisierung.

Kein Wunder also, dass sich der weltweite Markt für Pharmaverpackungen seit Jahren über stabile Steigerungsraten freuen darf. Das Marktforschungsinstitut Freedonia beziffert die Umsatzerwartungen für 2023 auf 100,76 Milliarden US-Dollar. Die letzten Schätzungen aus dem Jahr 2017 gingen von 62,754 Milliarden US-Dollar aus.

Dauerbrenner Kunststoffverpackung

Gute Aussichten also für Technologieunternehmen, die Packmaterialien und Verpackungsmaschinen herstellen. Einer der Dauerbrenner bei den Packmaterialien sind Kunststoffe. Polymere sind aufgrund ihrer guten Barriereeigenschaften seit langem die am häufigsten verwendeten Rohstoffe in Verpackungen für Pharmazeutika.

Tom Egan, Vizepräsident, Industriedienstleistungen bei PMMI, The Association for Packaging and Processing Technologies
Tom Egan, Vizepräsident, Industriedienstleistungen bei PMMI, The Association for Packaging and Processing Technologies
(Bild: PMMI)

Der Trend zu flexiblen Verpackungen, Recyclingprogramme und der Ruf nach leichten Verpackungen mit guten Barriereeigenschaften, sorgen dafür, dass Kunststoff in Pharmaverpackungen eine gefragte Komponente bleiben wird, sagt Tom Egan, Vizepräsident Industriedienstleistungen bei PMMI, The Association for Packaging and Processing Technologies.

Der nordamerikanische Verband hat knapp 800 Mitglieder, darunter auch zahlreiche deutsche Unternehmen.

Plastikverpackungen sind Dauerbrenner und bleiben es auch in Zukunft.
Plastikverpackungen sind Dauerbrenner und bleiben es auch in Zukunft.
(Bild: PMMI)

In seinem jüngsten Whitepaper hat der Verband die wichtigsten Treiber analysiert, die in den nächsten Jahren die Pharmaindustrie und damit auch die Verpackungsbranche beschäftigen werden.

Verpackungen für Senioren

Während in den asiatischen Tigerstaaten allen voran Indien der Altersdurchschnitt der Bevölkerung bei unter 30 Jahren liegt, sieht das in Europa und Amerika ganz anders aus. Der demographische Wandel ist hier in vollem Gange. Laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ist in den europäischen Ländern derzeit nur noch jeder Fünfte jünger als 20 Jahre, in Nordamerika jeder Vierte.

Der Bedarf nach altersgerechten Verpackungen wird also steigen. „Pharmaunternehmen suchen nach Designs, die Komfortansprüche mit Manipulationssicherheit und Produktschutz in Einklang bringen“, sagt Egan.

Immer mehr temperaturgeführte Transporte

Ein weiterer Befund des Whitepapers betrifft die stärkere Diversifizierung des Portfolios pharmazeutischer Unternehmen an Verpackungstechnologien und -materialien. Aktive und intelligente Verpackungen bieten Patienten freundliche Lösungen. Aber auch Formulierungen auf Basis von Nanotechnologie und biopharmazeutische Wirkstoffe beeinflussen Verpackung und Supply Chain von Arzneimitteln, betonen die Autoren.

Die empfindlichen Wirkstoffe müssen vor hohen Temperaturen, Feuchtigkeit, Licht, Sauerstoff und mechanischen Kräften besonders geschützt werden. Deshalb nimmt die Zahl temperaturgeführter Transporte zu und es werden deutlich mehr speziell angepasste Umverpackungen benötigt, wie etwa Großblister und Isolierbehälter, die Spritzen, Karpulen und Vials vor schädlichen Einflüssen schützen.

Flexible Verpackungen

Auch für Hersteller flexibler Kunststoffverpackungen sehen die Autoren des Whitepapers große Chancen. Die Analysten von Ceresana erwarten, dass der europäische Markt für flexible Verpackungen, das heißt alle Verpackungstypen und Materialien zusammen, bis zum Jahr 2021 ein Volumen von ca. 19,2 Mio. Tonnen erreichen wird. Pharmaverpackungen machen davon zwar nur einen Teil aus, aber da Arzneimittelverpackungen besonders hochwertig sein müssen, können sich Hersteller hier auch über eine höhere Wertschöpfung freuen. Die Vorteile von Polyethylen, Polypropylen und PET liegen auf der Hand: Schutz vor Feuchtigkeit, Licht, Sauerstoff, mechanischen Kräften und vor Kontamination.

Tüten und Beutel, so listet das Whitepaper auf, werden bei medizinischen Geräten, Flüssigkeiten, Wund- und Brandwundverbänden, Einzeldosis-Medikamenten, medizinischen Tupfern, transdermalen Pflastern, Kapseln, Pillen und Tabletten, implantierbaren Geräten sowie diagnostischen Testsets und mehr eingesetzt. Bag-in-Box-Technologien können Verpackung und Lagerung von Arzneimitteln, die im Seuchen- oder Katastrophenfall in großen Mengen benötigt werden, deutlich einfacher machen. So wurden Doppelverpackungen entwickelt, um die Qualität zu schützen, die Haltbarkeit zu verlängern und den Ausschuss für lagerstabile, konservierungsmittelfreie Produkte zu reduzieren. Flexible Beutel mit mehreren laminierten Schichten sind auch eine Alternative zu den traditionellen Boxen und Kartons, die normalerweise Blisterverpackungen enthalten.

Therapietreue erhöhen

Die Hälfte der Langzeittherapie-Patienten nehmen ihre Medikamente gar nicht oder falsch ein. Innovative Verpackung könnten die Einnahmedisziplin der Patienten erhöhen und Menschenleben retten. So erfassen Blisterverpackungen mit eingebetteten Mikrochips, wann ein Medikament eingenommen oder verabreicht wird und erinnern daran, wann die nächste Dosis fällig ist, indem sie piepen oder den Patienten anderweitig einen Hinweis geben.

Andere Smart-Pack-Funktionen warnen bei Ablauf des Verfallsdatums, überwachen den Lagerzustand und warnen bei Manipulationen. Flaschenverschlüsse zeichnen Dosierungs-Daten auf, indem sie mitverfolgen, wann ein Verschluss geöffnet wird. Die Near Field Communication (NFC)-Technologie stellt Informationen über Medikamente interaktiv, wie z.B. eine Video- oder Audiomitteilung, auf dem Smartphone des Patienten bereit und überwacht auch die Lieferkette.

Biologika werden wichtiger

Die Entwicklung von Biopharmazeutika erlebt derzeit einen Boom, da damit Krebs und genetische Erkrankungen mit einer Präzision behandelt werden können, die noch vor zwanzig Jahren unvorstellbar war. Bei Autoimmunerkrankungen wie Arthritis, die seit Jahrzehnten symptomatisch behandelt wurden, werden heute injizierbare Biologika angewandt, die an der Ursache der Erkrankung ansetzten. Gleichzeitig können Ärzte aggressive Krebsarten mit antikörperbasierten Biologika, die auf spezifische biologische Prozesse abzielen, in Schach halten.

Der aufstrebende Markt für Injektionspräparate konzentriert sich bei chronischen Erkrankungen zunehmend auf ambulante Behandlungen. Die Injektion beschränkt sich seit Jahrzehnten weitgehend auf den stationären Einsatz durch Ärzte, Schwestern und Pfleger. Was als Herausforderung für Patienten mit Diabetes begann, die tägliche subkutane Injektion, hat sich nun zu einer routinierten Dosierungsstrategie für eine Vielzahl von Erkrankungen entwickelt.

Glas hat viele Vorteile

Glas ist und bleibt für Biopharmazeutika das bevorzugte Behältnis. Dank der chemischen Beständigkeit und der einheitlichen Oberflächenchemie gehen Glasvials und -fläschchen keine Interaktionen mit Proteinwirkstoffen ein. Als inertes Material verhindert Glas, dass z.B. Gase oder andere flüchtige Substanzen durch die Glaswand dringen und in das Medikament gelangen.

Außerdem ermöglicht Glas einen reibungslosen Linienbetrieb und alle Linien sind seit Jahren daraufhin optimiert. Entwickler arbeiten stetig an der Verbesserung des Materials, die Schwachstellen und Rissneigungen minimieren oder die gefürchtete Delamination verhindern sollen.

* * Kontakt zu PMMI, Reston, Virginia/USA: E-Mail: info@pmmi.org

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