Chemiepark-Management

Das Chemiedreieck in Sachsen-Anhalt setzt auf Kooperation und die Profilierung der einzelnen Standorte

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Die mit 120 Millionen Euro größte Einzelinvestition der letzten Jahre ist die im September an den Start gegangene Entschwefelungsanlage der Total Raffinerie Mitteldeutschland. Eine Million Jahrestonnen schwefelarmes Heizöl, Flugturbinenöl und Diesel soll die Anlage liefern und dabei den Schwefelgehalt auf 50 Parts per Million drücken. Größte Herausforderung für die Betreiber war dabei, die Anlage bei laufendem Betrieb in die bestehende Raffinerie einzubinden.

Ein weiteres wichtiges Projekt ist die auf 10 000 Quadratmetern entstandene Pigmentfabrik FFP-Pigments, einer Tochter der finnischen FFP-Pigments Oy, die Anfang Oktober ihre Produktion aufgenommen hat. Vor allem die Entscheidung der Finnen ihre neue Anlage in Leuna anzusiedeln, wertet Hiltermann als Beweis für die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes innerhalb Europas.

Eine echte Investition in die Zukunft ist das Chemisch-Biotechnologische Prozesszentrum CLB, das die Fraunhoferinstitute Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik und Chemische Technologie gemeinsam betreiben werden. 50 Millionen Euro werden die nächsten Jahr nach Leuna fließen und dafür sorgen, dass die Forscher neue Konversionstechnologien für Biomasse entwickeln können.

Chemie als Innovationsmotor

Die auch vom Land Sachsen-Anhalt mit 8,5 Millionen Euro unterstützte Gründung des CLB ist Teil der Innovationsstrategie 2013, mit der das Bundesland die Wirtschaft voranbringen will. Wichtigster Motor dabei war und ist die Chemieindustrie, die rund 20 000 Beschäftigte zählt und seit 2002 von dem Netzwerk Cechemnet unterstützt wird. Projektpartner sind die Standortgesellschaften der Chemiezentren Bitterfeld-Wolfen, Leuna, Schkopau/Böhlen, Zeitz und Schwarzheide. Aufgabe des Central European Chemical Network ist es, ansiedlungswillige Unternehmen zu unterstützen und das Chemiedreieck im internationalen Wettbewerb zu positionieren. Neben dem Stoff- und Pipelineverbund, der das Dreieck vernetzt, vermarkten die Verantwortlichen hauptsächlich die verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte der Standorte. Jeder der Standorte zeichnet sich durch ein spezifisches Know-how aus, das aus der historischen Entwicklung und in unterschiedlichen Privatisierungsmodellen gewachsen ist. Und die sind zum Teil sehr unterschiedlich – die Angebote reichen von offenen Betreibermodellen, wie in Bitterfeld-Wolfen, Zeitz oder Leuna bis hin zu geschlossenen Modellen, wie etwa in Schkopau oder der BASF Schwarzheide.

So hat sich etwa in Bitterfeld-Wolfen ein buntes Gemisch an unterschiedlichen Unternehmen angesiedelt. Bayer Bitterfeld betreibt hier eine der modernsten Tablettenproduktionen des Konzerns, und seit sich QCells etabliert hat, bezeichnet sich der Standort gerne als einen der leistungsfähigsten Solarstandorte Europas. Das chemische Gesicht des Standortes wird durch den umfangreichen Stoffverbund charakterisiert. Etwa 230 Millionen Euro wurden seit 1990 in die Infrastruktur gepumpt und entstanden ist u.a. ein 28 Kilometer langes Rohrleitungsnetz, das geschlossene Stoffkreisläufe ermöglich. Ein Beispiel stellt die Kopplung von Quarzglasproduktion und Elektrolyse dar. Die im Quarzglaswerk anfallende Salzlösung wird als Rohstoff in der Elektrolyse eingesetzt, bei der u.a. Wasserstoff entsteht, der wiederum als Energieträger in der Quarzglas-Synthese fungiert.

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