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China Market Insider China erklärt Einweg-Kunststoff den Kampf und fördert Alternativen

| Autor / Redakteur: Henrik Bork / Wolfgang Ernhofer

Gegen die steigende Kunststoffmüll-Flut: China macht ernst mit dem Bann von Plastiktüten. Die neuesten gesetzlichen Regelungen betreffen nun auch Produzenten. Unter der Überschrift „Kunststoff an der Quelle reduzieren“ berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua über einen neuen Maßnahmenkatalog der Regierung zum Verbot bestimmter Kunststoffprodukte. Stattdessen soll vermehrt die Produktion biologisch abbaubarer Polymere gefördert werden. Davon könnte die BASF profitieren.

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Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet PROCESS regelmäßig über den chinesischen Chemie- und Pharmamarkt.
(Bild: ©sezerozger - stock.adobe.com)

Peking/China – Sowohl die Produktion, als auch der Konsum einer ganzen Reihe von Einweg-Produkten aus Kunststoff soll dem Willen der chinesischen Regierung bis zum Jahr 2025 stark reduziert werden. In der vergangen Woche endete dazu die öffentliche Anhörung für eine detaillierten Katalog von Produkten, die schon bald gebannt werden dürften.

Auf der schwarzen Liste stehen unter anderem Einkaufstüten aus Kunststoff mit einer Materialdicke von unter 0,025 Millimetern und Mulchfolien für die Landwirtschaft, die weniger als 0,01 Millimeter dick sind. Einweg-Besteck aus Kunststoff soll ebenfalls bald verboten werden.

Beide Produktgruppen waren auch in China, wo Studien zufolge etwa 29 % aller Kunststoffprodukte der Erde produziert werden, zunehmend ins Kreuzfeuer öffentlicher Kritik geraten. Auch der hohe Verbrauch in China war zunehmend von den Medien des Landes kritisiert worden. Der Jiangtsekiang, Chinas größter Strom, transportiert mehr Kunststoffmüll in die Weltmeere als irgendein anderer Wasserlauf auf der Erde.

Doch während die chinesische Regierung bereits seit Jahren den Konsum bestimmter Kunststoffprodukte zu reduzieren versucht, sind die strengeren Restriktionen in der Produktion eine neue Entwicklung. Chinas mächtige Planungskommission NDRC und das Umweltministerium in Peking setzten neuerdings auf „die Kontrolle des gesamten Lebenszyklus von Kunststoffprodukten“, schrieb Xinhua am Dienstag vergangener Woche.

Die Maßnahmen seien notwendig zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und für ein „schönes China“, begründete die Planungskommission selbst ihren Vorstoß. Die Hersteller müssten, sobald die neuen Regeln voraussichtlich noch in diesem Jahr in Kraft treten, „sowohl die Produktion reduzieren, als auch geltende Industriestandards für Emissionen einhalten“, interpretierte die chinesische Wirtschaftszeitung Jingji Ribao das neue Regelwerk.

Während Einweg-Produkte nun Schritt für Schritt verboten werden, werden konkrete Alternativen gefördert. Gemeinsam mit den nun im Detail vorliegenden Verboten bestimmter Kunststoffprodukte hatte Chinas Regierung schon Anfang des Jahres angekündigt, die Produktion biologisch abbaubarer Kunststoffe zu fördern.

Unter anderem die Produktion von Polylactid (PLA), einem biologisch abbaubaren Kunststoff der aus Milchsäure gewonnen wird, sowie des auf Pretroliumbasis hergestellten, ebenfalls biologisch zersetzbare PBAT (Polybutylenadipat-Terephthalat) dürften nun in China im Laufe der kommenden Jahre deutlich ansteigen, vermuten Marktbeobachter.

Einer der chinesischen Hersteller, der massiv von der neuen Politik profitieren dürfte, ist Kingfa Science and Technology im südchinesischen Guangzhou. Die Firma ist alleine für 40 % der Produktionskapazität für PBAT verantwortlich, heißt es in einem Bericht der Shanghaier Börsenzeitung Shanghai Zhengquan Bao vom April.

Aufgrund der steigenden Nachfrage in Europa, ausgelöst von dortigen Kunststoffverboten, habe Kingfa seine PBAT-Kapazität schon bis zum Jahresende 2018 bis auf 60.000 Tonnen ausbauen können, schreibt das chinesische Börsenblatt. „Das Geschäft der Firma mit biologisch abbaubaren Kunststoffen dürfte nun ein explosives Wachstum erfahren“, schrieb die Zeitung kurz nach der Veröffentlichung der jüngsten Förderungs-Intentionen der chinesischen Regierung.

Auch die BASF dürfte in China zu den Gewinnern dieses Trends gehören. Die Chemiefirma vertreibt in China seit Jahren unter dem Markennamen ecovio biologisch abbaubare Mulchfolien für Chinas Bauern. „Mikroplastik-Überreste“ von herkömmlichen Mulchfolien, in China zur Abdeckung von Gemüse landesweit genutzt werden, verbleiben nach der Ernte auch in China in großen Mengen im Boden und reichern sich dort Jahr für Jahr weiter an. Die aus PBAT und anderen biologisch abbaubaren Polymeren hergestellten ecovio-Folien werden jedoch von Mikroben im Boden in Energie und Biomasse umgewandelt, wie die BASF auf ihrer Website unter Berufung auf eine Studie an der ETH Zürich mitteilt.

* Der Autor ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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