Marktstudie Biopolymere erobern den Weltmarkt

Redakteur: Alexander Stark

Auf Kunststoffe aus Zuckerrohr, Kartoffelstärke oder anderen nachwachsenden Rohstoffen werden große Hoffnungen gesetzt. Ceresana hat nun zum sechsten Mal den dynamisch wachsenden Weltmarkt für „grüne“ Polymere untersucht.

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Ceresana hat erneut den Weltmarkt für „grüne“ Polymere untersucht.
Ceresana hat erneut den Weltmarkt für „grüne“ Polymere untersucht.
(Bild: Ceresana)

Konstanz – Biopolymere erobern immer mehr Anwendungsgebiete und erzielen deutlich höhere Wachstumsraten als herkömmliche Standardkunststoffe. Die Analysten von Ceresana erwarten, dass der Biokunststoff-Umsatz bis zum Jahr 2030 auf umgerechnet rund 6,8 Milliarden Euro wachsen wird.

Kunststoffe und Verpackungen sind zentrale Produktgruppen für den „Aktionsplan Kreislaufwirtschaft“, den die EU-Kommission im Rahmen des „Green Deal“ im Frühjahr 2020 veröffentlicht hat. Um die Wegwerf-Gesellschaft zu überwinden und die Abfallmengen zu reduzieren, plant die EU-Kommission unter anderem eine Kunststoff-Steuer, Beschränkungen für Mikroplastik und die Förderung von Kunststoff-Recycling. Ende 2021 soll eine neue „Rahmengesetzgebung für biobasierte, biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffe“ klar regeln und definieren, was unter diesen Begriffen zu verstehen ist und wie Biokunststoffe entsorgt werden sollen. Mit einer Lebenszyklus-Analyse soll Greenwashing vermieden werden: Biobasierte Kunststoffe sollen nur dann eingesetzt werden, wenn sie gegenüber fossilen Kunststoffen echte ökologische Vorteile bieten und nicht zum Beispiel der Lebensmittelproduktion Konkurrenz machen.

Biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe

Als „Biokunststoffe“ werden derzeit zwei Material-Gruppen bezeichnet, die sich überlappen können, aber nicht immer identisch sein müssen:

  • biologisch abbaubare Kunststoffe, die sich in der freien Natur zersetzen oder zumindest in industriellen Anlagen kompostiert werden können,
  • biobasierte Kunststoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden.

Manche Biokunststoffe erfüllen beide Bedingungen: PLA aus Polymilchsäure, PHA aus Zucker und TPS aus Stärke zum Beispiel sind biobasiert und biologisch abbaubar. Es gibt aber auch Kunststoffe aus biogenen Rohstoffen, die nicht kompostierbar sind (z.B. PEF aus Fructose oder Bio-PE auf Basis von Zuckerrohr). Dagegen können manche petrochemisch, also aus Erdöl oder Erdgas erzeugte Kunststoffe durchaus biologisch abbaubar sein (z.B. PCL, PBAT, PBS). Biobasierte Kunststoffe mit der gleichen chemischen Struktur wie ihre fossilen Pendants können recycelt werden.

Größtes Wachstum bei Polymilchsäuren und Stärke

Biologisch abbaubare Kunststoffe, zum Beispiel Polymilchsäuren (PLA) und Stärke-Polymere, erreichten 2020 einen Marktanteil von 65 % am gesamten Biokunststoffmarkt. Für diese Produktgruppe erwartet Ceresana bis 2030 ein weiteres Mengenwachstum von 10,2 % pro Jahr. Bei biobasierten Kunststoffen, etwa Bio-Polyethylen, Bio-PET oder Bio-PA, die nicht biologisch abbaubar sind, wird der Zuwachs mit 7,5 % pro Jahr voraussichtlich niedriger sein. Der aktuelle Marktreport von Ceresana analysiert, wie sich der Einsatz von Biokunststoffen in den unterschiedlichen Absatzmärkten entwickelt. Die wichtigste Absatzbranche für Biokunststoffe war im Jahr 2020 die Verpackungsindustrie – mehr als 58 % aller Biokunststoffe wurden hier verarbeitet. Die höchsten Zuwächse erwartet Ceresana mit 11,1 % pro Jahr im Bereich „Beutel, Säcke und Tüten“.

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