Impfstoffhersteller Biontech verbucht Milliarden-Gewinne

Redakteur: Alexander Stark

Das Geschäft bei Biontech läuft glänzend. Die Aktionäre des Mainzer Biotech-Unternehmens können sich über kräftige Kurssteigerungen freuen. Untermauert wird der Aufwärtstrend der Mainzer durch die positiven Quartalszahlen und die hohe Wirksamkeit des Impfstoffs.

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Biontech-CEO Ugur Sahin
Biontech-CEO Ugur Sahin
(Bild: Biontech)

Mainz (dpa) - Vor einem Jahr schrieb Biontech noch rote Zahlen, doch jetzt sprudeln bei dem Mainzer Unternehmen dank seines Corona-Impfstoffs die Gewinne. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, stieg der Nettogewinn im abgelaufenen Quartal auf knapp 2,8 Milliarden Euro nach einem Verlust von 88,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Für die ersten sechs Monate belief sich der Überschuss auf gut 3,9 Milliarden Euro nach einem Verlust von knapp 142 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Quartalsumsatz sprang innerhalb eines Jahres von 41,7 Millionen Euro auf rund 5,3 Milliarden Euro. Für das erste Halbjahr ergab sich ein Gesamtumsatz von fast 7,4 Milliarden Euro. Mit dieser Entwicklung im Rücken schraubte Biontech seine Prognose für den Impfstoffumsatz auf 15,9 Milliarden Euro hoch. Vor drei Monaten war das Unternehmen von 12,4 Milliarden Euro ausgegangen.

Gemeinsam mit seinem US-Partner Pfizer hat Biontech inzwischen rund eine Milliarde Dosen des Covid-19-Impfstoffs in mehr als 100 Länder oder Regionen weltweit ausgeliefert (Stand 21. Juli). Vorstandschef und Biontech-Mitgründer Ugur Sahin zeigte sich stolz, dass dieser „Meilenstein“ nach wenigen Monaten erreicht worden sei.

Für dieses Jahr haben die beiden Unternehmen nach eigenen Angaben feste Liefervereinbarungen über mehr als 2,2 Milliarden Dosen und nochmals mehr als eine Milliarde Dosen für das kommende Jahr sowie darüber hinaus. Für das kommende Jahr rechnen Biontech und Pfizer damit, dass sie über Kapazitäten für die Herstellung von bis zu vier Milliarden Dosen verfügen werden. Für das laufende Jahr wird diese Zahl mit drei Milliarden Dosen angegeben.

Pfizer und Biontech hatten bereits erklärt, dass sie davon ausgehen, dass eine dritte Dosis ihres Impfstoffs „die höchste Schutzwirkung gegen alle derzeit getesteten Varianten, einschließlich Delta“ hat. In den kommenden Wochen wollen sie genauere Daten aus einer Studie dazu vorlegen.

Zusätzlich arbeiten Biontech und Pfizer an einer Version des Impfstoffs, die an die Delta-Variante angepasst ist. Dabei wird das vollständige Spike-Protein dieser Virusvariante verwendet, wie die Unternehmen bereits bekanntgegeben hatten. Die erste Charge des neuen mRNA-Botenmoleküls - des eigentlichen Wirkstoffs - wurde bereits im Mainzer Biontech-Werk produziert. Eine Studie mit mehreren hundert Teilnehmern soll noch im August beginnen, sobald die behördliche Genehmigung vorliegt.

Doch vorerst setzt Biontech weiter auf den bisherigen Impfstoff und Auffrischungsimpfungen. „Unsere derzeitige Strategie ist es, mit dem Original-Vakzin weiterzumachen“, sagte die medizinische Geschäftsführerin und Biontech-Mitgründerin Özlem Türeci auf einer Analystenkonferenz.

Auch im Kampf gegen den Krebs setzt Biontech auf seinen Immunisierungsansatz. Die Forschungen hätten bislang 15 klinische Produktkandidaten hervorgebracht, die in 18 laufenden klinischen Studien untersucht würden, teilte das Unternehmen mit.

Die Erfolge schlagen sich auch im Aktienkurs nieder. Das seit Oktober 2019 an der US-Technologiebörse Nasdaq notierte Papier eilte in den vergangenen Wochen von Rekord zu Rekord. Am vergangenen Dienstag stieg der Kurs bis auf 433,90 Dollar. Bis zum Freitag bröckelte der Kurs ein wenig ab. Mit 389 Dollar lag er aber immer noch rund 1200 % über dem Niveau von Ende Januar 2020, also bevor die Pandemie die Welt erfasste.

Am Montag reagierte die Aktie mit einem Kurssprung auf die neuen Zahlen. Sie notierte im frühen Handel in New York bei 431 Dollar.

Seit dem Börsengang summiert sich das Kursplus auf rund 2500  %. Biontech ist an der Börse rund 94 Milliarden Dollar oder umgerechnet knapp 80 Milliarden Euro wert. Durch den rasanten Kursanstieg zählen die Brüder Andreas und Thomas Strüngmann, die knapp die Hälfte der Anteile halten, inzwischen zu den reichsten Deutschen. Das 17-prozentige Paket von Vorstandschef Sahin kommt auf einen Wert von fast 14 Milliarden Euro. Damit gehört er einer Aufstellung der Nachrichtenagentur Bloomberg ebenfalls zu den zehn reichsten Deutschen.

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