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Anlagenmodernisierung

Best Practice – erfolgreiche Einführung des Kraftwerk-Kennzeichensystems KKS

| Autor/ Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Karsten Natus und Stefan Paul / Dr. Jörg Kempf

In Wunstorf bei Hannover betreibt K+S das Kaliwerk Sigmundshall. In dem über viele Jahrzehnte immer wieder erweiterten und modernisierten betriebseigenen Kraftwerk wurde das Kennzeichensystem KKS eingeführt – mit System-Know-how von Gabo IDM und Markierungsschildern von Phoenix Contact, Digitalisierung der Anlagendokumentation inbegriffen.

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Jedes Aggregat auf lange Sicht eindeutig markiert und dokumentiert: K+S hat am Standort Sigmundshall ein Kraftwerk-Kennzeichensystem eingeführt.
Jedes Aggregat auf lange Sicht eindeutig markiert und dokumentiert: K+S hat am Standort Sigmundshall ein Kraftwerk-Kennzeichensystem eingeführt.
(Bild: Hermann Kolbeck/Phoenix Contact)

Als internationales Rohstoffunternehmen fördert und veredelt K+S – die früher als Kali und Salz AG firmierten – seit mehr als 125 Jahren mineralische Rohstoffe. Im niedersächsischen Wunstorf betreibt das Unternehmen das Kaliwerk Sigmundshall. Die Produktpalette umfasst kalium- und magnesiumhaltige Düngemittel sowie Kaliumchlorid als technisches Salz für die Industrie. Von Sigmundshall aus gehen die Produkte als Schüttgut in alle Welt.

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Da der Bergwerksbetrieb und die Aufbereitung des Rohsalzes energieintensiv sind, verfügt der Standort über ein eigenes Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk mit einer Feuerungswärmeleistung von 116 MW. Das Kraftwerk wurde über die Jahrzehnte sukzessive erweitert und an die Produktionskapazitäten angepasst. Heute wird eine Gasturbine betrieben, und zwei Dampfturbinen werden aus mehreren Kesseln gespeist. So versorgt das Kraftwerk den Standort flexibel und zuverlässig mit Strom und Prozessdampf und erhöht zudem die Verfügbarkeit.

Historisch gewachsenes Mischsystem

Bis zur Einführung des Kraftwerk-Kennzeichensystems KKS wurden Anlagenteile, Aggregate und Betriebsmittel auf ganz unterschiedliche Weise beschriftet und dokumentiert. So gab es je nach Anlagenteil eine große Bandbreite an Beschriftungen und Dokumentationen, die meistens von den jeweiligen Herstellern kamen. „So entstand mit wechselnden Anlagen-Errichtern über die Jahrzehnte ein komplexes Mischsystem“, erinnert sich Christian Berghausen, Leiter Kraftwerksbetrieb am Standort Sigmundshall. „Anlagen-Kennzeichnung und -Dokumentation waren nicht aus einem Guss und damit schwer nachvollziehbar.“

Vieles sprach für eine umfassende und normgerechte Kennzeichnung und Dokumentation aller Anlagenteile und Betriebsmittel – auf Grundlage des normierten Kraftwerk-Kennzeichen-Systems. In erster Linie ging es darum, die Betriebssicherheit zu erhöhen und den Arbeitsschutz zu verbessern. „Ein Vertauschen eines Aggregates oder einer Leitung kann zu erheblichen Personen- und Anlagenschäden führen“, so Berghausen. Wartung und Instandhaltung sollten zudem einfacher werden und den Kraftwerkbetrieb sicherer machen.

Vor der KKS-Einführung wurden zunächst auf Basis der umfangreichen Bestandsdokumentation alle erforderlichen Leistungen zur Ausschreibung des Projekts definiert. Nach einer ausführlichen technischen und kaufmännischen Bewertung erfolgte die Vergabe des Auftrages an Gabo IDM. Das Unternehmen aus Erlangen ist Spezialist für die technische Dokumentation des Anlagenmanagements in der Energieerzeugung. „Unser Kerngeschäft ist das Daten- und Dokumentenmanagement als Basis für die Industrie 4.0“, erläutert Geschäftsführer Hans Karl Preuss. „Dazu erstellen wir – weitgehend automatisiert – die benötigten Informationen zur gesetzeskonformen Organisation der Betriebsabläufe.“

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Das KKS – Kraftwerk-Kennzeichensystem

In Kraftwerken und Versorgungsbetrieben ist der reibungslose Ablauf von entscheidender Bedeutung. Mit dem Kraftwerk-Kennzeichensystem „KKS“ werden Anlagen, Anlagenteile und Geräte aller Kraftwerksarten nach Aufgabe, Art und Ort gekennzeichnet. Es ist von allen Fachbereichen für Planung, Genehmigung, Errichtung, Betrieb und Instandhaltung anzuwenden.

Das KKS oder Teile davon lassen sich mit anderen Kennzeichensystemen kombinieren, um zusätzliche Kennzeichnungsanforderungen erfüllen zu können. Das KKS steht in engem Zusammenhang zu den nationalen und internationalen Vorgaben für die Kennzeichnung von Kraftwerksanlagen – insbesondere DIN 6779 und IEC 81346. Zielstellung der Weiterentwicklung ist eine vollständige Integration in das internationale Normenwerk.

Weitere Informationen unter https://www.vgb.org/db_kks.html

Als Vorarbeit zur Implementierung des KKS koordinierte Gabo IDM zunächst die Übernahme aller vorhandenen Anlagendokumentationen und Datenstrukturen in das selbstentwickelte Anlagenverwaltungssystem AVIS – dabei wurde auch eine neue Datenstruktur entwickelt. „Mittels einer Ist-Analyse der technischen Dokumentation der Bestandsanlage wurde dann überprüft, welche Normen und Vorschriften bereits befolgt werden“, erklärt Preuss. „Im Hinblick auf die angestrebte umfassende Konformität wurden die erforderlichen Richtlinien ausgearbeitet.“

Alle Prozessschritte wurden sukzessive mit Berghausen und seinem Team besprochen und umgesetzt. Dabei sollten die umfangreichen Anlagensysteme vor allem für die zukünftige Dokumentation gerüstet sein.

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