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Lieferengpässe als Dauerproblem Auch ohne Coronavirus: Lieferengpässe bei Arzneimitteln haben sich 2019 verdoppelt

Redakteur: MA Alexander Stark

Obwohl die Menge der auf Rezept abgegebenen Medikamente seit 2017 konstant geblieben ist, haben sich die Lieferengpässe in diesem Zeitraum drastisch verschärft. Die von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände vorgelegten Zahlen für 2019 haben sich im Vergleich zu 2018 beinahe verdoppelt - obwohl das Coronavirus hier noch gar keine Rolle spielte.

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Die Lieferengpässe bei Arzneimitteln haben sich im Jahr 2019 auf 18,0 Millionen Packungen fast verdoppelt.
Die Lieferengpässe bei Arzneimitteln haben sich im Jahr 2019 auf 18,0 Millionen Packungen fast verdoppelt.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Berlin – Die Lieferengpässe bei Arzneimitteln haben sich im Jahr 2019 auf 18,0 Millionen Packungen fast verdoppelt – nach 9,3 Millionen Medikamenten im Jahr 2018. Im Jahr 2017 waren es sogar nur 4,7 Millionen Arzneimittel gewesen. Die Gesamtzahl der in den Apotheken auf Rezept abgegebenen Medikamente ist derweil in allen drei Jahren bei etwa 650 Millionen konstant geblieben. Das ergibt eine Auswertung des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts (DAPI) auf Basis von Abrechnungen der Apotheken mit den gesetzlichen Krankenkassen. Dabei werden nur Rabattarzneimittel berücksichtigt, weil dort das Rezept entsprechend gekennzeichnet ist, so dass das wahre Ausmaß von Lieferengpässen sogar noch unterschätzt wird. In der Rangliste der Nichtverfügbarkeiten im Jahr 2019 liegt Candesartan (Blutdrucksenker) mit 1,8 Millionen. Packungen vor Allopurinol (Gichtmittel) mit 0,8 Millionen, Valsartan (Blutdrucksenker) mit 0,8 Mio., Venlafaxin (Antidepressivum) mit 0,7 Millionen und Diclofenac (Schmerzmittel) mit 0,7 Millionen.

Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände beklagt, dass Lieferengpässe bei Arzneimitteln schon seit Jahren ein großes Problem für die Versorgung von Millionen Patienten sind. Mit dem neuen Rekordniveau an Lieferengpässen zeige sich immer mehr, dass Apotheker als Krisenmanager agieren müssten, wenn sie ihre Patienten wenigstens mit Alternativpräparaten versorgen wollen. Dass die Apotheken in der derzeitigen Coronavirus-Krise die Desinfektionsmittel nun auch noch selbst herstellen müssen, sei ein zusätzlicher Belastungsfaktor. Bei diesem enormen Mehraufwand, der in den Apotheken viel Zeit koste und Personal binde, müsse nun endlich auch über eine Vergütung gesprochen werden. Die Krankenkassen könnten nicht länger ignorieren, was die Apotheken zusätzlich für ihre Versicherten leisten.

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