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50 Jahre Chlorproduktion in Krefeld-Uerdingen

Wege zur besseren Energieeffizienz bei der Chlorproduktion

| Redakteur: Marion Henig

Vor genau 50 Jahren startete Bayer am Standort Krefeld-Uerdingen die Chlorproduktion. Heute verfügt die Anlage über eine Gesamtkapazität von 240.000 Jahrestonnen, die sich etwa zur Hälfte auf die Membran- und die Quecksilbertechnik aufteilen. Eine neuerliche Investition läutet nun den kompletten Ausstieg aus dem Quecksilberverfahren ein: die Sauerstoffverzehrkathoden (SVK)-Technologie.

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1997 hat Bayer MaterialScience auf das Membranelektrolyseverfahren zur Chlorherstellung umgestellt. (Bild: Bayer)
1997 hat Bayer MaterialScience auf das Membranelektrolyseverfahren zur Chlorherstellung umgestellt. (Bild: Bayer)

Chlor ist für 80 Prozent aller Produkte von Bayer MaterialScience ein unverzichtbarer Einsatzstoff. Bis heute hat die Uerdinger Chloralkali-Elektrolyse rund 7,5 Millionen Tonnen Chlor produziert. Die elektrochemische Gewinnung von Chlor ist heute einer der energieaufwändigsten Prozesse in der chemischen Industrie. Große Mengen an Chlor werden insbesondere für die Produktion von Kunststoffen, aber auch für die Herstellung von Medikamenten benötigt. „Ohne Chlor ist die Herstellung unserer Polyurethane und Polycarbonate als wichtige Standbeine unserer Produktpalette nicht möglich“, betonte Dr. Klaus Jaeger, Leiter des Standortverbunds Nordrhein-Westfalen von Bayer MaterialScience, am Mittwoch im Rahmen eines Pressegesprächs. Zu diesem Verbund zählen Dormagen, Leverkusen und Krefeld-Uerdingen. Zahlreiche Produkte des täglichen Lebens wie Compact Disks, Dämmstoffe, Computergehäuse, energiesparende Kühlschränke oder Sitzpolster basieren auf Polyurethan- oder Polycarbonat-Werkstoffen von Bayer MaterialScience. Dabei verbleibt kein Chlor in den Endprodukten, sondern wird in Form von Salzsäure in anderen Produktionsbereichen benötigt.

Vorreiter-Rolle beim Membranverfahren

Die Anlage, in der aus Kochsalz mit Hilfe von elektrischem Strom die Stoffe Chlor, Natronlauge und Wasserstoff entstehen, startete 1960 mit einer Jahreskapazität von 30.000 Tonnen Chlor. Dank kontinuierlicher Investitionen arbeitete die auf Basis des klassischen Quecksilberverfahrens betriebene Chlorelektrolyse stets auf hohem umwelt- und sicherheitstechnischem Niveau. Das Verfahren hat allerdings den Nachteil, dass es relativ viel Strom verbraucht. So war die Uerdinger Anlage die erste ihrer Art bei Bayer, die 1997 mit einer Investition von 30 Millionen Euro auf das weniger energieintensive Membranverfahren umgestellt wurde – und somit zum Vorreiter in ganz Europa avancierte. Zurzeit wird Chlor größtenteils im sogenannten Membranverfahren gewonnen.

„Vor dem Hintergrund, dass Bayer MaterialScience rund zwei Drittel seines weltweiten Stromverbrauchs für die Chlorproduktion benötigt, war dies bereits ein wichtiger Beitrag, um Ressourcen zu schonen und Kosten zu senken“, so Jaeger. Heute verfügt die Chlor-Anlage über eine Gesamtkapazität von 240.000 Jahrestonnen, die sich etwa zur Hälfte auf die Membran- und die Quecksilbertechnik aufteilen. Eine neuerliche Investition läutet nun den kompletten Ausstieg aus dem Quecksilberverfahren und einen weiteren Schritt in Richtung einer klimaschonenden Chlorproduktion ein: die Sauerstoffverzehrkathoden (SVK)-Technologie. Mit der neuen Technologie kann durch die Einspeisung von gasförmigem Sauerstoff die Elektrolyse mit geringerem Energieverbrauch betrieben werden. Hierdurch werden auch CO2-Emissionen reduziert.

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