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Wacker arbeitete sich in den Folgejahren mit Hilfe der Acetylenchemie und mit Innovationen in der Siliciumchemie in neue Dimensionen vor. Als erstem Großhersteller von Siliconen in Europa gelang Wacker Ende der 1960er Jahre der Einstieg in den US-Markt. Auch die Stammgeschäfte mit Vinylkunststoffen boomten. Das führte zu Überlegungen, die energieintensive und vergleichsweise teure Herstellung von Acetylen aus Carbid durch ein neues, kostengünstigeres Verfahren auf Basis von Erdöl zu ersetzen. Dies gelang schließlich Ende der 1950er Jahre mit dem Rohstoff Ethylen und führte zum so genannten „2. Wacker-Verfahren“ zur Herstellung von Essigsäure.
Die 70er und 80er Jahre standen ganz im Zeichen verstärkter Exporttätigkeit. Es waren die Gründungsjahre einer großen Anzahl ausländischer Tochtergesellschaften im europäischen Ausland (Holland, Österreich, Schweiz, Belgien, Schweden, England, Spanien), aber auch in Übersee (Brasilien, Mexiko, USA). Den asiatischen Markt betrat Wacker 1983 mit der Wacker Chemicals East Asia in Tokio.
Biotechnologie als neues Geschäftsfeld in den 1990er Jahren
In den 1990er Jahren erschloss sich Wacker die Biotechnologie als neues Geschäftsfeld. 1990 ging das Biotechnikum in Burghausen in Betrieb. Mit der Akquisition der ProThera GmbH in Jena und der Gründung der Wacker Biotech GmbH 2005 erweiterte der Konzern seine bestehenden Pharma-Aktivitäten um die Auftragsentwicklung von Pharmaproteinen. 2013 übernahm Wacker das Unternehmen Scil Proteins Production in Halle. Dort werden pharmazeutische Wirkstoffe sowohl für die klinische Prüfung als auch für die Marktversorgung hergestellt.
Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts treibt Wacker die Internationalisierung des Konzerns weiter voran. In Europa, Asien und den USA entstehen große Produktionsstandorte. 1998 erwarb Wacker den Chemiestandort Nünchritz in Sachsen. Im Jahr 2004 begann Wacker mit der Herstellung von Siliconen in China. 2006 beschlossen Wacker und Samsung den gemeinsamen Bau einer Fabrik zur Herstellung von 300-mm-Halbleiterwafern, die nach nur 18 Monaten ihren Betrieb aufnahm. 2008 starteten Wacker und Dow Corning in Zhangjiagang, China, den weltweit größten integrierten Produktionsstandort für die Herstellung von Siloxan. 2011 nahm der Konzern in Charleston, Tennessee, USA, den Bau einer weiteren Produktionsanlage für Polysilicium in Angriff.
Wacker-Börsengang in 2006
Auch die Gesellschafterstruktur des Konzerns wandelte sich in diesen Jahren. 1921 hatte sich die Hoechst AG im Zuge der Erhöhung des Stammkapitals eine 50-prozentige Beteiligung an Wacker gesichert und blieb 84 Jahre lang neben der Familie Wacker wichtigster Gesellschafter des Unternehmens. Ab 2001 trennte sich Hoechst schrittweise von seinen Anteilen. 2005 gingen die letzten Anteile an die Familie über. Damit waren alle Voraussetzungen für einen erfolgreichen Börsengang gegeben, der am 8. April 2006 erfolgte. Das Unternehmen firmiert seither als Wacker Chemie AG.
Heute ist Wacker ein weltweit tätiger Konzern mit Hauptsitz in München. Mit einem breiten Angebot an technologisch hoch entwickelten Spezialprodukten zählt Wacker in seinen Geschäftsfeldern zu den Weltmarktführern.
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