Dafür ist es höchste Zeit: Schon heute kommt es zu lokalen Energie-Engpässen oder -Überangeboten, die es erforderlich machen, laufende Kraftwerke vom Netz zu nehmen. Jetzt soll die Unberechenbarkeit der Stromerzeugung mit der Steuerung der Verbraucher ausgeglichen werden. Dabei geht es nicht um große Strommengen. Schon ein kurzzeitiges Anheben oder Absenken der Last kann helfen, unkontrollierte Ausschläge der Frequenz zu stabilisieren.
Geregelt wird diese erste Verteidigungslinie der Netzbetreiber zentral von dem Verbund der zentraleuropäischen Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E (European Network of Transmission System Operators for Electricity). Die Industrie soll die Flexibilität bereitstellen, die die Stromerzeuger fordern, ohne ihre eigentliche Aufgabe – die Produktion von Gütern – zu vernachlässigen. Das klappt nur dann, wenn die Auswirkungen in der Produktion möglichst wenig spürbar sind.
Neue Wege für industrielle Verbraucher
„Zum ersten Mal liefert eine Technologiefirma in Deutschland Primärregelleistung aus einem Portfolio industrieller Großverbraucher“, so Dirk Rosenstock, VP Sourcing & Sales bei Restore Deutschland. „Primärregelleistung ist sehr anspruchsvoll: Anlagen müssen in der Lage sein, innerhalb von 30 Sekunden zu reagieren, um Netzschwankungen auszugleichen.“
Und das Beispiel macht Schule: So hat Restore im Sommer 2017 ein erstes Nichteisen-Metallwerk als Kunden gewonnen. Auch ein großer Stromspeicher ist jetzt Teil des Pools – sogar hier schafft die Kombination mit anderen industriellen Verbrauchern einen Mehrwert. Dabei ist es gerade der Poolgedanke, der Kunden überzeugt, ist sich Rosenstock sicher. Gemeinsam sei man eben flexibler als jeder Betrieb in der Rolle eines Einzelkämpfers. dst