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Neuer Equity-Partner Shell beteiligt sich an Waste-to-Chemicals-Projekt in Rotterdam

| Redakteur: MA Alexander Stark

Ein Konsortium bestehend aus Air Liquide, Nouryon, Enerkem und dem Rotterdamer Hafen, hat angekündigt, dass sich Shell als Partner an der geplanten Waste-to-Chemicals-Anlage zur Verwertung von Abfallchemikalien in Rotterdam, Niederlande, beteiligen wird. Das Projekt soll das erste seiner Art in Europa sein, das Chemikalien und Biokraftstoffe aus nicht recycelbaren Abfallstoffen herstellt.

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Das „Waste-to-Chemicals“-Projekt in Rotterdam ist ein Schritt zu einer nachhaltigeren chemischen Industrie und Kreislaufwirtschaft.
Das „Waste-to-Chemicals“-Projekt in Rotterdam ist ein Schritt zu einer nachhaltigeren chemischen Industrie und Kreislaufwirtschaft.
(Bild: Merle Prosofsky Photography/ Nouryon)

Rotterdam/Niederlande – Die im Jahr 2021 in Kraft getretene EU-Richtlinie für erneuerbare Energien (RED II) sowie andere Umweltinitiativen wie das Circular Economy Package schafften laut Marco Waas, Chairman des „Waste-to-Chemicals“-Projekts in Rotterdam und Director RD&I bei Nouryon, ein ideales Umfeld, um nachhaltiges Wachstum durch Innovation voranzutreiben. Das Projekt werde durch die Aufnahme eines weiteren führenden globalen Partners weiter gestärkt. Shell wird ein gleichberechtigter Equity-Partner im Rahmen des geplanten Projekts im Industriemaßstab.

Andrew Murfin, General Manager, Advanced Biofuels bei Shell, ergänzte, dass Industriepartnerschaften wie diese entscheidend für die Bereitstellung von Lösungen seien, die die Gesellschaft zur Deckung des Energiebedarfs und zur Verringerung der Emissionen im Kampf gegen Klimawandel und Luftverschmutzung benötige. Fortschrittliche Biokraftstoffe, auch solche, die aus Biomethanol hergestellt werden, hätten das Potenzial, insbesondere den Verkehrssektor zu dekarbonisieren. Dies ist nach den Worten Murfins eine spannende Perspektive, da der Verkehrssektor ein Fünftel der weltweiten energiebedingten CO2-Emissionen verursacht und auch in den kommenden Jahren auf flüssige Kraftstoffe, insbesondere für lange Fahrten und schwere Nutzfahrzeuge, angewiesen sein wird.

Das Konsortium – als zweckgebundenes Joint Venture-Unternehmen gegründet – hat bereits umfangreiche Vorarbeiten geleistet, die Detailkonstruktionen und den Genehmigungsprozess umfassen. Es ist beabsichtigt, die endgültige Investitionsentscheidung (FID) noch im Laufe des Jahres 2019 zu treffen, damit die Entwicklungsarbeiten fortgesetzt werden und die Auswahl eines Engineering and Procurement Contractors (EPC) abgeschlossen werden kann.

Verarbeitung von 360.000 Tonnen Abfall

Die geplante Anlage wird bis zu 360.000 Tonnen Abfall in 220.000 Tonnen (270 Millionen Liter) Bio-Methanol umwandeln – ein chemischer Baustein, der für die Herstellung einer breiten Palette von Alltagsprodukten und als erneuerbarer Kraftstoff verwendet wird. Dies entspricht der jährlichen Gesamtabfallmenge von mehr als 700.000 Haushalten und entspricht einer CO2-Einsparung von schätzungsweise etwa 300.000 Tonnen im Vergleich zur Herstellung von Methanol aus fossilen Brennstoffen.

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Das Projekt wird vom niederländischen Ministerium für Wirtschaft und Klimapolitik unterstützt, das mit Regularien dazu beitragen will, dass die neue Technologie in vollem Umfang genutzt werden kann und den Übergang zu einer kohlestoffarmen Wirtschaft anregt. Das Projekt „Waste-to-Chemicals“ wird auch von der Stadt Rotterdam, der Provinz Zuid-Holland und dem Innovation Quarter, der regionalen Entwicklungsagentur, unterstützt.

Die Anlage wird im Botlek-Gebiet des Rotterdamer Hafens mit der von Enerkem entwickelten Technologie gebaut und wandelt nicht recycelbare Mischabfälle, einschließlich Kunststoffe, in Synthesegas um. Dieses wird anschließend in sauberes Methanol für den Einsatz in der chemischen Industrie und im Transportbereich modifiziert. Gegenwärtig wird Methanol in der Regel aus Erdgas oder Kohle gewonnen.

Die Anlage wird über zwei Produktionslinien oder die doppelte Eingangskapazität der kommerziellen Anlage von Enerkem in Edmonton, Kanada, verfügen. Sie wird von der hochmodernen Infrastruktur im Rotterdamer Hafen sowie von Synergien mit Air Liquide (Großindustrie) für die Versorgung mit dem benötigten Sauerstoff und mit Nouryon für den Wasserstoffrohstoff profitieren. Ziel ist es aktuell, dass Nouryon und Shell Abnehmer für das nachhaltig produzierte Methanol der Anlage sein werden.

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