Plant Asset Management

Plant Asset Management in der Prozessindustrie – wohin geht die Reise?

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Aufs Consulting kommt es an

In diesem Zusammenhang ist das Thema Consulting ein wesentlicher Bestandteil von PAM, und das funktioniert nur am runden Tisch mit dem Betreiber. Um die Anlagen-Performance optimieren zu können, muss der Automatisierungshersteller vor allem die Applikation des Kunden kennen. „Das ist die Voraussetzung schlechthin, um PAM zu leben“, bringt es Gampp auf den Punkt. Ziel des Consultings müsse es sein, nicht nur den Wartungstechniker, sondern auch dem Anlagenfahrer zu überzeugen.

Denn der wirkliche Nutzen eines PAM erschließe sich erst dann, wenn das Felgerät, die Assets in der Anlage betrieben werden. „Und damit sind wir mitten in der Verfahrentechnik“, so Gampp. „Bei unseren klassischen Ansprechpartnern aus der Instandhaltung wird das Thema nicht automatisch kommen“, weiß der Endress+Hauser-Mann aus Erfahrung. „Wir müssen vor allem die Leute auf Betriebsleiterebene und höher überzeugen.“ Und es muss ein Know-how-Transfer stattfinden. Schulungen, wie sie Endress+Hauser beispielsweise anbietet, sind für Gampp essentiell.

Ein weiterer Aspekt, der eine Rolle spielen dürfte: Das Thema ist durchaus sensibel, schließlich optimiert PAM die Instandhaltung – und davon hängen Arbeitsplätze ab.

Hausaufgaben auf Leitebene

Dass PAM noch nicht der erhoffte entscheidende Durchbruch gelungen ist, liegt jedoch nicht nur an mangelnder Akzeptanz bzw. Zurückhaltung auf Betreiberseite. Auch die Leitsystemhersteller sehen Gampp und Rist unisono in der Pflicht. Die Hauptforderung: eine standardisierte Schnittstelle, mit der Diagnoseinformationen Hersteller-unabhängig automatisch an das Leitsystem weitergeleitet werden. Während die Feldgerätehersteller seitens der Sensorik und Aktorik „eine gute Basis gelegt und die Namurinformationen nach NE 107 auf ihre Displays und Bedientools gelegt haben“, betont Gampp, „halten sich die Leitsystemhersteller diesbezüglich noch zurück, ohne dass für den Betreiber ein erheblicher Engineering-Aufwand anfällt. „Hier sind sicher noch Hausaufgaben zu erledigen“, lautet Gampps Appell.

Rist stößt ins gleiche Horn: „Ich habe den Eindruck, wir stellen in Sachen Diagnoseinfomationen heute bereits eine ganze Menge zur Verfügung. Dies wird aber in den Leitsystemen wenig bis gar nicht umgesetzt. Die Informationen sind zwar vorhanden, kommen aber beim Betreiber oft gar nicht an.“ Große Hoffnungen hinsichtlich der Frage nach einer einheitlichen Schnittstelle in Richtung Leitsystem setzen Anwender und Gerätehersteller übrigens auf die vor kurzem erfolgte Einigung bei der FDI-Standardisierung, wie auch eine Podiumsdiskussion auf der Achema deutlich aufzeigte.

Fazit

Man darf gespannt sein, ob zur nächsten Achema Hersteller und Betreiber in Sachen PAM wunschlos glücklich sind. Und ob wir den Anschluss an Asien nicht verpasst haben. Denn dort sind die großen Greenfield-Anlagen schon heute digital von unten bis oben – ganz im Sinne von PAM.

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