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Wach für Innovationen bleiben
Bei Erfolg hören sich diese Maßnahmen immer einfach an. Um neue Ideen zu generieren, ist jedoch der Blick über den Tellerrand unumgänglich. ABB investierte dafür in 2010 rund 1,33 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung. So entwickelte ABB einen drahtlosen energieautarken Temperaturtransmitter, der extrem wenig Energie benötigt und diese aus der Abwärme eines Prozesses gewinnen kann. Aus der Gas- und Ölindustrie kommen weitere Ideen, etwa für vollständige integrierte Betriebsabläufe auf Ölplattformen und in der Zentrale an Land. Aus einem Projekt der Papierindustrie wurde eine ganz andere Art der Darstellung der Betriebsabläufe auf Bildschirmen für die Bediener vorgestellt. Um solche neuen Konzepte in die Praxis umzusetzen, scheut ABB auch nicht die Verbindung zu anderen Branchen. "Wie können Kampfpiloten im Cockpit schnell Informationen aufnehmen und verarbeiten oder wie setzen Spielekonsolen Gestik in Bildern auf dem Bildschirm um?", zeigte Terwiesch ungewöhnliche Wege auf.
Zögernder Einsatz von modernen Funktionen
Trotz vielversprechender Ansätze klafft jedoch häufig noch eine Lücke zwischen der installierten Basis und dem, was technisch machbar ist.„Warum werden moderne Leitsystemfunktionalitäten nicht genutzt, obwohl sie vorhanden sind?“, fragte Dr. Thomas Tauchnitz, neu in den Namur-Vorstand gewählt, etwa kritisch. „Oder warum werden moderne Regelungsstrategien angeboten, aber nicht implementiert?“ Ein weiteres Beispiel sind Advanced Solutions Systeme, die in den vergangenen Jahren von mehreren Prozessleitsystemherstellern entwickelt wurden, deren Nutzung in der chemischen Industrie bisher jedoch noch gering ist. Eine weitere Schwierigkeit: Solche Systeme werden bisher häufig erst bei laufenden Produktionsanlagen implementiert, sofern vorab deren Wirtschaftlichkeit gezeigt wurde. „Sinnvoller wäre es jedoch, diese bereits im Engineering zu berücksichtigen“, so Dr. Olaf Kahrs, BASF.
Um letztendlich die Frage zu beantworten, ob sich die Integration solcher Funktionen für die Hersteller wirklich lohnt, startete die Namur eine Umfrage unter Betreibern, Planern, Systemintegratoren und Herstellern. Das Ergebnis war wenig überraschend. „Prinzipiell sind die Anwender sehr zufrieden mit den jetzigen Leitsystemen“, so Michael Krauß, BASF, der die Ergebnisse präsentierte. Viele moderne Funktionen, z.B. Advanced Process Control, werden zwar von den Anwendern flächendeckend als nutzbringend angesehen, aber dennoch nicht eingesetzt. Dies gilt im Übrigen auch für andere moderne Funktionalitäten.
Die Namur empfiehlt daher eine Strukturierung des Portfolios auf Segmente, die ihren Fokus auf Service und Funktionalität statt auf Produkte und Komponenten legt. „Dies setzt die Existenz der notwendigen Beratungskompetenz als Kern des Produktportfolios voraus und dient der Sicherung des Projekterfolgs durch frühzeitige Abstimmung der Erfolgsfaktoren und des Projektbedarfs zwischen Herstellern und Anwendern“, beendete Krauß seinen Vortrag.
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