MES – Manufacturing Execution Systems

Manufacturing Execution Systems (MES) verbessern Operation Excellence in der Prozessindustrie

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Akzeptanz im Unternehmen

Bis diese Beispiele jedoch in die Praxis erfolgreich umgesetzt wurden, mussten die Verantwortlichen ein ganzes Stück Überzeugungsarbeit leisten. „Die Akzeptanz einer MES-Anwendung hängt stark davon ab, ob man alle Beteiligten in dem Projekt eingebunden hat“, berichtet Münnemann aus der Praxis. „Außerdem ist es wichtig, dass die End-Anwender in dem System eine Erleichterung für ihre tägliche Arbeit sehen.“

In der BASF gab es hierfür gute Voraussetzungen, da mit einem starken Engineering & Maintenance-Bereich sowohl technische Fachexpertise, als auch tiefe Kenntnisse der BASF-internen Abläufe und Rahmenbedingungen zusammen geführt werden. „Damit können wir eine geeignete Brücke zwischen neuer Technologie und Alltag im Betrieb bauen“, so Münnemann.

Fingerspitzengefühl empfiehlt auch Max Weinmann, Senior Consultant bei Emerson Process Management. „Die Anwender kennen diesen Betrieb und seine Abläufe am Besten. Also erst mal zuhören wo der Schuh drückt und den Anwendern deutlich machen, dass es ihr Projekt ist“, macht Weinmann deutlich.

Außerdem empfiehlt er, dass man sich selbst und den anderen am Anfang klar macht, dass es sich nicht um ein Automatisierung- oder IT-Projekt handelt, sondern um ein Projekt zur Verbesserung des Managements eines Produktionsbetriebs. Dann wird es seiner Meinung nach auch gelingen, mithilfe der Know-how-Träger im Betrieb eine vernünftige Ist-Stand-Analyse und realistische Beschreibung der Soll-Prozesse zu erhalten, die dann durch konfigurierbare Module des eingesetzten MES-Produkts abgedeckt werden.

Ausblick

Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten die Automatisierung des verfahrenstechnischen Produktionsprozesses im Vordergrund stand, will man nun mit dem Thema MES auch die Abläufe und Prozesse im Umfeld der verfahrenstechnischen Produktion stärker automatisieren und integrieren. „Hier besteht in der Prozessindustrie noch ein erhebliches Potential für weitere Optimierungen“, ist Münnemann überzeugt. Allerdings rechnet sich seiner Meinung nach derzeit die Einführung eines MES nicht in allen Fällen.

Dies liegt zum Teil an dem teilweise erheblichen Anpassungs- und Wartungsaufwand von MES-Produkten. Seine Forderung lautet daher, dass die am Markt verfügbaren Produkte sich stärker an den Anforderungen der Prozessindustrie orientieren. Aufgrund des langen Anlagen-Lebenszyklus sind insbesondere Aspekte wie technologische Offenheit, Migrationsfähigkeit und modulare „Baukastenfunktionalität“ wichtig.

Das Potenzial von MES ist trotzdem unbestritten. „Die wirtschaftliche Wertschöpfung durch – nach Möglichkeit integrierte – MES-Anwendungen ist in den Betrieben bei Weitem noch nicht ausgeschöpft und bietet Potenzial für zukünftige Ansätze“, ist Fittler überzeugt. Die Arbeit ist längst nicht abgeschlossen. Auf Lieferantenseite sieht Weinmann mögliche Weiterentwicklungen etwa bei der Verwendung von serviceorientierter Architektur (SOA), XML und Web-Services, die den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Applikationen auf der Enterprise-Supply Chain- und Life Cycle-Achse erleichtern. Im MES-Arbeitskreis des ZVEI wird zudem gerade darüber diskutiert, ob weiterführende Themen wie MES-Schnittstellen und damit verbundene Aktivitäten angegangen werden sollen.

Unberührt davon hält Weinmann den Einsatz von MES jedoch vor allem für eine Frage des Bedarfs bei den Anwendern. „Ich bin sicher, bei zunehmendem Kostendruck und der Notwendigkeit der Unternehmen, flexibel auf die Anforderungen des Marktes zu reagieren, werden MES-Werkzeuge zur Verbesserung der Operational Excellence eine zunehmende Rolle spielen. Warum auch sollte im Bereich des Managements der betrieblichen Produktion die Prozessindustrie hinter dem heute Möglichen zurückbleiben?“

Veranstaltungs-Tipp: Auf der SPS/IPC/Drives findet am Dienstag, 23.11. von 15 bis 16 Uhr eine Podiumsdiskussion „Ein MES für alle Fälle?“ statt (ZVEI Forum in Halle 8). Moderator ist Prof. Martin Wollschlaeger von der TU Dresden.

* Die Autorin ist freie Mitarbeiterin bei PROCESS.

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