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Jenseits der alles dominierenden Anforderung an die Fachkompetenz haben die Unternehmen ein nur wenig differenziertes Bild davon, welche Kenntnisse und Fähigkeiten ihre Ingenieure in den einzelnen Fachbereichen aufweisen sollten. Zugleich haben die Ingenieure in ihren Fachbereichen eine ziemlich unzutreffende Vorstellung davon, welche Anforderungen über die fachlichen Fähigkeiten hinaus die Unternehmen an sie stellen.
Die Einschätzungen der Ingenieure über die Unternehmensanforderungen differenzieren sich auch dann nur wenig, wenn man nach Karriereweg und Hierarchieebene unterscheidet. Auffällig sind lediglich folgende Unterschiede: Ingenieure, die eine Fachlaufbahn verfolgen, messen der Fachkompetenz eine noch viel stärkere und der persönlichen Kompetenz eine noch geringere Bedeutung bei als ihre Kollegen aus Projekt- und Führungslaufbahnen. Ingenieure aus Führungslaufbahnen schätzen die Bedeutung der persönlichen Kompetenz höher ein als ihre Kollegen aus anderen Laufbahnen. Mit der Hierarchieebene nimmt in den Augen der Befragten die Bedeutung der Methodenkompetenz zu; die Bedeutung der persönlichen Kompetenz sinkt dagegen, je höher die Ingenieure in der Hierarchie angesiedelt sind.
Anforderungsprofile sind das eine – aber wie ist es tatsächlich um die Kompetenzen der Ingenieure bestellt? Auch hierzu wurden wieder beide Gruppen befragt. Die Personalentscheider (Personalleiter und fachliche Leiter) bewerteten die Ingenieure in ihrem Unternehmen (Fremdbild), die berufstätigen Ingenieure gaben eine Selbsteinschätzung ihrer Kompetenzen ab (Selbstbild).
Generell fällt das Selbstbild der Ingenieure etwas positiver aus. So liegt die Gesamtbewertung der Kompetenzen durch die Personalentscheider (Fremdbild) bei 71 auf der Hunderterskala von 0 „mangelhaft“ bis 100 „sehr gut“, die Selbstbewertung der Ingenieure liegt bei 75. Der Unterschied dürfte kaum überraschen. Denn wenn es um die Bewertung der eigenen Person geht, sieht man sicherlich eher die Stärken, als wenn es um die Bewertung einer Gruppe von Mitarbeitern geht. Diese Art des abweichenden Antwortverhaltens trifft man daher in Mitarbeiterbefragungen häufig an.
Unzureichende Managementfähigkeiten
Interessant ist ein Blick auf diejenigen Kompetenzen, die für eine Projekt- oder Führungskarriere wichtig sind. Neben dem fachlichen Know-how werden hier vor allem Management- und Führungsfähigkeiten benötigt. Aber gerade bei zentralen Managementkompetenzen (betriebswirtschaftliche Kenntnisse, strategische Planung, Entscheidungstechniken) und Führungsqualifikationen (Konflikt- und Kompromissfähigkeit, Führungsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit) ist der Qualifikationsstand der Ingenieure aus Sicht der Entscheider unzureichend. Die Ingenieure selbst sehen jedoch nur bei den betriebswirtschaftlichen Kenntnissen ebenfalls ein Defizit, in allen anderen Bereichen schätzen sie ihre Fähigkeiten deutlich positiver ein als die Personalentscheider.
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