Kraftstoffe aus Restbiomasse

KIT nimmt Pilotanlage in Betrieb

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Die Investitionen in das Großprojekt betrugen insgesamt rund 64 Millionen Euro. Knapp die Hälfte kam aus Fördermitteln: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) steuerte 27 Millionen Euro bei, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) Baden-Württemberg und der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) jeweils eine Million Euro. Die Mittel des BMEL wurden über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), die Mittel des EFRE über das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft (MFW) Baden-Württemberg bereitgestellt.

Projekt geht nun in die Optimierungsphase

Von den verbleibenden Investitionskosten übernahmen das KIT und die Helmholtz-Gemeinschaft 24 Millionen Euro sowie die Industriepartner elf Millionen Euro. Industriepartner sind für die Bauabschnitte I (Pyrolyse) und II (Gaserzeugung) die Firma Air Liquide Global E&C Solutions Germany, Frankfurt, für die Konditionier- und Lagereinrichtung des Biosyncrude die Firma MAT Mischanlagentechnik, Immenstadt-Seifen, für den Bauabschnitt IIIa (Heißgasreinigung) die Firma MUT Advanced Heating, Jena, und für die Bauabschnitte IIIb+IV (Kraftstoffsynthese) die Firma Chemieanlagenbau Chemnitz. Die Industriepartner haben die bioliq-Pilotanlage projektiert, geliefert, montiert und in Betrieb genommen und werden sich auch an den weiteren Forschungs- und Entwicklungsarbeiten beteiligen.

Nach der Inbetriebsetzung der kompletten Prozesskette geht das Projekt nun in eine Optimierungsphase, um die Schritte des Verfahrens und die daraus erhaltenen Produkte weiter zu verbessern. Das in der Pilotanlage hergestellte Benzin ist für Testzwecke bestimmt. Ein weiteres Ziel ist, neue Kraftstoffe und Kraftstoff-Komponenten zu entwickeln, die dabei helfen, die Energieeffizienz und die Emissionen heutiger und neuer Verbrennungsmotoren zu verbessern.

Der Bioliq-Prozess

Der Bioliq-Prozess (Biomass to Liquid Karlsruhe) berücksichtigt, dass Stroh und andere biogene Reststoffe räumlich weit verteilt anfallen und einen niedrigen Energiegehalt aufweisen, und ermöglicht zugleich eine wirtschaftliche großtechnische Produktion. Insgesamt besteht das Verfahren aus vier Stufen: Zunächst wird die trockene Restbiomasse dezentral durch Schnellpyrolyse in eine rohölartige Substanz von hoher Energiedichte umgewandelt. Diese Substanz, der sogenannte Biosyncrude, lässt sich wirtschaftlich über große Strecken transportieren und zentral weiterverarbeiten. Ein Hochdruck-Flugstromvergaser setzt den Biosyncrude bei Temperaturen über 1200 °C und Drücken bis zu 80 bar zu einem teerfreien Synthesegas um. Dieses besteht großenteils aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff. Die anschließende Heißgasreinigung dient dazu, Störstoffe wie Partikel, Chlor-, Schwefel und Stickstoff-Verbindungen aus dem Synthesegas abzutrennen. In der Synthesestufe entstehen schließlich maßgeschneiderte Kraftstoffe oder chemische Grundprodukte.

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