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PROCESS: Welche Möglichkeiten im Produkt-Design schafft die Strahlschicht?
Jacob: Die Strahlschicht bietet die Möglichkeit, die thermischen Bedingungen im Prozessraum in einem sehr weiten Bereich zu variieren. Besonders bei der Behandlung von temperatur- und verweilzeitempfindlichen Produkten erweist sich die Strahlschicht als sehr vorteilhaft. Speziell bei der Durchführung von Sprühgranulationsprozessen lassen sich merkbare Vorteile erkennen, wenn sehr feine Partikel mit homogener Struktur und gleichmäßiger Oberflächenstruktur hergestellt werden sollen. Weiterhin sind Beschichtungsprozesse auch mit sehr hohen Auftragsmengen durchführbar, da sowohl feine als auch deutlich größere Partikel gleichzeitig in einem Apparat besser fluidisiert werden können als mit der herkömmlichen Wirbelschichttechnik.
PROCESS: Sie setzen im Technologiezentrum überwiegend kontinuierliche Verfahren ein. Welche Vorteile haben Konti- gegenüber Batch-Verfahren?
Jacob: Vor- und Nachteile zwischen den beiden Grundprinzipien eindeutig zu beschreiben ist nicht immer möglich. Wir betrachten die zwei Ansätze als gleichwertig. Chargenprozesse haben ihre Vorzüge bei häufigen Produktwechseln, kleineren bis mittleren Produktionsmengen und Anwendungen, wo es auf sehr genaue Zeitabläufe ankommt. Die kontinuierlichen Verfahren bieten sich bei mittleren bis sehr hohen Mengen an. Ihr besonderer Vorteil besteht in der sehr gleichmäßigen Produktqualität und dem minimalen Bedienungsaufwand. Weiterhin kann die insgesamt hergestellte Produktmenge in einem sehr weiten Bereich durch Änderung der Anlagenbetriebszeit verändert werden. Diese Eigenschaft hat Vorzüge, wenn mit der gleichen Anlagentechnik ein Produkt zunächst entwickelt und anschließend in größeren Mengen produziert werden soll. Somit wird eine sichere Übertragbarkeit gewährleistet.
PROCESS: Wo liegen die besonderen Herausforderungen beim Scale-up von Wirbelschichtprozessen?
Jacob: Das Scale-up von Wirbelschichtprozessen gestaltet sich umso komplexer, je spezifischer die Eigenschaften der herzustellenden Produkte sind. Beim Produktdesign wird mit Temperatur- und Feuchteprofilen im Prozessraum gearbeitet. Dazu kommen die vorherrschenden Kräfte zwischen den Partikeln, wie z. B. Haftkräfte und Scherkräfte. Das alles muss bei der Maßstabsübertragung berücksichtigt werden. In den letzen Jahren wurden immer mehr neue Methoden und bessere Modelle entwickelt, die sich auch in der Praxis einsetzen lassen. Die Nutzung von Modellierung und Simulation verbessert das Prozessverständnis, ersetzt jedoch nicht die versuchstechnische Arbeit und die praktische Erfahrung.
* Das Gespräch führte Anke Geipel-Kern, Redakteurin bei PROCESS.
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