Schalldämpfer

Gebläsetechnik – Wie Sie mit reaktiven Schalldämpfern kräftig Dezibel senken

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Wenn Schallwellen sich aufheben

Der Reflexionsschalldämpfer lässt sich vom Wirkprinzip mit der Lösung aus Mikrophon und Lautsprecher vergleichen. Schallwellen werden gemessen und dann ein abgestimmter Gegenschall erzeugt, der den Ursprungsschall eliminiert. So ein Verfahren kommt aktuell in hochpreisigen Kopfhörern mit „Acoustic Noise Cancelling Technologie“ zum Einsatz. Bei den Reflexionsschalldämpfern übernimmt dieses zeitversetzte Überlagern der Schallwellen im Inneren ein spezielles Rohrsystem.

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„Wir müssen die Schallführung mit variierenden Rohrlängen und -durchmessern sehr exakt auf die Quelle auslegen, damit wir eine möglichst breitbandige Dämpfung erzielen“, erklärt Fabian Pasimeni, Produktmanager für Gebläse und Delta Hybrid bei Aerzen. Die Niedersachsen sind mit dieser Lösung einzigartig im Markt und setzen sie künftig auch für direktangetriebene Schraubenverdichter ein. Im Vergleich zu Maschinen mit Riemenantrieb sind sie für höhere Leistungen ausgelegt, drehen dabei langsamer und erzeugen so ein tieferes Frequenzband.

„Die Vorteile der Schalldämpfer ohne Absorptionsmaterial sind – nachhaltig betrachtet – so groß, dass wir für diese Gerätereihe ebenfalls in die Entwicklung passender Reaktivschalldämpfer eingestiegen sind“, berichtet Delta Screw-Produktmanager Horst-Ulrik Schwarz.

Vorteilhaft hier: Aerzen pflegt ein eigenes Kompetenzzentrum für Schalldämpfer inklusive Fertigung. Mit Blick auf den weltweiten Einsatz, sind die perfekt abgestimmten Module gemäß den Reglungen internationaler Druckluftverordnungen zertifiziert. Innerhalb der EU greift dabei die Richtlinie 2014/68/EU – in Deutschland bezeichnet als Druckgeräterichtlinie (DGRL) bzw. Pressure Equipment Directive (PED). Vergleichbare globale Regelungen definiert zudem die Fachgesellschaft Druckbehälter der American Society of Mechanical Engineers (ASME).

Reaktivschalldämpfer sind dauerhaft verlässlich

Welchen Stellenwert die eigene Schalldämpferentwicklung und -herstellung im eigenen Haus hat, wird neben der internationalen Zulassung vor allem bei der Förderung von Prozessgasen deutlich. Im Gegensatz zum Seriengeschäft mit standardisierten Druckschalldämpfern sind in dieser Branche die Aggregate immer speziell für das jeweilige Einsatzgebiet und vor allem das zu fördernde Gas entwickelt. Weil bei allem Anspruch an die 100-prozentige Prozesssicherheit ebenfalls der geforderte Schalldruckpegel einzuhalten ist, sind entsprechend angepasste Reaktivschalldämpfer in- dividuell zu entwickeln.

Prozessgas geht in einer Vielzahl von Anwendung einher mit dem Ex-Schutz. Hierbei kann es einerseits der Fall sein, dass das direkte Transportmedium aufgrund seiner chemischen Eigenschaften eine Atex-Klassifizierung nach sich zieht. Andererseits spielt der Ex-Schutz auch bei Produkten eine Rolle, die erst durch feinstaubigen Transport einen zündfähigen Zustand erreichen – bestes Beispiel Getreidemehl. Vor dem Hintergrund, dass Mehl häufig mit Blasanlagen transportiert wird, gelten zwar für die Aggregate selbst keine besonderen Atex-Auflagen, weil sie außerhalb der Ex-Schutz-Zonen installiert sind. Diese Zonenfreiheit schließt eine Ex-Gefährdung aber nur dann aus, wenn sicher zu verhindern ist, dass z.B. Funken als Folge eines technischen Schadens durch die Druckleitung bis in die Atex-Zone – also dem Produkt – gelangen können.

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