Aus dem Leben eines Auditors

Fake Factory – Die Fabrik, die es nicht gab

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Potemkinsche Dörfer in China

Auch der Besuch des externen Fertigwarenlagers brachte wenig Klärung. Wenigstens stand nun der Firmenname an der Tür, den ich ursprünglich erwartet hatte. Hier waren die zu auditierenden Substanzen tatsächlich vorrätig, dafür fehlten die Produkte des besichtigten Betriebes gänzlich. Mittlerweile war eindeutig klar, dass mir die Chinesen einen potemkinschen Herstellbetrieb präsentiert hatten. Zumindest was meine Wirkstoffe betraf.

Ich wechselte die Strategie: Wenn schon Händler statt Hersteller, dann benötige ich alle Rohstoffquellen. Zähneknirschend stimmten die Verantwortlichen dem Vorschlag zu. Zurück in Deutschland liefen die geforderten Unterlagen peu a peu ein. In ihrer Vollständigkeit waren sie allerdings so weit entfernt wie GMP von GEZ und der Händler ähnlich weit weg von seiner Einstufung als qualifizierter Lieferant. Letztendlich verließ die Herren durch meine beharrlichen Nachfragen wohl ihr asiatischer Langmut, denn sie schickten uns kurzerhand drei Dateien. Ihr Inhalt: Briefkopf, Siegel, Unterschrift und ein Hinweis, dass wir nun die nötigen Bestätigungen selbst schreiben könnten… ●

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