Explosionsschutz

Erkenntnisse aus der Praxis der Explosionsdruckentlastung

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Dies hat zur Verunsicherung bei jenen Anwendern geführt, die bei ihren Anlagen Druckentlastung mit Kanälen durchführen. Je nachdem welches Regelwerk angewendet wurde, hat man Anlagen mit unter- oder überdimensionierter Druckentlastung entworfen. Ersteres stellt ein Sicherheitsrisiko für den Anlagenbetreiber dar, letzteres ein kommerzielles Problem für den Anlagenhersteller, der sein folglich teureres Produkt gegen günstigere, vermeintlich sichere Produkte am Markt platzieren muss.

Zusätzliche Probleme ergeben sich für alle international agierenden Anlagenbauer, die ihre Geräte z.B. auch in den USA vertreiben. Dort wird je nach „authority having jurisdiction“ auch Übereinstimmung mit der NFPA68 verlangt. In diesem Standard werden Abblasekanäle ebenfalls rechnerisch berücksichtigt. Die Ergebnisse können je nach Konstellation noch deutlich konservativer als bei den europäischen Regelwerken ausfallen. Während EN und VDI dem Effekt der Sekundärexplosion den größten Einfluss auf den Druckanstieg im Behälter zugestehen, ist der Ansatz der NFPA mehr auf Strömungsverluste durch den Kanal selbst fokussiert. Neuere Untersuchungen [6] mittels numerischer Simulation bestätigen dies für Kanallängen mit einem Verhältnis von Länge zu Durchmesser größer als vier. Allerdings sagt die NFPA auch, dass kurze Kanäle mit einer dem hydraulischen Durchmesser der Entlastungsöffnung entsprechenden Länge keinen Einfluss auf den Entlastungsvorgang haben. Dies konnte in jüngsten Explosionstests auf dem Fike-Testgelände belegt werden. EN und VDI gehen hier von signifikanten Druckanstiegen aus.

Für einen Anlagenbauer ist es nun schwer nachzuvollziehen, dass seine Anlagen von unterschiedlichen europäischen oder amerikanischen Abnehmern als sicher oder unsicher eingestuft werden - je nachdem, ob die Abnahme sich auf VDI, EN oder NFPA stützt.

Anregung

Anlagen sollen sicher, aber auch gleichzeitig bezahlbar sein. In diesem Sinne wäre es sehr zu wünschen, dass bei der aktuellen Überarbeitung der EN 14491 alle verfügbaren Erkenntnisse einfließen und eine weitere unbefriedigende Insellösung vermieden wird. <

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