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Exklusiv-Interview Meilenstein Software Engineering Base als Enabler der Digitalisierung

| Autor: Anke Geipel-Kern

Viel Entwicklungsarbeit ist in die Erweiterung von Engineering Base geflossen, jetzt erntet Aucotec die Früchte – Die Softwareschmiede Aucotec war oft Vorreiter, doch mit dem Revirement der Plattform EB ist den Entwicklern ein Geniestreich gelungen. Das Team um Uwe Vogt verzeichnet gerade einen Auftragsboom. Doch die Hannoveraner behalten die Bodenhaftung.

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Uwe Vogt, Aucotec-Vorstand: „Nur echte Parallelisierung der Kernaufgaben schafft trotz wachsender Komplexität wirksame Effizienz-Sprünge.“
Uwe Vogt, Aucotec-Vorstand: „Nur echte Parallelisierung der Kernaufgaben schafft trotz wachsender Komplexität wirksame Effizienz-Sprünge.“
(Bild: Aucotec)

Seit der Achema 2018 scheint sich die Welt bei Aucotec ein wenig schneller zu drehen. Das abgelaufene Geschäftsjahr glänzte durch Superlativen und Vorstand Uwe Vogt ist momentan noch mehr unterwegs als sonst. Am Tag vor dem Interviewtermin war er bei einem großen Technologiekonzern, der über den Umstieg auf Engineering Base nachdenkt. Und bald steht der Umzug in die neue Zentrale an.

PROCESS: Herr Vogt, nach knapp elf Jahren Vorstandstätigkeit, was ist für Sie das Besondere an Aucotec?

Uwe Vogt: Obwohl wir seit über 30 Jahren am Markt sind, empfinde ich es als außergewöhnlich, wie stark sich Aucotec in den letzten Jahren verändert hat. Zum Teil fühlt es sich wie ein ganz neues Unternehmen an. Dieser Mut zur Veränderung und der Pioniergeist sind auch Teile der Unternehmens-DNA, die ich ganz besonders schätze. Als eigenständiges, eigentümergeführtes Unternehmen, haben wir eine eigene Kultur entwickelt, die wir trotz des starken Wachstums in den letzten Jahren beibehalten haben.

PROCESS: Wie macht sich diese Kultur bemerkbar?

Vogt: Wir pflegen nach wie vor eine sehr flache Hierarchie und direkte Kommunikation. Ich greife immer noch direkt zum Telefonhörer und erhalte so ungeschminktes Feedback aus den Projekten. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf eine offene Fehlerkultur. Aus dieser Offenheit heraus generieren wir extrem viel Eigenverantwortung für alle Mitarbeiter und gewähren gleichzeitig sehr viele Freiheiten.

PROCESS: Auf der Hauptversammlung im September 2019 haben Sie die Ergebnisse des erfolgreichsten Geschäftsjahres der 34-jährigen Aucotec-Geschichte vorgelegt. Welchen Anteil hat Engineering Base bereits daran?

Vogt: Wir haben im letzten Jahr einen Umsatz von 21,8 Millionen Euro erreicht und haben damit das Vorjahresergebnis um 13 Prozent übertroffen. Unsere kooperative Plattform Engineering Base (EB) Plant ist der entscheidende Grund für diese sehr erfreulichen Zahlen. Wir haben viel Kraft und Ressourcen in ihren Ausbau investiert, und es hat sich gelohnt. Bereits die Vorstellung auf der Achema im Juni 2018 hat ein großes Interesse im Markt geweckt. Mittlerweile konnten wir dank EB mehrere Projekte gewinnen, der Januar 2019 war der umsatzstärkste Monat in über 30 Jahren Firmengeschichte.

PROCESS: Warum war die Entscheidung in die Erweiterung von Engineering Base zu investieren nötig? Hat Aucotec zu wenig Umsatz gemacht?

Vogt: Im Gegenteil, ab 2012 hat Engineering Base richtig eingeschlagen. Wir hatten mehrere umsatzstarke Jahre in Folge und wir haben mehrere Tochterfirmen gegründet u.a. in Korea und Schweden. Trotzdem war EB bis 2018 sehr stark auf die Themen Elektrotechnik, Automatisierung und Instrumentierung fokussiert, und wir waren bis dahin in Branchen unterwegs, die nur geringe Anforderungen an das Prozessdesign haben. Und das wollten wir ändern. Uns war klar, wir können nur dann die Prozessindustrie komplett erschließen, wenn wir Engineering Base so weiter entwickeln, dass wir alle Kerndisziplinen im Anlagen­engineering abdecken können, also FEED, Basic, Operation und Instandhaltung. Mit der kollaborativen Plattform und dem universellen Datenmodell können wir über den gesamten Anlagenlebenszyklus mit EB-Betreibern und -Planern den größten Mehrwert bieten.

PROCESS: Erklären Sie uns das bitte genauer.

Vogt: Nur echte Parallelisierung der Kernaufgaben im Engineering schafft wirksame Effizienz-Sprünge – trotz wachsender Komplexität. EBs universelles Datenmodell bietet mit der neuen Version 2018 eine Bandbreite an Disziplinen und damit eine Kooperationsfähigkeit und Durchgängigkeit, die unserer Meinung nach weltweit einzigartig ist. Die Plattform ist schon seit 15 Jahren ausgelegt auf Multiuser-Fähigkeit, das Parallelisieren der beteiligten Prozesse und simultanes Engineering. Genau das also, was heute gefordert ist.

Aucotec hat viel in Strukturen und Tochtergesellschaften investiert

PROCESS: Sie haben schon große Unternehmen überzeugen können. Ein Megaauftrag von Equinor wird sie über viele Jahre beschäftigen. Wie bewältigt das ein 250 Mitarbeiter-starkes Unternehmen?

Vogt: Es ist natürlich eine Herausforderung, mit großen Unternehmen partnerschaftlich zurecht zu kommen. Sie brauchen eine gewisse kritische Masse und vor allem Qualität sowie eine Struktur, um Kunden dieser Größenordnung beraten zu können. Hier haben wir in den letzten Jahren viel in Know-how investiert, damit unsere Fachleute auf Augenhöhe diskutieren können. Deswegen auch die Tochtergesellschaften, weil praktisch alle größeren Unternehmen, mit denen wir sprechen, international verteilt sind. Dieses Netz von Töchtern und Partnern haben wir entscheidend ausgeweitet und profitieren nun davon. Aber wir nehmen auch nicht beliebig viele solcher Projekte gleichzeitig an.

PROCESS: Die potenziellen Kunden sind das eine, sie messen sich nun aber auch mit Wettbewerbern, die um einiges größer sind.

Vogt: Zum Teil haben wir es tatsächlich mit deutlich größeren Marktbegleitern zu tun. Wir wissen allerdings auch, dass wir mit unserer Entwicklungsmannschaft von 60 Mitarbeitern und unserem Supportteam ebenso global aufgestellt wie unser Wettbewerb sind und in Bezug auf die Größe sehr gut mithalten können. Das heißt, wir verstehen uns selbst als einer der Marktführer – in dem Bereich, in dem unsere Plattform angesiedelt ist.

PROCESS: Ein Schwerpunkt von Aucotec ist die Unterstützung von Anlagenbetreibern auf ihrem Weg in die Digitalisierung. Was kann EB besser als andere Engineering-Werkzeuge?

Vogt: EBs datenzentriertes Prinzip entstand lange bevor Digitalisierung und Industrie 4.0 als Schlagworte auftauchten. Das wichtige Stichwort heißt hier Single-source-of-truth. Engineering Base bietet heute mit seiner mehrschichtigen Serverarchitektur eine disziplinübergreifende, zentrale Datenquelle für die Abbildung eines kompletten digitalen Anlagenzwillings. Wir sind aufgrund der offenen Architektur in der Lage, Daten verschiedener Formate aufzunehmen. Und das ist heute im Betreiberumfeld zunehmend die Aufgabe. Da geht’s nicht nur um das Engineeringsystem, sondern es geht darum: Wie integriert man Daten, die in anderen Systemen liegen, auf einer Plattform? Und hier liegt der große Nutzen von Engineering Base für die Digitalisierung, das damit als Enabler für das Anlagenmodell wirkt.

PROCESS: Was kommt nach dem großen Wurf EB als nächstes?

Vogt: Im Moment fokussieren wir uns weniger auf die Weiterentwicklung der Plattform sondern auf das dadurch ausgelöste Wachstum. Es gibt jetzt ein Momentum, das wir nutzen werden. Wir definieren gerade, wie schnell wir wachsen wollen, wo wir Grenzen ziehen, was wir genau adressieren, welche Partner wir brauchen. Ein großes Thema sind neue Mitarbeiter und deren Integration. Das sind im Moment die Hauptaufgaben, die uns beschäftigen.

Herr Vogt, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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