ProcessNet-Jahrestagung 2008

Die Rohstoffbasis für die Chemische Industrie ist im Wandel

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In acht Fachgemeinschaften sind derzeit 86 Gremien organisiert, die das gesamte Spektrum von der technischen Chemie bis zu maschinenbaunahen Disziplinen abbilden. Interdisziplinär wird auch der anstehender Rohstoffwandel betrachtet. Ein in diesem Jahr etablierter Arbeitskreis von ProcessNet, VCI, DGMK und GDCh mit dem Titel „Rohstoffbasis im Wandel“ will noch in diesem Jahr erste Ergebnisse vorlegen.

Rohstoffbasis im Wandel

Öl und Gas bilden nicht nur eine wichtige Grundlage der Energiewirtschaft. Derzeit basieren 76 Prozent der Chemieprodukte in der einen oder anderen Weise auf Erdöl, sowie elf Prozent auf Erdgas. Mit diesen Zahlen betonte Oberholz die Relevanz, die Rohöl auch als stoffliche Ressource für die Chemiebranche hat.

Die Substitution durch nachwachsende Rohstoffe wird als vermeintlich einfache Lösung gehandelt. Mehr als zehn Prozent der Rohstoffe in der deutschen chemischen Industrie stammen heute schon aus solchen Quellen. „Dieser Anteil wird in den kommenden Jahren drastisch nach oben gehen“, ist sich Oberholz sicher. Doch es gibt auf diesem Gebiet noch einiges zu tun. Betrachte man den gesamte Lebenszyklus, sei der Einsatz nachwachsender Rohstoffe in vielen Fällen derzeit noch nicht wirtschaftlich und nachhaltig genug. „Die Synthesewege sind noch nicht in gleicher Weise optimiert wie bei klassischen Petrochemikalien“, sagte Oberholz, der noch viel Potenzial in der Kombination biotechnologischer und chemischer Verfahren zur Entwicklung neuer Synthesewege sieht. Ein gesellschaftliches Problem beim Einsatz nachwachsender Rohstoffe als Rohstofflieferant ist jedoch nach wie vor die Nutzungskonkurrenz zur Nahrungsmittelbranche. „Im Zweifel muss immer die Nutzung als Nahrungsmittel für Mensch und Tier den Vorrang haben“, so Oberholz, der auf Pflanzen verweist, die nicht in Konkurrenz hierzu stehen, beispielsweise die für den Anbau auf ariden Flächen geeignete Jatropha-Nuss. Auch Verfahren, die Lignocellulosen nutzbar machen, und weitere Ansätze zur Ganzpflanzennutzung waren inhaltliche Bestandteile der ProcessNet-Tagung.

Ergänzend zum langfristigen Umstieg auf nachwachsende Rohstoffe wurden auf der Jahrestagung auch Technologien diskutiert, die eine Nutzung von Erdgas oder Kohle wirtschaftlicher machen können. Die Dechema will gemeinsam mit der Deutsche Wissenschaftliche Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle (DGMK) das förderpolitische und forscherische Interesse wieder auf die Kohleveredelung lenken, wie Oberholz bei der Eröffnungsrede informierte. „Die Umstellung auf Erdgas ist zwar einfacher, allerdings ist der Preis des Erdgases mit dem Ölpreis verknüpft. Kohle ist sehr viel länger verfügbar, die Nutzung erfordert aber höhere Forschungs- und Investitionsaufwendungen und bewirkt einen hohen CO2-Ausstoß“, sagte hierzu Prof. Martin Strohrmann, stellvertretender Vorsitzender von ProcessNet.

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CO2 einsparen ist besser als CO2 einlagern

Ob aus Energiegewinnung oder der chemischen Produktion, was soll mit dem anfallendem CO2 geschehen? Ideal wäre es, CO2 als Kohlenstoffquelle für neue Grundstoffe zu nutzen. Neben dem Einsatz in der Getränkeindustrie, als Extraktions- oder Kühlmittel wird beispielsweise eine stoffliche Nutzung bei der Umsetzung zu Polycarbonaten oder bei der Entwicklung einer künstlichen Photosynthese diskutiert.

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